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SPD-Politiker im Visier von Domain-Grabber

von UKL

26.07.2005 (iBusiness) Eine Untersuchung der Domainbörse Sedo hatte in den letzten Tagen SPD-Spitzenpolitikern in Sachen Online-Präsenz ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Zu unrecht und nicht ganz uneigennützig, wie eine Recherche von iBusiness ergeben hat.

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Laut einer Studie der Domainhandelsbörse Sedo   nutzen führende SPD-Spitzenpolitiker das Medium Internet rund zwei Monate vor dem voraussichtlichen Wahltermin zur Bundestagswahl nur mangelhaft für den Wahlkampf. Allerdings ergab eine iBusiness-Recherche, dass das oft nicht die Schuld der Politiker ist. Denn viele der von Sedo analysierten Politiker-Domains sind vergeben - mal an eine Internet-Agentur, mal an Domain-Grabber.

Online am schlechtesten auf den Wahlkampf vorbereitet seien die SPD-Minister Hans Eichel, Wolfgang Clement und Peter Struck - so Vorwurf von Sedo  . Wenn man genau hinsieht, zeigt sich ein anderes Bild. Wolfgang-Clement   beispielsweise leitet seine Domains auf das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Kein Wunder, er kandidiert überhaupt nicht für den Bundestag. Kleiner Schönheitsfehler allerdings: Tippt der Surfer die Domain ein, erhält er eine Fehlermeldung wegen Zeitüberschreitung.

Die Domain Peter-Struck.de   gehört - entgegen der Sedo-Behauptung dem SPD-Fraktionsvorsitzenden. Hier findet sich der Besucher allerdings auf einer Internet-Baustelle wieder. Peterstruck.de ist zwar registriert, aber nicht konnektiert. Administrativer Ansprechpartner beider Domains ist die Berliner Digramm Media GmbH  , nach eigener Auskunft "eigentlich schon die Online-Agentur von Peter Struck". Geschäftsführer Tobias Raddatz wollte gegenüber iBusiness keine Stellungnahme dazu abgeben, weshalb so kurz vor dem Wahlkampf noch keine Inhalte unter den Domains zu finden sind.

Besonders pikant ist der Sedo-Vorwurf, Hans-Eichel hätte keine eigene Website. Surfer, die politische Informationen unter Hans-Eichel.de   suchen, landen auf der Domain-Registrierungsseite www.ihredomain.ws, einer Parkseite von Sedo. Domaininhaber ist hier Sedat-Sadettin Altunsuyu. Der (laut Spiegel-Bericht die CSU unterstützende Kölner Busfahrer) hatte sich bereits vor Jahren die Domain des Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten und Ex-Generalsekretär Olaf Scholz gegrabbt und hatte sie erst nach einem Gerichtsverfahren abgegeben.

Die Domain Hanseichel.de gehört dem arbeitssuchenden Frankfurter Alexander Sohre  . Gegenüber der iBusiness-Redaktion erklärte Sohre, dass es sich bei der Registrierung "nur um einen Gag gehandelt" hat. Zudem habe er die Domain bereits gekündigt und die Bestätigung des Providers vorliegen.

In der SPD-Parteizentrale hält man den Sedo-Vorwurf der schlechten Wahlvorbereitung für ungerechtfertigt: "Der Bundesverteidigungsminister und der Bundesfinanzminister werden auf den jeweiligen Ministeriums-Webseiten ausführlich vorgestellt", so ein Sprecher des SPD-Parteivorstandes auf die Nachfrage gegenüber iBusiness. Ausserdem sei es nicht ungewöhnlich, wenn sich vor einem Wahlkampf, Seiten von Spitzenpolitikern in Überarbeitung befänden. Die dem SPD-Parteivorstand bekannten Ergebnisse von Sedo scheinen sich ausschließlich mit der Frage zu beschäftigen, ob ein bestimmter Domainname für die genannten Personen angemeldet ist. Dies sage nichts über die Qualität der Darstellung dieser Personen im Netz aus.

Sedo selbst bleibt bei seiner Interpretation der Studienergebnisse: "Wenn man bedenkt, dass fast alle Abgeordneten eine eigene Homepage besitzen, auf der ein persönliches Profil dargestellt ist, ist es doch verwunderlich, dass es bei einigen der bekanntesten Politikern keine über die jeweilige Parteiseite abrufbare Homepage gibt", erklärt Semra Yilmaz, Account-Managerin bei Sedo.

Für den Wahlkampf, der ja auch durchaus über das Internet geführt werden könne, seien Ministeriums-Websites nach Meinung von Sedo keine zufriedenstellende Nutzung. "Wir möchten in erster Linie nur die Fakten darlegen, Ergebnisse liefern und auf Lücken hinweisen - ohne eine politische Wertung zu vergeben", so Yilmaz weiter.

Grundlage der Studie war die Frage, wie und wo sich Benutzer Informationen, insbesondere persönliche Informationen über Abgeordnete des Bundestages holen. Demnach haben die Nutzer lediglich die jweiligen Parteiseiten zur Informationssuche herangezogen.

Wie Online-Dienstleister vom Blitz-Bundestagswahlkampf profitieren, in dem sie richtig aquirieren, lesen iBusiness-Premium-Mitglieder (und solche die es jetzt werden) exklusiv in der iBusiness Executive Summmary 13-14/2005.

Thema: SPD-Politiker im Visier von Domain-Grabber

Kommentar von UKL

Volkssport Domaingrabbing

Es gibt Unarten, die nicht totzukriegen sind. Domain-Grabbing ist eine davon. Unter dem unschönen Volkssport leiden vor allem Surfer, die im Internet nach Informationen suchen, und dann frustriert auf Baustellenseiten landen. Verantworten Privatpersonen solche 'toten' Domains ist dies ja eventuell noch unter der Kategorie 'Grober Unfug' abzubuchen. Geht es auf das Konto von Online-Agenturen, ist dies schlicht Image-schädigend für die Branche. In einem jüngsten Fall hat die Studie eines Domain-Händlers das schlechte Informationsangebot unter den Namen-Domains von Spitzenpolitikern angemahnt - nicht ganz zu recht, wie meine Nachrecherche herausfand. Eines steht aber fest: Auch Politiker sollten sich im Online-Geschäft gut beraten lassen.

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