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Vernetzung bedeutet Macht und Einfluss
14.07.2016 Unternehmen und Staaten sind bewährte Organisationsformen. Die Netzwerkstrukturen des Internet erlauben jedoch eine parallele Organisationsform, die besonders schnell, flexibel und manchmal unberechenbar agiert. Mit ihr muss in Zukunft gerechnet werden.
Aufsehen erregt insbesondere der Umbruch durch Industrie 4.0, die die wirtschaftliche Dimension dieser Entwicklung zeigt. In der Vergangenheit mussten sich multinationale Konzerne bilden, um die Vorteile der globalen Vernetzung zu erschließen (Vergesst die Digitale Transformation: Die wirkliche künftige Herausforderung deutscher Unternehmen). Nun steht dieses Potenzial auch kleinen und mittleren Betrieben offen. Micro-Multinationals werden ihren Siegeszug über die Welt antreten.
Über B2B-Plattformen können Produzenten ihre Zulieferer flexibel auswählen und selbst kleine Losmengen zeitgenau in entfernten Ländern bestellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine kreative Dienstleistung oder ein Fertigungsschritt in einem Produktionsprozess erbracht wird. Komplette Wertschöpfungsketten - angefangen von Herstellung, Marketing und Vertrieb bis hin zu Auslieferung und Buchhaltung - lassen sich via Internet in bewährter Plug'n'Play-Manier zusammenstecken. Auf diese Weise lässt sich aus einer Vielzahl von Kleinstgewerbetreibenden ein flexibles Gebilde formen, dessen Schlagkraft selbst einen großen Konzern in den Schatten stellen kann. Wie das geht, haben AirBnB , Uber oder Helpling vorgemacht.
Gesellschaftliche Herausforderung
Auch diese Entwicklung hat ihre Kehrseiten. Stichwort: Externalisierung. Dahinter verbirgt sich der Umstand, dass diese Netzwerk-Organisationen versuchen, bestimmte Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Etwa, indem nicht Angestellte die vermittelte Dienstleistung vollbringen, sondern formal selbstständige Kleinstunternehmer, die nicht sozialversicherungspflichtig sind. Mehr noch: Die Vermittlungs-Portale greifen sich gezielt den lukrativsten Teil aus der gesamten Wertschöpfungskette heraus, internalisieren diesen und externalisieren den unlukrativen Rest. Einerseits an die eigenen "Partnerunternehmen" (die für dasselbe Einkommen schlechtere Sozialleistungen erhalten) und andererseits an die Allgemeinheit (die für diese Leistungen aufkommen muss) (siehe iBusiness: Crowd und Rüben - Die tatsächlichen Gewinner der Sharing-Economy).Globale Netzwerke fördern den Wettbewerb und den Leistungsdruck - soviel scheint klar. Ungewiss bleibt aber, wer am Ende soziale Verantwortung übernehmen wird. Absehbar scheint jedenfalls, dass die Organisationsform "Staat" ebenso an Einfluss verlieren wird, wie die Organisationsform "Unternehmen". Auch ideologische und weltanschauliche Netzwerke lassen über das Internet schnell und einfach knüpfen und können eine gewaltige Dynamik entwickeln.
Dabei wird der Mechanismus weiterhin in Kraft bleiben, nach dem jede (hegemoniale oder wirtschaftliche) Bewegung eine Gegenbewegung hervorruft. Dass Netzwerke internationaler und einflussreicher werden, gilt selbstverständlich nicht nur für die Bewegung, sondern auch für die Opposition. Dies spricht dafür, dass Konflikte nicht weniger, aber internationaler werden. In der Wirtschaft bedeutet dies: Unternehmen mit eigenen Ökosystemen und weltweitem Einfluss wie Amazon, Apple, Google, Facebook, Twitter und Co. werden die Ökonomie in Zukunft noch stärker bestimmen.
Die kommenden Jahrzehnte werden geprägt sein von einer weiter wachsenden Vernetzung und dem damit einhergehenden rasanten Datenwachstum. Die Auswirkungen werden gewaltig sein. Der digitale Transformationsprozess steckt große Teile der Wirtschaft gerade erst richtig an.
