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Wenn die Maschine auf den Menschen zugeht
08.02.2012 Die semantische Suchmaschine Wolfram Alpha ist beides: Veranschaulichung des Potenzials und der Probleme semantischer Suche heute.
Bei "How died Goethe?" ist Wolfi dann aber schon mit seinem Latein am Ende: Die Engine versteht was gemeint ist und spuckt alle möglichen Infos über Goethes Tod aus, nur fehlt die Ursache - vermutlich, weil es im Lexikon-Kanon umstritten ist, ob der Geheimrat wirklich, wie weithin angenommen, einem Infarkt erlag. Offenbar ist Wolframs Datenbasis nicht umfangreich genug (bei Wikipedia steht die Information über die näheren Todesumstände).
Und gar keine Hoffnung muss man sich machen, eine Antwort auf "Wann starb Goethe?" zu erhalten. Denn semantische Anwendungen funktionieren nur in der Sprache, in der sie ursprünglich programmiert wurden - Bedeutungsfelder lassen sich nicht mittels Dolmetscher- oder Übersetzungsprogramm in andere Sprachen übertragen.
Das Sprachproblem ist ein weiterer Hemmschuh der Semantik neben Verbindungsproblemen, Rechnergeschwindigkeiten und unstrukturierten Daten. Wer immer auch mit einer semantischen Killer-App den Markt angreifen möchte, muss all diese Probleme sehr effektiv beseitigt haben, oder er wird scheitern.
Denn bei Semantik geht es um die Maschine, die näher an den Nutzer heranrückt - sie steckt hinter dem Interface, das die Eingabe kinderleicht und intuitiv macht, hinter der Suchmaschine, die alles findet und hinter dem Bot, der alles versteht. Eine semantische Killer-App muss reibungslos funktionieren. Solange das nicht gegeben ist, werden die Nutzer immer wieder zur Tastatur und zu Google zurückkehren - zu all den zwar suboptimalen, aber funktionierenden Instrumenten.
Kommt aber die semantische Superanwendung, zum Beispiel die reibungslos arbeitende Supersuchmaschine, wird sie die Initialzündung sein für das semantische Web.

