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Shopsystem-Übersicht (1): Die besten Systeme - Marktbedeutung, Analyse, Einkaufsentscheidungen

13.02.2015 Mit einfachem Feature-Vergleich kommt man bei der Auswahl der passenden Softwareplattform für den Onlineshop längst nicht mehr weiter. Vor allem, wenn es sich um ein größeres Projekt handelt. iBusiness zeigt die erfolgreichsten Systeme. Und analysiert fünf Einkaufsentscheidungen, die Sie treffen müssen.

Das Shopsystem stellt das Herzstück eines jeden Onlineshops dar - bei der Auswahl des Systems ist höchste Sorgfalt gefragt - und Kenntnis über die wichtigsten Auswahlkriterien (Bild: geralt / www.pixabay.com)
Bild: geralt / Pixabay
Das Shopsystem stellt das Herzstück eines jeden Onlineshops dar - bei der Auswahl des Systems ist höchste Sorgfalt gefragt - und Kenntnis über die wichtigsten Auswahlkriterien

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
Strategisch
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Technik
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Wirtschaft
 
heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Was zu tun ist:
Heute: Die passenden Auswahlkriterien festlegen
Morgen: System-Evaluierung nach strategischen Überlegungen durchführen
Übermorgen: Prozesse verschlanken und Bedienbarkeit verbessern
Man sollte denken, dass man bei der Wahl des Shopsystems kaum noch etwas falsch machen kann. Die Systeme aller namhaften Hersteller sind inzwischen so ausgereift, dass sich allein am Funktionsumfang kaum noch ein Unterschied festmachen lässt. Egal ob SAP-Tochter   Hybris   , oder SaaS-Anbieter Demandware   , ob das Allzweckwerkzeug Magento    oder das ostdeutsche Urgestein Intershop   , ob die badische Oxid eSales   , Shopware    oder das Big-Blue-System IBM Websphere   - alle namhaften Systeme sind gleichermaßen robust, ausgereift und vollständig.

Allerdings: Wenn es nur nach diesen Kriterien ginge, müssten sich selbst Shopsysteme, die in einer deutlich niedrigeren Liga spielen, vor den Dickschiffen der Branche kaum verstecken.

Trotzdem eignet sich selbstverständlich nicht jede Shopsoftware für jedes Unternehmen. Die Entscheidung will sorgfältig abgewogen sein, da erhebliche Budgets in das Shopsystem fließen und - vor allen Dingen - Erfolg oder Misserfolg in der Regel geschäftskritisch sind.

Denn noch erheblicher als die direkten Unkosten einer Fehlentscheidung (die in Form von Lizenz- und Agenturkosten entstehen), sind die indirekten Folgekosten: Umsatzausfälle, umständliche Work-Arounds und sinkende Wettbewerbsfähigkeit können einen Onlineshop noch teurer zu stehen kommen oder gar Kopf und Kragen kosten.

Erschwert wird die Entscheidung durch einen äußerst unübersichtlichen, heterogenen Software-Markt. Er reicht von selbstgestrickten Agenturlösungen, kostengünstigen Kleinstsystemen, einem überfüllten, kaum differenzierbaren Software-Mittelbau bis zu den hochpreisigen Enterprise-Lösungen. Für weitere Schwierigkeiten bei der Entscheidung sorgt, dass sich die Systeme nicht nur in den Dimensionen "Leistungsfähigkeit", "Funktionsumfang" und "Benutzungsfreundlichkeit" segmentieren lassen, sondern auch nach technischen und strategischen Ansätzen: Open-Source trifft auf Closed-Source, Cloud-Angebote konkurrieren mit serverbasierten Lösungen, komplexe Suite-Ansätze mit modularen Best-of-breed-Ideen.

Und über allem schwebt die Grundfrage: Make or buy - soll man das wichtigste Stück Software in einem ECommerce-Unternehmen lieber selber programmieren oder bei einem der renommierten Anbieter fertig einkaufen?

