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Unsinn. Hype. Depressions-Förderung.
16.08.2010 Der aktuelle Hype um Augmented Reality (AR) erinnert fatal an die Second-Life-Hysterie vor fünf Jahren. Auch damals investierten Unternehmen voller Euphorie in halbgare 3D-Projekte, die heute niemanden mehr interessieren. Ein Schicksal, das auch vielen aktuellen AR-Anwendungen droht. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer.
Bewusst provozieren wie James Dean & Co. wollen Unternehmen aktuell vermutlich nicht, wenn sie in AR-Anwendungen investieren. Doch viele Auftraggeber wissen anscheinend auch bei ihren AR-Projekten nicht so recht, was sie eigentlich mit der Technik überhaupt Sinnvolles anstellen sollen.
Diesen Eindruck jedenfalls erwecken derzeit immer mehr AR-Anwendungen: etwa die Kampagne der US-Zeitschrift Time Out New York Kids , hinter der Metaio steckt.
Wer die August-Ausgabe der Kinder-Zeitschrift mit dem Smartphone abfotografiert, bekommt anschließend ein virtuelles Smartphone (!) auf dem Kamerabild zu sehen. Wenn Nutzer das 3D-Objekt nun mit dem Finger antippen, öffnet sich ein YouTube -Video. Warum dazu AR-Technik genutzt wird, verstehe ich immer noch nicht. Denn um einen ähnlichen Effekt zu erreichen ('Ein Video startet auf dem Smartphone'), ist überhaupt keine AR nötig. So kann ich einen Videoclip auch auf meinem Smartphone öffnen, indem ich einfach einen simplen QR-Code abfotografiere. Was zudem den Vorteil hat, dass ich mir noch einen Zwischenschritt spare. Denn das Video öffnet sich auch, ohne dass ich dafür auf das Kamerabild klicken muss.
Rational erklären sich viele AR-Anwendungen aber längst nicht mehr, wie der Gartner Hype Cycle lehrt. Denn Unternehmen investieren zur Zeit nicht in Kampagnen, um mit AR sinnvolle Services zu realisieren. Sondern, um sich mit hippen AR-Anwendungen am Puls der Zeit zu präsentieren. Was nicht mehr allzu lange gut gehen wird. Denn selbst wenn Nutzer vielleicht noch im allerersten Moment kurz darüber staunen mögen, dass ein virtuelles 3D-Objekt auf einer Zeitschrift oder einer Produktverpackung erscheint: Spätestens beim zweiten Durchlauf macht sich Ernüchterung breit, da ein wirklicher Mehrwert fehlt.
Bald schon also wird die aktuelle AR-Hysterie eine tiefe AR-Depression nach sich ziehen, wie Gartner zu Recht warnt. Damit erinnert der AR-Hype fatal an die Hysterie um 3D-Welten, die Second Life vor rund fünf Jahren nach sich gezogen hat. Heute dagegen interessieren sich kaum noch Interaktiv-Auftraggeber für 3D-Welten. Schließlich kranken 3D-Welten nach wie vor auch daran, dass die Technik dem virtuellen Leben strike Grenzen setzt. So können sich auch fünf Jahre nach dem 3D-Boom meist nur maximal 100 Personen gleichzeitig auf einer Second-Life-Insel tummeln, ohne dass bereits das System abschmiert.
Im direkten Vergleich hat AR da eine bessere Zukunft. Denn die Technik ist künftig wohl das geringste Probleme. So werden immer mehr Smartphones standardmäßig mit GPS und Kompass ausgestattet und Webcams sind auch in immer mehr Notebooks und Desktop-PCs zu finden. Was letztlich fehlt sind sinnvolle Anwendungen. Denn erst die wenigsten Unternehmen wissen zur Zeit wirklich, was sie mit ihren AR-Anwendungen tun.
