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Interaktiv-Promis schießen gegen deutsche Politiker: "Gefährliche Ahnungslose"
13.10.2011 Der CEO von SinnerSchrader Matthias Schrader sieht die deutsche Politik als Wachstumsbremse für die Digitalbranche: "Wir werden von gefährlichen Ahnungslosen regiert." Er bekommt prominente Unterstützung für seine These.
Im kommenden Geschäftsjahr möchte SinnerSchrader weiter wachsen, fürchtet jedoch um Wettbewerbsbedingungen in Deutschland, sagt Matthias Schrader: "Behörden und Politik schüren gezielt die Angst vor dem 'Datenhunger amerikanischer Konzerne', riskieren aber mit ihrer Gesetzgebung in der Praxis insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter und gefährden Arbeitsplätze."
Auch der in der deutschen Internet-Szene unumgängliche Sascha Lobo schlägt in seiner wöchentlichen Spiegel-Kolumne ("Wenn Ahnungslosigkeit auf Bösartigkeit trifft") ähnliche Töne an: "Das aktuelle Debakel um den Staatstrojaner zeigt, dass Teile des deutschen Staatsapparates im digitalen Raum eher durch Fachwissen unbelastet agieren", meint Lobo entdeckt zu haben. Diese Ahnungslosigkeit der Politik werde durch "bösartige Kräfte" ausgenutzt - womit er Unternehmen wie den Trojaner-Programmierer Digitask namentlich nennt. Auch Lobo ist sich sicher: "Deutschland leidet unter einer grundsätzlichen Missachtung des digitalen Raums."
Beide bekommen Rückhalt von Google. In einem Interview bei Welt Online beklagt Google-Nordeuropa-Chef Philipp Schindler den mangelnden Innovationswillen der deutschen Politik: Anstatt das kreative Potenzial neuer Technologien zu sehen, werde in erster Linie überlegt, wie sie zu regulieren sind.
Schindler erinnert unter anderem daran, dass Innovation eine Tradition in Deutschland hat, und nennt in diesem Zusammenhang Karl Benz als Beispiel. Auf diese Rolle als Gründer und Innovationsmotor möge sich Deutschland wieder mehr besinnen. Als Indikator für den deutschen Regulierungsdrang nannte der Google-Manager die Diskussion über Streetview, dessen Einführung in Deutschland "anstrengender als in anderen Ländern" verlaufen sei. Heute gehörten die Deutschen jedoch zu den aktivsten Streetview-Nutzern weltweit, so Schindler. Immerhin betont der Manager, dass Google von den strengen Datenschutzauflagen in Deutschland als internationales Unternehmen auch profitiere, indem etwa die Münchner Google Niederlassung in der Entwicklung von Datenschutz-Anwendungen weltweit eine führende Position einnehme.