Multichannel-Händler setzen auf komplexe Suites

Zunächst hilft ein Blick in die Praxis, um festzustellen, welche Händlertypen bestimmte Onlineshops bevorzugen. Das Einzelhandelsinstitut EHI hat in seiner demnächst erscheinenden Studie "Shopsysteme in Deutschland 2015  ", die iBusiness vorab vorliegt, die Top-1.000-Onlineshops in Deutschland untersucht und festgestellt, welche Systeme in den verschiedenen Onlineshops eingesetzt werden.

Dabei zeigt sich folgendes Bild:

(Grafik: HighText Verlag; Quelle: EHI Studie: „Shopsysteme in Deutschland 2015“ / Auswertung der Top-100-Shops)


Unter den Top-100-Shops sind 44 Multichannel-Händler. Davon setzen 19 Shops selbst entwickelte Systeme ein. Der Rest verteilt sich wie folgt:
  • Hybris: 8 Installationen
  • Intershop: 6 Installationen
  • IBM Websphere: 5 Installationen
  • Demandware: 2 Installationen
  • Andere: 4 Installationen
Multichannel-Händler - darunter viele klassische Katalogversender und Stationärhändler - sind in der Regel später in den E-Commerce eingestiegen und benötigten aus dem Stand eine leistungsfähige und skalierbare ECommerce-Lösung. Sie greifen daher häufig zu einer teuren und komplexen Lösung eines namhaften Anbieters.

Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn man die Online-Pure-Player betrachtet. Unter den Top-100-Shops sind 48 Online-Pure-Player. Von ihnen setzen 33 Shops auf eine Eigenentwicklung. Der Rest verteilt sich wie folgt:
  • Shopware: 4 Installationen
  • Oxid E-Sales: 2 Installationen
  • Magento: 2 Installationen
  • Intershop: 1 Installationen
  • Hybris: 1 Installation
  • andere: 4 Installationen
Es zeigt sich: Im Gegensatz zu Multichannel-Händlern setzen Online-Pure-Player sehr viel stärker auf Eigenentwicklungen. Dies dürfte daran liegen, dass die meisten Online-Pure-Player bereits seit längerer Zeit am Markt sind und sich zunächst eine Wachstumsphase gönnen konnten. Außerdem sind die internen Geschäftsprozesse in der Regel überschaubarer. Dies zeigt sich daran, dass die meisten Händler, die zu Suites greifen mit "kleineren" Lösungen a la Magento, Oxid E-Sales oder Shopware auskommen (insgesamt sieben Installationen), während nur drei Pure Player auf Lösungen in der Größenordnung von Intershop oder SAP Hybris setzen.

Eine dritte Gruppe bilden die acht Onlineshops, die von Herstellern betrieben werden. Unter den Top-100-Shops sind 8 Herstellershops. Von ihnen setzen vier auf Eigenentwicklungen; der Rest verteilt sich wie folgt:
  • Hybris: 2 Installation
  • Demandware: 2 Installationen
Offensichtlich setzen Hersteller-Shops ebenfalls vermehrt auf Anbieter "großer" Shopsysteme und - wie nicht anders zu erwarten - insbesondere auf Demandware, der sich gezielt an diese Kundengruppe richtet.

Nicht die Größe, sondern die Geschwindigkeit entscheidet

Entscheidend für die Frage, ob eine Eigenentwicklung zum Einsatz kommen soll oder nicht, ist also weniger die Frage, wie groß das Unternehmen ist. Im Gegenteil: Mit Amazon  , Otto   oder Zalando   setzen ausgerechnet die Schwergewichte (inzwischen) auf eine eigene Lösung (Otto startete zunächst mit Intershop, Zalando installierte eine Magento-Lösung). Entscheidender ist vielmehr die Frage, ob das Unternehmen Gelegenheit hatte, in den E-Commerce hineinzuwachsen oder ob das Handelsunternehmen in kürzester Zeit von Null auf Hundert beschleunigen musste.
Hochmodulare Lösungen
Modulare Lösungen eignen sich hingegen eher für die Integration in eine bestehende IT-Landschaft. Wenn beispielsweise in ein bestehendes ERP-System mit existierenden Prozessen ein Onlineshop eingeflochten werden soll, kommt es weniger auf die Gestaltung des Shop-Front-Ends, sondern auf eine nahtlose Integration in die Unternehmensstruktur an.

