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Amazon Prime: Was Amazon mit der Preiserhöhung bezweckt
08.11.2016 Amazon erhöht den Preis für seinen Prime-Dienst von 49 auf 69 Euro jährlich. Zuletzt hat Amazon mit seinen Logistik-Services hohe Verluste gemacht. Nun soll die Preiserhöhung den Geschäftsbereich profitabel machen.
Prime-Kunden erhalten zu vielen Produkte eine kostenlose Premiumlieferung, können auf eine große Videothek zugreifen, ein eingeschränktes Streaming-Musikangebot nutzen und kostenlos E-Books ausleihen.
Das sind die Gründe: Amazon Prime hat in Deutschland schätzungsweise 17,1 Millionen Kunden. Das entspricht rund 40 Prozent der regelmäßigen Amazon-Besteller. Damit ist Prime das mit Abstand erfolgreichste Kundenbindungsprogramm eines einzelnen Händlers.
Allerdings schreibt Amazon auch hohe Verluste. In den vergangenen Monaten haben die Kosten für die Logistik ein neues Rekordniveau außerhalb des Weihnachtsgeschäfts erreicht. So lag der Verlust aus der Logistik im vergangenen Jahr bei 1,75 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist er um rund 700 Millionen US-Dollar gewachsen.
Was das bedeutet: Amazon versucht ganz offensichtlich gegenzusteuern. Das überraschende am Amazons Prime-Programm ist, dass bisher - neben den zufriedenen Kunden - vor allem die Marktplatzhändler profitieren. Wie iBusiness in einer umfangreichen Analyse (Die Prime-Lüge - Warum Amazon-Kunden immer draufzahlen ... ) nachgewiesen hat, werden Produkte, die im Prime-Versand angeboten werden, im Schnitt um einige Prozent teurer verkauft, als Non-Prime-Produkte.
Die Kunden sind also sogar bereit, einen Aufpreis für die schnelle Lieferung zu zahlen. Dieser kommt über den Verkaufspreis aber dem Händler zugute, der gar keinen Mehraufwand hat. Denn den Premiumversand organisiert (und bezahlt) Amazon im Rahmen der Prime-Mitgliedschaft.
In dieser Situation hat Amazon zwei Alternativen, um zu reagieren:
- Entweder verschärft das Unternehmen die Regeln für Marktplatz-Händler und wälzt einen Teil der Kosten auf diese ab.
- Oder das Unternehmen wendet sich an die Kunden und versucht seinen Logistikdienst als eigenständigen Geschäftsbereich profitabel zu machen.
Offensichtlich hat sich Amazon zumindest zunächst für letztere Option entschieden. Eine händlerfreundliche Herangehensweise. Und zugleich ein Zeichen dafür, dass sich Amazon immer mehr als Netzwerk, Marktplatz und Enabler für Online-Händler sieht. Dies fügt sich in eine Reihe weiterer strategischer Produktentscheidungen - von Amazons Web-Services, über Dash-Buttons und Locker-Stationen und natürlich die vielen Logistik- und Prime-Investitionen.
