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Gedruckte Kleinanzeigenmärkte sind so gut wie tot

08.10.2015 Nur noch jeder Zwölfte sucht gebrauchte Produkte über Kleinanzeigen in Zeitungen, so eine McKinsey-Studie. Bei digitalen Kleinanzeigen führen die Europäer sogar vor den Amerikanern.

 (Bild: McKinsey)
Bild: McKinsey
  • Bereits zwei Drittel der Kunden suchen Gebrauchtes auf Online-Marktplätzen.
  • 21 Prozent der deutschen Konsumenten greifen bei ihrer Kaufrecherche auf Suchmaschinen im Netz und soziale Medien zurück.
  • Den Blick in die Zeitung werfen hingegen nur noch acht Prozent.
  • Besonders gern nutzen Interessenten das Internet bei der Suche nach besonderen Einzelstücken wie z.B. Kleinmöbeln oder Antiquitäten. 94 Prozent recherchieren hierfür online.
  • 58 Prozent gehen direkt zum Online-Marktplatz,
  • 36 Prozent informieren sich über Suchmaschinen und Social Media.
  • Gerade einmal vier Prozent greifen für Spezialsuchen noch auf Zeitungen zurück.

Das sind Ergebnisse einer Studie von McKinsey & Company   zum Online-Kleinanzeigenmarkt. Die Unternehmensberatung befragte mehr als 10.000 Konsumenten in elf Ländern, wie sie nach Gebrauchtem recherchieren und analysierte wie sich Online-Marktplätze entwickelt haben. Zu den untersuchten Märkten gehören Deutschland, Frankreich, Norwegen und USA. Allein in Deutschland wurden 1.000 Kunden befragt.

Produktspezifische Anbieter in Deutschland beliebt

Der Markt für digitale Kleinanzeigen blüht: in reifen Märkten mit hohen einstelligen Zuwachsraten, wie beispielsweise in Deutschland mit rund 8% bei Immobilienanzeigen. In Schwellenländern ist das Wachstum noch zweistellig, etwa in der Türkei mit 15% jährlich. Weltweit wurden im vergangenen Jahr mit Online-Marktplätzen 19 Milliarden Dollar erwirtschaftet. "In Schwellenländern müssen noch viele Grundlagen geschaffen werden, wie das Vertrauen zu den digitalen Anbietern, Online-Bezahlmöglichkeiten und eine reibungslose Warenlogistik", erläutert Jürgen Meffert , Direktor und Digitalexperte bei McKinsey und einer der Autoren der Studie.

International hat sich der Online-Kleinanzeigenmarkt auch in den reifen Märkten sehr unterschiedlich entwickelt. In Ländern wie Norwegen und Frankreich dominieren Plattformen, die viele Produktkategorien zusammenfassen - so genannte horizontale Marktplätze. In Deutschland hingegen sind Anbieter marktführend, die sich auf eine Produktkategorie wie Autos oder Immobilien spezialisiert haben (vertikale Marktplätze). Fast jeder zweite Befragte in Deutschland, der einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, sucht auf einem spezialisierten Auto-Online-Marktplatz. In Frankreich hingegen stöbern die Interessenten lieber auf einer generellen Plattform nach Autos.

Soziale Medien auf dem Vormarsch

Soziale Medien entwickeln sich zum Teil zu einer Konkurrenz für Online-Marktplätze: Allein in Norwegen wurden bereits mehr als 3.500
lokale Facebook-Gruppen gegründet, die gebrauchte Artikel verkaufen, obwohl es im Land einen sehr erfolgreichen Online-Marktplatz gibt,
den dort 95 Prozent der Befragten kennen.
Die Entwicklung von Kleinanzeigenmärkten weltweit
Die Entwicklung von Kleinanzeigenmärkten weltweit (Grafik: McKinsey)

Eine Zeitung nutzen nur noch neun Prozent der befragten Deutschen für ihre Suche nach einem Gebrauchtwagen; ein Drittel begutachtet die Autos nur bei stationären Autohändlern. Anders in den USA: Nur 28 Prozent der Befragten recherchieren dort auf einem digitalen Marktplatz nach einem gebrauchten Auto. Dagegen bevorzugen 41 Prozent immer noch den Gang zu einem Gebrauchtwagenhändler. Das Geschäft mit Online-Kleinanzeigen steckt in den sonst digital führenden USA zum Teil noch in den Kinderschuhen. Hier sind tatsächlich die Europäer führend: Bei der Immobiliensuche starten in Deutschland sogar 55 Prozent der Befragten ihre Recherche auf digitalen Marktplätzen, weitere 20 Prozent über Internet-Suchmaschinen und soziale Medien. Bei Immobilien haben die Zeitungen noch einen relevanten Marktanteil im Urteil der Suchenden. Immerhin 22 Prozent der Interessenten durchstöbern noch gedruckte Kleinanzeigen.
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