In diesem Fall wird entweder ein komplexes System wie à la Intershop verwendet und bis auf die Kernlogik entschlackt oder es kommen gleich hochflexible Systeme wie SAP Hybris oder IBM Websphere zum Einsatz. Diese Systeme werden entweder in die bestehenden IT-Systeme integriert oder die entsprechenden Prozesse gleich neu definiert und geschrieben.

Die Marktforscher von Forrester   erwarten in diesem Segment durchaus noch deutliche Wachstumsimpulse in den kommenden Jahren, da immer mehr Hersteller den direkten Kundenkontakt suchen und Stationärhändler ihre ECommerce-Aktivitäten weiter ausbauen werden. Die Hersteller der großen Shop-Suites sind daher gut beraten, insbesondere die Bedürfnisse dieser Klientel zu bedienen. Drei Faktoren sind dabei ausschlaggebend:
  • Integrationsfähigkeit. Insbesondere IBM, SAP Hybris und (zumindest in den USA) Oracle   sind gut aufgestellt, wenn es darum geht, eine ECommerce-Lösung in bestehende Unternehmens-IT zu integrieren.
  • Multichannel-Integration. Viele Unternehmen dieser Zielgruppe sind traditionelle Händler. Eine Integration am POS ist daher eine wichtige Voraussetzung. Auf diesem Gebiet ist die Schlacht noch nicht geschlagen. Es ist zu erwarten, dass es zu größeren Mergers & Acquisitions kommen wird und sich die großen Systemanbieter mit technologischem Knowhow im Bereich Retail/Kassensysteme/POS eindecken werden. Insbesondere kapitalkräftige Anbieter wie IBM, Oracle und SAP Hybris dürften hier im Vorteil sein.
  • Time-to-Market. Im Marktsegment der "Big Four" (Demandware, IBM, Intershop, SAP Hybris) sind aber auch weiterhin Geschwindigkeit und Skalierbarkeit gefragt. Hersteller und Marken müssen in kurzer Zeit ECommerce-Angebote auf Erstliga-Niveau anbieten. Sie werden daher Interesse an Komplett-Lösungen im Stile von Intershop und Demandware haben. Intershop bietet dabei den Vorteil einer umfassenden Lösung, die nach Belieben an die eigenen Erfordernisse angepasst werden kann. Demandware liefert ein maßgeschneidertes Angebot für jene, die den Handel nicht als ihr Kerngeschäft betrachten.
Standard-Lösungen
Standard-Lösungen eignen sich in der Regel für Anbieter, die auf klassische Geschäftsmodelle und einfache Business-Prozesse setzen. Die Suites sind zumeist breit angelegt und bilden vom Shop-Frontend über die Produktdatenverwaltung bis zum Payment-Processing alle businessrelevanten Prozesse eines Webshops gradlinig ab. Selbst (mehr oder weniger umfangreiche) Marketing- und Warenwirtschafts-Lösungen sind in Systemen wie Intershop, Oxid E-Sales oder Shopware bereits enthalten oder leicht nachzurüsten.

In dieser Liga ist es selbstverständlich, dass sich viele Funktionen im Sinne eines Best-of-Breed-Ansatzes auch per Schnittstelle nachrüsten lassen. Sollte beispielsweise besonderer Wert auf eine Marktplatzintegration gelegt werden, lässt sich neben der vom Hersteller vorgesehenen Funktion auch eine eigene Lösung oder spezialisiertes Tool einbinden.

