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Deutschland ist Eldorado für Preisvergleichsdienste
13.04.2012 Für Services, mit denen man online und offline Preise vergleichen kann, gibt es kaum ein besseres Pflaster als Deutschland. Denn eine Einzelhandelsstudie hat ermittelt: Die Deutschen zeigen im internationalen Vergleich das größte Misstrauen gegenüber der Preispolitik im Einzelhandel: Der Anteil skeptischer Konsumenten ist in Deutschland deutlich höher als in den USA, Frankreich, England, China oder den Niederlanden.
- Deutsche schätzen in 74 Prozent aller Fälle das Preisniveau eines Händlers richtig ein: besser als französische Konsumenten, aber schlechter als die Verbraucher in England
- Mit Blick auf die Inflation sind deutsche Verbraucher optimistisch: Sie erwarten im Branchenschnitt eine Preissteigerung von 2,2 Prozent, während US-Kunden eine Teuerung von 3,7 Prozent befürchten
- Im Lebensmitteleinzelhandel erwarten die Konsumenten deutlich höhere Preissteigerungen - deutsche Konsumenten erwarten 4,5 Prozent, internationale 5,1 Prozent Steigerung
- 42 Prozent der Konsumenten gehen davon aus, dass Händler die aktuellen Preiserhöhungen primär zur Stärkung der eigenen Marge nutzen - dies sind 14 Prozentpunkte mehr als im internationalen Vergleich
Dabei haben die Deutschen gar nicht so viel Grund, misstrauisch zu sein. In immerhin 74 Prozent aller Fälle ist der Kunde in der Lage richtig einzuschätzen, ob es sich beim jeweiligen Händler um einen teuren oder günstigen Anbieter handelt. Die Deutschen schätzen besser als Konsumenten in Frankreich und in etwa so gut wie chinesische, niederländische oder amerikanische Verbraucher. Lediglich Engländer können Preise noch genauer einschätzen.
Ausgerechnet mit Blick auf die Inflationserwartung sind die Deutschen optimistischer als einige andere Nationen. Sie erwarten lediglich 2,2 Prozent Teuerung. Nur Chinesen und Niederländer sind hier noch optimistischer. Vor allem in den Bau- und Elektronikmärkten erwarten Deutsche entgegen dem internationalen Trend nur schwach steigende oder sogar sinkende Preise. Die Erwartungshaltung der Deutschen in den Segmenten DIY und Elektronik ist, so die Autoren, dem jahrelangen, sehr harten Preiskampf in diesen Branchen geschuldet. Gerade in diesen preisaggressiven Sektoren besteht nun ein überproportionales Risiko, dass Konsumenten zu einem konkurrierenden Anbieter wechseln. Hier zeigt sich, dass eine Überbetonung des Themas Preis bei einigen Händlern die Kunden zur Illoyalität erzogen hat
Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind die Verbraucherausgaben im Online-Kanal erneut gestiegen. In den untersuchten Ländern wird in den kommenden drei Jahren ein weiteres Wachstum von durchschnittlich 4,6 Prozentpunkten erwartet. Unterschiede zeigen sich bei den erwarteten Preisen im Internet und der Preisschwelle, ab der ein Kunde in den Online-Kanal wechselt. Aktuell schätzen die Kunden, dass Waren online im Schnitt um 7,8 Prozent günstiger sind als im stationären Handel. Noch vor einem Jahr taxierten die Konsumenten den Online-Preisvorteil um 0,6 Punkte höher. Betrachtet man den für einen Wechsel zum Online-Handel notwendigen Preisvorteil, so ist dieser nur in Deutschland im vergangenen Jahr weiter gestiegen. International wechseln die Kunden auch bei einem sinkenden Preisvorteil in den Online-Kanal. Somit zeigt sich auch am Beispiel Online-Handel, dass der deutsche Konsument überdurchschnittlich stark auf das Thema Preis fokussiert ist.
E-Commerce überzeugt die Kunden nicht nur durch den Preis, sondern zunehmend auch mit großer Auswahl und erheblichen Convenience-Vorteilen. Dies verdeutlicht die Tatsache, dass der wahrgenommene Preisvorteil beim Online-Shopping in den meisten Ländern abnimmt, der Marktanteil des Online-Segments jedoch gleichzeitig wächst. Der Online-Kanal stelle die stationären Einzelhändler damit weiterhin vor große strategische Herausforderungen, so die Autoren
