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100 Prozent ECommerce-Anteil ist eine stark optimistische Annahme

07.06.2013 Die ECommerce-Wachstumseuphorien von so mancher interessierten Stelle verbergen eines: Dass das Onlinewachstum sich innerhalb unterschiedlicher Branchen sehr unterschiedlich vollzieht.

Wie viel ECommerce-Umsatz darf es denn 2020 sein: 70 Milliarden? 80 Milliarden? 100 Milliarden? 200 Milliarden? Und wie groß ist der ECommerce-Anteil dann am gesamten Handelsumsatz: 20 Prozent? 40 Prozent? 80 Prozent?

Die ECommerce-Berater, die ECommerce-Kongressveranstalter, die ECommerce-Agenturen überbieten sich bei jeder veröffentlichten Zahl mit Hiobsbotschaften für den Präsenzhandel: "Seht her", so sagen sie. "Seht her, ihr dummen Nicht-Pureplayer: Schon in wenigen Jahren werdet ihr alle sterben - wenn ihr nicht das tut, was wir Euch sagen".

Und das propagierte Erfolgsrezept ist dann in der Regel, sich auf Gedeih und Verderb dem Onlinehandel auszuliefern, dass es nur so zischt. Da möchte man manchmal sagen: "Man sieht ja an Neckermann, wie erfolgreich dieses Konzept ist." Oder, für den aktuell-zynischen Zeitgenossen: "Man sieht ja am Buchgourmet   in Köln, wie erfolgreich selbst innovative, nischenorientierte Onlinekonzepte funktionieren" - wenn selbst ein in der Nische erfolgreicher, online global aktiver Crosschannel-Anbieter die Segel streichen muss  , weil "das Internet-Geschäft immer schwieriger geworden ist wegen der starken Konkurrenz durch Amazon, aber auch durch das komplexe Rückgabe- und Widerrufsrecht im Online-Handel."
Zum Glück für die Mehrheit des Handels sind nicht nur die propagierten Patentrezepte in der Regel verkehrt. Auch die angenommenen Voraussetzungen sind es. Genauso wenig wie der E-Commerce das Heilmittel für alle Probleme ist, ist der E-Commerce eben auch nicht der Weg und das Ziel, auf das alles zuläuft. Es ist nicht nur eine stark optimistische Annahme, dass wir bald, ganz bald den 100-Prozent-Anteil des E-Commerce am Gesamthandel haben. Es ist auch eine stark optimistische Annahme, dass dieser Anteil überhaupt in absehbarer Zeit erreicht wird.

Ja, es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass in vielen Branchen der E-Commerce ein Nischenmarkt bleiben wird - wobei je nach Branche die Nischen des Onlinehandels unterschiedlich groß sein werden.

Präsenzhändler werden ihre Geschäftsmodelle in den E-Commerce erweitern müssen - soviel ist klar. Aber den Präsenzhandel wird es zumindest zu unseren Lebzeiten auch weiter geben - selbst wenn es da zu einer teilweise drastischen Markt-Neusortierung kommen wird.

Aber Mitteilungen über den Tod des Präsenzhandels - diese bleiben auf absehbare Zeit stark überspitzte Thesen.
Thema:

In welchen Branchen der Onlinehandel zur Bedrohung des Einzelhandels wird

Die Umsätze im Onlinehandel steigen kontinuierlich. Die spannende Frage ist nur: Wie schnell und wohin? Eine detaillierte Gefahrenkarte zeigt, welche Branchen in Gefahr sind und wo der E-Commerce auf absehbare Zeit Nischengeschäft bleiben wird. Und sie klärt auch: Wie schnell der ECommerce-Markt wirklich wachsen wird.

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In manchen Gebieten ist der Löwe gefährlich. In anderen ein Zoobewohner. (Bild: Robek)
Bild: Robek
Bild: Robek unter Creative Commons Lizenz by
In manchen Gebieten ist der Löwe gefährlich. In anderen ein Zoobewohner.

Kommentar von Joachim Graf

100 Prozent ECommerce-Anteil ist eine stark optimistische Annahme

Die ECommerce-Wachstumseuphorien von so mancher interessierten Stelle verbergen eines: Dass das Onlinewachstum sich innerhalb unterschiedlicher Branchen sehr unterschiedlich vollzieht.

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 (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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