1. Einkaufsentscheidung: Kaufen oder Selbermachen?

In keiner Frage sind sich die Onlinehändler so uneins wie in dieser. Im Ergebnis könnte die Studie des EHI Retail Instituts kaum uneindeutiger sein: Von den 1.000 größten Onlineshops in Deutschland setzen über 40 Prozent auf selbst entwickelte Lösungen, 60 Prozent auf gekaufte Software. An diesem uneinheitlichen Bild ändert sich auch nichts, wenn man lediglich die erfolgreichsten Shops betrachtet: Unter den zehn Top-Onlineshops befinden sich genau fünf mit einer selbstentwickelten Engine (Amazon  , Otto  , Zalando  , Notebooksbilliger.de  , Alternate.de  ) und fünf Anbieter mit einem zugekauften System (Bonprix  , Cyberport  , Tchibo  , Conrad   , H&M  ).

Schon dieses Zahlenspiel macht deutlich, dass es keine eindeutige Antwort auf die Frage "Make or buy?" geben kann. Händler können mit beiden Ansätzen glücklich werden - zumal es auch zahlreiche Zwischenstufen gibt: Halbstandardisierte Agenturlösungen und individualisierte Standard-Software lassen die Grenzen verschwimmen. Am Ende kann nur eine Abwägung der Vor- und Nachteile den Ausschlag geben:

Gründe gegen selbstgemachte Lösung:

  • Aufwand: Ein internes Entwicklerteam ist im Vergleich zu einer externen Entwicklung weniger flexibel (Stichworte: Auslastung, Knowhow) und lenkt vom eigentlichen Kerngeschäft des Händlers ab.
  • Abhängigkeit: Wird eine Agentur beauftragt, kann dies zu einer ungesunden wirtschaftlichen Abhängigkeit führen.
  • Time-to-Market: Eine Selbstentwicklung dauert länger als die Implementation einer Standard-Software
  • Anteilige Kosten: Es ist für einen einzelnen Händler günstiger, lediglich die anteiligen Kosten an einer Standardsoftware zu tragen. Allerdings muss der Händler im Gegenzug auch Funktionen "bezahlen", die er gar nicht benötigt.
  • Austauschbarkeit: Die meisten ECommerce-Geschäftsmodelle folgen einem austauschbaren Geschäftsmodell; eine individuelle Entwicklung ist weder notwendig noch wirtschaftlich.
  • Funktionsvielfalt: Bei einer Standardsoftware profitiert der Händler von der Erfahrung und den Anforderungen, die andere Shopbetreiber bereits in das Projekt einfließen ließen. So sind oft zahlreiche Funktionen (Couponing, Marketing, Marktplatzanbindung, Payment) sehr günstig zu beziehen.
  • Bekanntheit: Skalierbarkeit und Performance sind ebenso bekannt wie Schwächen und Stärken einer Standardsoftware.

Allerdings sprechen auch gute Gründe gegen einen Standard-Anbieter:

  • Abhängigkeit: Ein wirtschaftlich gut funktionierender Onlineshop kann durch einen wirtschaftlich angeschlagenen Shopsystem-Anbieter beschädigt werden.
  • Einheitsbrei: Der Händler muss mit den Lösungen "leben", die der Hersteller zur Verfügung stellt. Gerade bei komplexen oder individuellen Geschäftsmodellen kann dies schwierig werden.
  • Best-of-Breed: Die meisten Shop-Systeme folgen einem Suite-Ansatz und streben eine umfassende Lösung an. Dies widerspricht dem Best-of-Breed-Ansatz, bei dem die besten Einzellösungen zu einer exzellenten Gesamtlösung verbunden werden.
  • Integration: Wenn bereits eine Unternehmens-IT besteht, ist eine Standardlösung oft nicht so anpassungsfähig wie erforderlich oder bringt viele nicht benötigte Funktionen mit.

