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Wovor Agenturen ihre Industriekunden jetzt warnen müssen
23.08.2024 Schwierigkeiten im Mode- und USA-Handel: Wer für importierende Onlineshops, für Modelabels oder für Industrieunternehmen arbeitet, die aus den USA importieren, sollte dringend diese aktuellen Warnungen vor zwei neuen Risikofaktoren weitergeben.
Doch jetzt tauchen bereits neue Probleme für die Supply-Chain und die Produktplanung 2025 auf, die unbedingt auf die Agenda der kommenden Beratungstermine gehören:
1. Unruhen in Bangladesch sorgen für Mode-Engpässe 2024 und 2025
Die Gewaltausbrüche in Bangladesch mit Hunderten Toten und der dadurch resultierende Regierungssturz werden Folgen haben vor allem für importierende Onlineshops. Auch in Form von Lieferschwierigkeiten und höheren Preisen für Bekleidung, so Steffen Günner, Geschäftsführer Einkauf des Dienstleisters Bay City . Er kauft jährlich rund 30 Millionen Teile für 20 europäische Marken, Handelsketten und Discounter im achtgrößten Land der Welt ein. Er geht davon aus, dass spätestens Mitte 2025 die Preise für Mode anziehen werden. Der Einkaufsexperte rechnet mit steigenden Einkaufs- und Transportpreisen.Obwohl fast alle Fabriken in Bangladesch nach einer zweiwöchigen Zwangspause (es waren offiziell von der Regierung angeordnete Ausgangssperren und 'Feiertage' Anfang August) wieder geöffnet sind, gibt es jetzt schon Lieferengpässe und -verzögerungen: Derzeit stauen sich Stoffe, die Bangladesch insbesondere in China zur Weiterverarbeitung einkauft, bis zu drei Wochen im Zoll der Häfen und Flughäfen. Die Probleme bei der Verzollung rührten daher, dass offene Stellen durch die Übergangsregierung noch nicht besetzt wurden. Doch der Zoll ist nur eine offene Baustelle, die andere ist die kaputte Infrastruktur.
Bei den Gewaltausbrüchen zwischen Regierungstreuen sowie Oppositionellen und Studenten wurden zahlreiche Straßen und Gebäude beschädigt. Jetzt funktioniert beispielsweise der Bustransfer für Pendler zu ihren Arbeitsstätten nicht mehr richtig. "Im Schnitt arbeitet derzeit in den Textilfabriken nur 75 Prozent der Belegschaft", berichtet Günner. Das bringt die Besitzer und Manager in den Fabriken unter Druck: Sie können Produktionspläne und die oft Monate im Voraus vereinbarten Liefermengen nicht einhalten. Und das wiederum führt in einen Teufelskreis aus nur teilweise oder nicht bezahlten Rechnungen der Importeure und ausstehenden Löhnen seit Beginn der Proteste Mitte Juli.
Ein weiterer Grund für steigende Preise: Nach den Streiks der Textilarbeitenden hatte eine von der Regierung eingesetzte Kommission vor einigen Monaten eine Mindestlohnerhöhung um 56,25 Prozent auf 104 Euro ab Dezember 2024 durchgesetzt. Diese Lohnerhöhungen sind bisher genauso wenig eingepreist wie die gestiegenen Energiekosten und die Inflation.
Günner ist davon überzeugt, dass viele Fabriken aus ihrer Cash-Flow-Krise nicht herauskommen werden. Und wenn die Löhne und Gehälter nicht bezahlt werden, streiken die Angestellten erneut. Er geht davon aus, dass die Einkaufspreise, beispielsweise weniger als ein Euro für ein Kinder-T-Shirt, für Handelsketten und Discounter hierzulande nicht mehr gehalten werden können.
Bangladesch ist nach China das wichtigste Importland für Bekleidung für die Modebranche in Deutschland. Dem Statistischen Bundesamt zufolge wurden 2023 Waren im Wert von insgesamt 7,1 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt. 85 Prozent der Exporte sind aus der Fashion-Branche. Es gibt dort knapp 4.000 Textilfabriken, die mehr als vier Millionen Menschen, vorwiegend Arbeiterinnen, beschäftigen. Die Rolle von Bangladesch für Fashionanbieter wurde in den vergangenen Jahren immer wichtiger. Der Anteil Bangladeschs an den gesamten deutschen Bekleidungsimporten machte 2023 rund 20 Prozent aus.
2. Streik in US-Häfen ab November 2024
Lieferketten-Experte Projekt44 hat in seinem neuesten globalen Update der Lieferketten einen Anstieg der Importtätigkeit aus den USA gemeldet. Im Jahr 2024 stammten über neun Prozent aller von Project44 für Juni und Juli beobachteten europäischen Importsendungen aus den USA. Das bedeutet einen Anstieg von 3,5 Prozent im Vergleich zu 2023. Das Liefervolumen aus Houston, Norfolk und Savannah ist ebenfalls gestiegen, was die wichtigsten Häfen für die steigenden US-Importe verdeutlicht.Onlineshops, die aus den USA importieren, sollten beachten, dass es ab Oktober zu Streiks kommen könnte. Die Zollverhandlungen mit der Gewerkschaft für die Häfen an der amerikanischen Ost- und Golfküste dauern noch an, der aktuelle Vertrag läuft am 30. September 2024 aus. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnte dies zu Streiks und damit ab Oktober 2024 zu erheblichen Störungen der Seefracht-Importe aus den USA nach Europa führen.
Die Lieferketten scheinen auch in Zukunft anfällig zu bleiben. Resilienz zu entwickeln, bleibt für Entscheidungstragende im E-Commerce eine herausragende Managementaufgabe. Offenbar ziehen die wachsenden globalen Probleme immer mehr Einkaufsverantwortliche ins Kalkül. Projekt44 schreibt: "Die Hochsaison im Seeverkehr ist ein jährliches Ereignis bei dem Unternehmen ihre Ware koordinieren und mit möglichen Verzögerungen auf Grund von überfüllten Häfen rechnen müssen. Diese Zeitspanne erstreckt sich meist von August bis Oktober, hat aber in den letzten Jahren bereits im Juni begonnen." Es wird wohl von vielen - sicherheitshalber - immer früher bestellt, um vor Verzögerungen gefeit zu sein.
