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Studie: DAX-Unternehmen ignorieren Gefahr durch Hacker und Spione

03.07.2012 Die großen deutschen Unternehmen vernachlässigen das Thema Informationssicherheit, wie eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney   zeigt. Die meisten Organisationen verfolgen keine ganzheitliche Strategie, um ihre Daten und ihr Know-how zu schützen. Stattdessen verlassen sich die Verantwortlichen häufig auf technische Einzellösungen, die aber immer nur einen Teil der Gefahr abwehren können. Daneben fehlen in vielen Unternehmen die organisatorischen Voraussetzungen für eine wirksame Informationssicherheit.

(Grafik: A.T.Kearney)
Die Untersuchung von 30 DAX-Unternehmen ergab folgendes Resultat: 27 Firmen widmen sich zwar explizit dem Thema Informationssicherheit. Die im Bericht genannten Schutzmaßnahmen deuten aber auf ein veraltetes Sicherheitsverständnis hin. Meist werden allein technische Einzelmaßnahmen dokumentiert - wie etwa der Einsatz von Antiviren-Software oder der Aufbau redundanter Systeme. Ein durchgängiges und ganzheitliches Konzept lässt sich in den meisten Fällen nicht erkennen. Nur jeder zehnte Bericht sei dazu geeignet tatsächliches Vertrauen aufzubauen, heißt es von Seiten Kearneys.

Dies obwohl Deutschlands Unternehmen zunehmend im Visier von Wirtschaftsspionen, die es auf Informationen wie Marketingpläne, Kundenlisten oder Entwicklungsdaten abgesehen haben. "Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jedes vierte Unternehmen bereits Opfer eines Computerangriffs wurde. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 95 Prozent aller Unternehmen weltweit gegenwärtig angegriffen werden oder massiv verwundbar sind", sagt Dr. Boris Piwinger , Experte für Informationssicherheit bei A.T. Kearney. Auf 50 Milliarden Euro beziffert das Bundesministerium des Inneren den jährlichen Schaden in Deutschland durch Industriespionage.

Dennoch investieren die Unternehmen kaum in die Abwehr von Cyberangriffen und Wirtschaftsspionen. Die Ausgaben, um IT-Systeme gegen Angriffe von außen abzusichern, summieren sich lediglich auf 2,5 Milliarden Euro in Deutschland - also nicht einmal vier Prozent der Gesamtausgaben für Informationstechnologie.

Auch organisatorisch schaffen sie nicht die Vorrausetzungen dafür, Bedrohungen im Digitalzeitalter wirksam entgegenzutreten. Die meisten Sicherheitsverantwortlichen seien heute noch Teil der IT-Abteilung und oft auch nur auf der Sachbearbeiter-Ebene angesiedelt, so teilt A.T.Kearney mit. Experten empfehlen, die für die Sicherheit Zuständigen ähnlich wie die Compliance-Verantwortlichen außerhalb der IT-Abteilung anzusiedeln - beispielsweise neben dem Revisionswesen. Informationssicherheit sollte als ganzheitliche Funktion betrachtet und über die Abteilungsgrenzen hinweg angegangen werden.
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