2. Einkaufsentscheidung: Passt die Dienstleisterlandschaft?

Unabhängig von der Frage, ob die Shopsoftware selbst entwickelt oder eingekauft werden soll, stellt sich die Frage, ob die umgebende Dienstleisterlandschaft zum eigenen Unternehmen oder Projekt passt. Die Anforderungen können sich fundamental unterscheiden:

  • Ein Markenhersteller, der ein eigenes ECommerce-Outlet plant, erwartet einen reibungslosen Service. Von den umsetzenden Beratern der Agentur oder des Herstellers wird erwartet, dass sie zur Präsentation auch einmal einfliegen.
  • Kaum weniger anspruchsvoll sind Kunden, die eine komplexe Integration in bestehende Betriebsstrukturen planen und hochkarätigen IT-Beratungsbedarf haben. Sie erwarten, auf einen Stab kompetenter Berater und Consultants eines renommierten Systemhauses zurückgreifen zu können. Vor allem Multi-Channel-Händler stellen diese Kundengruppe.
  • Im Kontrast dazu steht ein mittelständisches (E-Commerce-)Unternehmen, das mit dünner Marge und hohem Konkurrenzdruck ein einfach und kostengünstig zu bedienendes System "von der Stange" benötigt.
  • Zwischen beiden Polen sind Anbieter angesiedelt, die E-Commerce zu ihren Kernkompetenzen zählen und ein eigenes Projektmanagement oder sogar ein Entwicklerteam im Haus installieren. Sie haben sehr konkrete Vorstellungen und setzen diese entweder mit eigenen Mitteln um oder suchen eine modular ausbaubare Lösung, die mit Agenturunterstützung angepasst werden kann.
  • Skalierbarkeit, Performance und Robustheit der Lösung spielen ebenfalls eine Rolle. Theoretisch können zwar auch vergleichsweise kleine Lösungen die nötige Stabilität aufweisen. So wird beispielsweise der Onlineshop von Cyberport   mit seinem Jahresumsatz von immerhin rund 400 Millionen Euro erfolgreich mit dem Shopsystem Omeco   betrieben, das sonst unter den deutschen Top-1.000-Händlern kaum eine Rolle spielt. Solche Experimente dürften allerdings eine historische Ausnahme bilden.


3. Einkaufsentscheidung: Modular oder Suite - wie viel Software darf es sein?

Manche Unternehmen steigen von der grünen Wiese aus in den E-Commerce ein, andere Unternehmen kommen aus dem Versand- oder Stationärhandel. Dies ändert die Anforderungen an die ECommerce-Software komplett. Je nach Herkunft bringt der Händler bereits eine umfangreiche, gewachsene IT mit oder fängt bei Null an. Folgende Prozesse muss ein Händler managen:

(Grafik: HighText Verlag)


Für den Händler ist es daher entscheidend, zu wissen, welche der oben abgebildeten Prozesse er der Shopsoftware überlassen kann und welche Prozesse durch eine bestehende IT gesteuert werden. Anschließend stellt sich die Frage der Integrierbarkeit und Güte der bereitgestellten Lösung. Zuletzt stellt sich die Frage, ob die Shop-Suite nicht mehr Funktionen bereitstellt, als wirtschaftlich genutzt werden.

Viele Shopsysteme wählen einen ganzheitlichen Ansatz: Sie bieten zumindest prinzipiell die meisten Funktionen an. Allerdings hat fast jedes System - meist historisch bedingt - auch bestimmte Stärken. So ist ein System wie IBM deutlich stärker in Richtung Marketing und auf die Back-End-Prozesse ausgerichtet, während Intershop eher im Frontend- und Content-Bereich seine Stärken ausspielen kann.

Auch wenn sich alle Hersteller ihrer Funktionsvielfalt rühmen, muss dieser Ansatz für einen Händler gar nicht attraktiv sein. So ist es beispielsweise nicht untypisch, dass aus Gründen der Konzernräson eine bestehende Warenwirtschaft oder ein existierendes CRM-System eingebunden werden muss. Manche Händler gehen daher sogar dazu über, eine komplexe Suite wie Intershop quasi bis auf seinen ECommerce-Kern zu reduzieren und aus der der eigenen Unternehmens-IT anzusteuern. Andere Anbieter wie IBM Webspehre und SAP Hybris haben diese Funktionsweise in ihre DNA übernommen: Bei ihnen lassen sich alle Funktionen per API aus der Ferne steuern.

