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Analyse Google Contributor: Werbefreies Surfen - SEM-Sponsoring oder teuflischer Weltbeherrschungsplan?
21.11.2014 Google startet ein Portal, bei dem Nutzer dafür zahlen, dass sie Webseiten ohne Werbung sehen. Wird Google jetzt Bezahlschranke für das Web? Oder wird Google zum Adblocker? Eine Analyse.
Google hat Contributor vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Art Portal, das als Freemium-Modell für das Internet funktioniert. Wer einen Betrag im niedrigen einstelligen Dollarbereich zahlt, surft in einem Netzwerk ausgewählter Google-Partner-Seiten künftig werbefrei. Darunter sind etwa das Satireportal The Onion , das Slang/Umgangssprachen-Lexikon Urban Dictionary oder das Do-it-yourself-Wiki Wikihow . Wer bei Contributor spendet, sieht diese Seiten ohne Bannerwerbung, die Seiten bekommen dabei performancebasiert pro Visit etwas von der Gebühr ausgeschüttet.
- 'Google will die Paywall für das gesamte Internet werden und Publisher noch stärker in die Abhängigkeit zwingen. Und wie verlogen ist das denn bitte? Selber Werbungsmilliarden scheffeln und dann ein werbefreies Netz als Dienstleistung verticken, also sowas!'
- 'Wozu denn Contributor? Ich zieh mir nen Adblocker aus dem Web, dann habe ich die Seiten auch werbefrei!"
Was das aber wirklich bedeutet:
Zu Punkt eins:
Google Contributor ist ein Fundingsystem mit einer noch extrem überschaubaren Auswahl unterschiedlichster Onlineangebote. Wer guten Inhalt bietet, wird geklickt und erhält pro Klick einen Obolus aus der von Google verwalteten Spendenkasse. Ob der Suchmaschinenkonzern einen Anteil als Provision einbehält, ist dabei Nebensache: Denen kommt selbst dann noch das Geld aus den Ohren, wenn das gesamte Web banner- und displayfrei geworden ist (was nie passieren wird).
Da Google gute Seiten konsequent mit seiner Spam- und Linkfarming-abstrafenden Suchmaschinenpolitik fördert, dürfte auch Contributor nicht Teil eines bösen Plans sein, sondern eher Teil der kalifornischen 'Technik und Web sind super'-Mentalität. Google will der Förderer guten Contents sein. Davon profitiert der Konzern natürlich auch - nur nicht so plump und unmittelbar wie alle denken (Provision), sondern langfristig und mittelbar: Guter Content in den Suchergebnissen schafft Relevanz in den Suchergebnissen - und das erhält hohe Nutzungsraten für die Suchmaschinenseite und steigert Verweildauern. Was dem SEA-Geschäft gut tut.
Zu Punkt zwei:
Adblocker sind nicht ganz dasselbe wie Contributor. Im Gegenteil: Adblocker entziehen Publishern die Lebensgrundlage (keine Werbung mehr sichtbar = keine Einnahmen mehr). Google dagegen substituiert die Werbeeinnahmen durch Geld für Traffic aus einem Spendentopf. Wer Adblocker mit dem Argument nutz, Google sei böse, richtet also den eigentlichen Schaden für das Überleben hochwertiger Seiten im Web an und argumentiert doppelmoralisch.
Die Folge:
Googles Motiv dürfte es sein, einen Beitrag dazu zu leisten, Seiten mit wertvollem Content aus der Abhängigkeit von Marketing und Native Advertising zu befreien. Wie schon seine immer mehr personalisierte und semantische Suche einen heimlichen Krieg zur Abschaffung der SEO führt, so leistet Contributor einen Beitrag dazu, Inhalte und Werbung voneinander zu lösen und all die zu belohnen, die guten Content liefern - diesmal nicht mit guten Rankings, sondern vor allem mit Geld.
Dass dabei erstmal nur Mikrobeträge an die Seiten fließen dürften, ist ein Schönheitsfehler. Aber es wird nicht darum gehen, dass Publisher langfristig von den Contributor-Einnahmen leben können. Sondern sie sollen eine Unterstützung erhalten, die sie aus der Werbeabhängigkeit befreit und sie animiert, starke Inhalte zu bieten. Um diese hochkarätigen Webseiten herum müssen dann Services aufgebaut werden, mit denen sich zusätzliche Revenuestreams generieren lassen. Aber dass Paid Content allein nicht reicht, sondern Paid Service die einzige Chance ist, als Publisher online zu überleben ist ja nicht neu und nicht Googles Schuld.
