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TV-Markt vor Zeitenwende - Deutschland hinkt noch hinterher
18.07.2017 Experten sind sich einig: Lineares Fernsehen wird an Bedeutung verlieren - neue Spieler an Einfluss gewinnen. Doch Deutschland hinkt in der Entwicklung hinterher, sagt eine Studie von A.T. Kearney.
Neue Spieler werden somit Markt- und Minutenanteile gewinnen. "Die Wettbewerbslandschaft wird sich stärker verändern als in den 90 Jahren seit Entstehung des Fernsehens", meint Florian Dickgreber , Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Beratungsbereiches Telekommunikation, Medien und Hightech in Zentraleuropa.
Die Studie "NextGen Video: Winning in the New Video Environment" von A.T. Kearney beurteilt Veränderungen und neue Geschäftsmodelle des globalen TV-Marktes. Auf Basis von Interviews mit weltweit über 80 Führungskräften von Pay-TV-Anbietern, Telekommunikations- und Kabelunternehmen, Online-Video- und Rundfunkanbietern wurde ein Index erstellt, der beurteilt, wie stark die Veränderung pro Land ist, die in den nächsten fünf Jahren erwartet wird. Rund 53 Prozent der interviewten Manager erwarten für den globalen TV- und Video-Markt in den nächsten fünf Jahren eine massive Verschiebung der Umsätze weg vom linearen TV hin zu On-Demand-Angeboten.
Deutschland hinkt hinterher
Für Deutschland erwarten die Experten eher eine langsame Umstellung - im Ranking liegt Deutschland nur auf Rang 23. Drei Gründe sind laut Dickgreber hierfür ausschlaggebend: Sowohl die Bereitschaft für Inhalte zu zahlen und hierfür Kreditkarten einzusetzen, als auch die Bereitschaft englischsprachige Inhalte zu konsumieren sei bei deutschen Kunden eher niedrig. Hinzu kommt die laut Dickgreber verspätete Ambition in Sachen Breitbandverfügbarkeit. Erst jetzt denke Deutschland ernsthaft über einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaser und eine bessere Erschließung der ländlichen Bereiche nach - das sei deutlich zu spät.OTT-Plattformen und Navigatoren werden gewinnen
Das Angebot an sogenannten OTT-Plattformen (Over-the-Top), also reinen Internet-Plattformen, wird zunehmen: 64 Prozent der Befragten erwarten, dass Sender ihre eigene Plattform einführen werden und zukünftig 75 Prozent des Umsatzes durch Abonnements und 25 Prozent durch Einzelabrufe generiert wird. Dadurch dass es den meisten Anbietern und neuen Service-Betreibern an Ressourcen und Erfahrungen fehlt, können jene Unternehmen punkten, die die große Masse an Inhalten strukturieren und ihren Kunden übersichtlich und attraktiv aufbereitet anbieten. Dies umfasst vor allem individuelle Vorschläge aufgrund persönlicher Präferenzen.Eine breite Bibliothek und eine Kooperation mit einem PayTV- oder OTT-Betreiber reichen nicht aus. Daher nennen die Befragten Netflix (32 Prozent), Google (26 Prozent) und Amazon (17 Prozent) als die größten Konkurrenten für das Geschäft. Premium-Inhalte werden laut A.T. Kearney zukünftig verstärkt bei diesen Disruptoren liegen - wer in dieser Marktsituation mit Video-Angeboten Geld verdienen will, braucht eine gute Aufstellung, Geschwindigkeit und Entschlossenheit.