Noch radikaler setzen die Anbieter Commerce Tools    (inzwischen zu REWE   gehörig) und Spryker   (aus der Firmenfabrik des Berliner Inkubators Project A  ) diese Idee um: Sie bieten von vornherein lediglich eine hochperformante und skalierbare ECommerce-Engine an, die mit allen wesentlichen Schnittstellen ausgestattet ist. Alles andere - angefangen vom Web-Front-End über das PIM, CMS bis zum Ordermanagement - gruppiert der Kunde nach eigenem Belieben um die Kernfunktionalität herum - entweder als Eigenentwicklung oder aus Standard-Produkten.

4. Einkaufsentscheidung: Shop-Software als Marketing-Enabler

Der ECommerce-Markt hat sich in den vergangen Jahren stark professionalisiert. Optimierung der Konversionsrate, A/B-Tests, Personalisierung, Data Mining und integrierte Marketing-Ansätze gehören heute zu den Selbstverständlichkeiten. Entsprechend haben sich die Anforderungen an die Mitarbeiter gewandelt. Sie müssen schnell Entscheidungen fällen und - oft viel schwieriger - in der Lage sein, diese auch schnell umzusetzen.

Einen ganz erheblichen Unterschied macht dabei die verwendete Software. Durchdachte Marketing-Suites, die in das Onlineshop-System integriert sind, ermöglichen schnelle und unkomplizierte Markting-Aktionen. Dieser Umsatzhebel wird in der Praxis häufig unterschätzt, gewinnt aber - gerade bei zunehmend schwererer Unterscheidbarkeit der Shopsysteme an sich - an Bedeutung. Implementation und Benutzungsfreundlichkeit von Marketingtools sollte daher bei der Evaluierung große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Integrierte Systeme wie IBM Websphere scheinen dabei zunächst im Vorteil zu sein. SAP Hybris hat den Bedarf in diesem Bereich aber ebenfalls erkannt und gerade erst eine umfassende Marketing-Suite vorgestellt (iBusiness: Hybris stellt kontextbasierte Marketing-Plattform vor. Aber auch eine Standardsoftware wie Intershop lässt sich über eine API-zentrierte Lösung beispielsweise aus der Adobe  -Marketing-Cloud steuern.

5. Einkaufsentscheidung: Die technischen Anforderungen

Obwohl beinahe alle Shopsysteme äußerst robust funktionieren (zumindest solange die richtige Agentur am Magento-System werkelt), über eine solide Grundausstattung an Funktionen verfügen und sich über APIs flexibel erweitern lassen, spielen auch heute noch technische Anforderungen eine nicht unwichtige Rolle bei der Auswahl des Shopsystems.

So kann die Frage, ob es sich bei der Software um ein Closed-Source- oder Open-Source-Modell handelt, entscheidend für die Zukunftsfähigkeit sein. Gerade in Deutschland ist der Markt im mittleren bis oberen Enterprise-Segment sehr eng besetzt. Nicht von allen Anbietern sind gute Nachrichten zu vernehmen: Ebay Enterprise   soll verkauft oder an die Börse gebracht werden - niemand weiß, was das für die Zukunft von Magento bedeutet. Oxid E-Sales hat zuletzt mit einem Exodus führender Mitarbeiter auf sich aufmerksam gemacht. Und der dauerkriselnde Jenaer Software-Anbieter Intershop konnte zuletzt nicht nur mit kofferdirekt.de   einen prominenten neuen Lizenznehmer verkünden, sondern musste auch seine Mitarbeiter auf Kurzarbeit setzen. Branchenbeobachter erwarten zudem, dass sich der Markt noch weiter konsolidieren wird. Insbesondere werden E-Commerce- und Marketing-Tools weiter verschmelzen. Insofern erscheint nicht unwahrscheinlich, dass Marketing-Cloud-Anbieter Adobe seine Fühler in Richtung eines Shopsystem-Anbieters ausstreckt.

