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Internet-Giganten als Konkurrenz: Banken stehen in Zugzwang

07.02.2013 Finanzinstitute stehen im Zugzwang, auf den digitalen Strukturwandel zu reagieren und in den Bereich internetbasierter Zahlungssysteme einzusteigen. Dies fordert die Deutsche Bank in der Analyse Die Zukunft des (mobilen) Zahlungsverkehrs   von DB Research.

Die Analyse besagt, dass auch wenn der Markt für digitale und mobile Bezahlsysteme noch in den Kinderschuhen steckt, Unternehmen Google, Apple, PayPal oder Amazon bereits erste Geschäftsmodelle im Bankenbereich gemacht hätten. Damit könnten sie zu Konkurrenten von klassischen Finanzdienstleistern werden. Zudem sieht DB Research es als möglich an, dass potenzielle Wettbewerber ihr bisheriges Dienstleistungsangebot ausweiten, um zum Beispiel in den Markt für standardisierte Finanzdienstleistungen einzutreten. Banken seien daher gut beraten, den digitalen Strukturwandel in ihren Geschäftsmodellen zu berücksichtigen, um adäquate, sichere und bequeme mobile Finanzdienstleistungen anzubieten.

Die Analyse skizziert vier Szenarien, wie sich der Markt für digitale und mobile Bezahlverfahren entwickeln könnte:

Szenario I: Business as usual

Die Banken haben innovativen Zahlungslösungen geringe Priorität beigemessen. Zudem ist ein Boom auf dem Markt für digitale Bezahlsysteme ausgeblieben, weil sich die Kunden möglicherweise nicht für das Bezahlen per Mobiltelefon begeistern oder keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber herkömmlicher Zahlung erkennen konnten. Vielleicht haben auch die Händler die nicht ausgereiften Systeme abgelehnt, beispielsweise aufgrund zu hoher Kosten oder wegen Sicherheits- oder Datenschutzbedenken. Somit verfolgen die Banken weiterhin ihr derzeitiges Geschäftsmodell.

Szenario II: Verbranntes Geld

Die Akzeptanz bei den Kunden und Händlern ist gering. Allerdings haben die Banken frühzeitig mobile Zahlungsverkehrslösungen eingeführt. Sie haben mit digitalen Ökosystemen oder Telekommunikationsgesellschaften zusammengearbeitet und neue Lösungen entwickelt. Da aber die Akzeptanz seitens Kunden und Händlern gering ist, haben die klassischen Banken mit ihren frühen Investitionen in die neuen Bezahlsysteme Geld verbrannt. Sie müssen Verluste verbuchen und werden künftig das ursprüngliche Geschäftsmodell weiter verfolgen.

Szenario III: Die Early Birds - sanfter Verdrängungswettbewerb

Viele Händler haben die neuen Bezahltechnologien in ihr Angebot aufgenommen und die Kunden nutzen sie. Mobile webbasierte Lösungen verbreiteten sich zügig, unter anderem weil die Umstellungskosten für die Händler relativ gering waren. Auch die Kunden zeigten großes Interesse, weil die Wallet-Lösungen auch standortbezogene Dienste, Gutscheine und Bonusprogramme einschließen und gleichermaßen zum Bezahlen im stationären Handel wie im Internet verwendet werden können.

Den Finanzinstituten gelingt es nicht nur, an die Payment-Allianzen anzudocken. Banken bieten zudem eigene mobile Finanzdienstleitungen an. Mit der Verschmelzung der stationären und mobilen Internetnutzung (Multichannel-Strategie), haben die Banken erfolgreich eine übergreifende Strategie für mobile Internet-Zahlungen sowie Zahlungen im stationären Handel entwickelt. Klassische Finanzinstitute können aufgrund ihrer Stärken und branchenrelevanten Erfahrungen insbesondere den zunehmenden Sicherheitsansprüchen der Konsumenten genügen und ihre Expertise im Bereich der Bezahlsysteme und des Einlagengeschäfts unter Beweis stellen.

Szenario IV: Die Nachzügler - verschärfter Verdrängungswettbewerb

Digitale Bezahlsysteme stoßen auf hohe Akzeptanz bei Konsumenten und Händlern. In Bezug auf die Adaptionsgeschwindigkeit webbasierter Technologien ist Szenario IV identisch mit Szenario III. Allerdings verpassen die klassischen Finanzinstitute den Sprung auf die "digitale Welle des Strukturwandels" und das Andocken an die Allianzen gelingt nicht oder nur in geringem Maße. Auch ist es ihnen nicht gelungen, frühzeitig eigene adäquate (mobile) Finanzdienstleistungen auf der Grundlage webbasierter Technologien anzubieten. So sind zuerst die netzaffinen Konsumenten auf andere Anbieter ausgewichen; mit zeitlicher Verzögerung zogen weitere Kunden nach. Sie verlieren wesentliche Marktanteile bei standardisierten Zahlungen und den typischen Geschäftssegmente der Banken.
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