In diesen unruhigen Zeiten bietet eine Open-Source-Strategie mit breiter Unterstützung in der Entwicklergemeinde eine gewisse Sicherheit. Selbst wenn ein Anbieter ausfallen sollte, ist die Entwicklung seiner Software zumindest so für einen bestimmten Zeitraum sichergestellt.

Von ebenso strategischer Bedeutung ist die Frage, ob es sich um eine SaaS/Cloud- oder serverbasierte Lösung handelt. In vielen Unternehmen verbieten strategische Überlegungen den massierten Einsatz gehosteter Lösungen - insbesondere, wenn sensible Daten im Ausland gespeichert werden müssen.

Vier Händlerszenarien

Zusammenfassend lassen sich mindestens vier sehr verschiedene Händlertypen ausmachen, die jeweils grundverschiedene Anforderungen an die Shopsysteme haben und jeweils einer eigenen Systemlandschaft zugeneigt sein werden. Eine gute Entscheidungshilfe bei der System-Evaluierung kann daher darin liegen, zunächst sein eigenes Geschäftsmodell nach diesem Schema zu klassifizieren.

1. Typ Eigenentwickler:


Je stärker das Geschäft skaliert - entweder, weil der Händler mehrere Shops unter verschiedenen Marken betreiben will, ein sehr großes Volumen anstrebt oder gar einen Marktplatz betreiben will - desto näher liegt es, die Shoplösung selbst zu programmieren. Dasselbe gilt, wenn bereits eine aufwändige IT-Infrastruktur besteht und erhalten bleiben soll oder wenn der Händler ein sehr spezielles Geschäftsmodell verfolgt (beispielsweise Fotoabzüge). In allen anderen Fällen sollte man ein dickes Fragezeichen hinter diese Entscheidung setzen.

2. Typ Enterprise-Suite

Je schneller der Händler dagegen mit einem ECommerce-Angebot auf den Markt kommen will, das aus dem Stand höchsten Ansprüchen genügen muss, desto eher wird er auf eine Standard-Lösung zurückgreifen. Selbst auf die Gefahr hin, dass durch die Integration in die bestehende IT-Infrastruktur höher initiale Kosten entstehen.

3. Typ Modularlösung

Dieser Händlertyp befindet sich strategisch zwischen dem Eigenentwickler und der Enterprise-Suite und verfolgt einen Best-of-Breed-Ansatz oder verfügt bereits über eine starke Middleware, die nun um ECommerce-Funktionalität erweitert werden soll. Der Aufwand für eine solche Lösung dürfte sich knapp unterhalb einer Eigenentwicklung bewegen, weshalb ihn die selben Motive treiben sollten.

4. Typ Mittlere Shop-Software

Für Händler mit einfachem Geschäftsmodell und mittlerer Shopgröße sind Standardlösungen ebenfalls das Mittel der Wahl. Um die Abhängigkeit vom Hersteller zu minimieren, lohnt es sich ein Produkt mit breiter Entwicklergemeinde zu bevorzugen, das unter Umständen sogar als Open Source verfügbar ist. Händler dieses Typs sollten bei der Auswahl des Shopsystems insbesondere auf die Bedienbarkeit der Software achten. Sie soll den Händler insbesondere im Marketing schneller, flexibler und effizienter machen.

In einem weiteren Teil dieses Artikels wird iBusiness die einzelnen Shopsysteme genau unter die Lupe nehmen, deren Stärken und Schwächen beleuchten und zeigen, für welchen Händlertyp die jeweiligen Lösungen ideal sind.
Thema: Shopsystem-Übersicht (1): Die besten Systeme - Marktbedeutung, Analyse, Einkaufsentscheidungen

Kommentar von Dominik Grollmann

Teuer ist nicht besser

Teure Shopsysteme sind nicht automatisch besser. Aber darauf kommt es gar nicht unbedingt an. Viel wichtiger ist es oft, sich die richtige Dienstleisterlandschaft auszusuchen.

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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