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Godot-Trend vier: M-Commerce

18.03.2014 Vom substanziellen Trend zum Hype: Es war einmal, da meinte man mit M-Commerce den Umsatz mit mobilen Dienstleistungen: Tickets für die U-Bahn oder drahtloses Internet für's schlaue Handy. Die Zeiten sind vorbei: Heute verkauft man als M-Commerce den Mythos, Nutzer würden unterwegs Motorboote und Einbauküchen shoppen. Damit beförderte die Branche M-Commerce zu einem Godot-Trend.

Was sie wohl gerade mobil kauft? Ein Auto? Und in zehn Minuten noch eines? (Die Pointe dieses schlechten Witzes erklären wir mit Freuden im Text unten) (Bild: Andrew Stawarz Flickr CC by-nd)
Bild: Andrew Stawarz Flickr CC by-nd
Bild: Andrew Stawarz Flickr CC by-nd unter Creative Commons Lizenz by-nd
Was sie wohl gerade mobil kauft? Ein Auto? Und in zehn Minuten noch eines? (Die Pointe dieses schlechten Witzes erklären wir mit Freuden im Text unten)
Der Trend
M-Commerce
Seit wann wartet die Branche?
Seit etwa 2000 hat die Branche Erwartungen an den mobilen Commerce - der frappierende Unterschied zwischen damals und heute: Damals hatten die Marktteilnehmer vollkommen andere, realitätsgebundenere Vorstellungen von mobilem Commerce: Aus einer 14 Jahre alten Studie geht hevor: M-Commerce war ein Thema für Finanzdienstleister, die sich davon mobile Transaktionen und Onlinebanking versprachen - oder von Telkos, die unter M-Commerce vor allem Umsätze aus Tarifen für mobile Daten begriffen. Damals war die Welt noch in Ordnung, denn M-Commerce bezog sich de facto auf a) wirklich mobil im Sinne von unterwegs getätigte und erzielte Umsätze und b) auf Umsätze mit Mobilität als Gut an sich (mobile Verfügbarkeit von Services). Doch dann änderte sich etwas...
Auf was wartet die Branche?
... denn irgendwann begann die Branche darauf zu warten, dass alles mobil gekauft wird: Jeans, Stereoanlagen, Autos, Schrankwände, Segelboote, Reihenhäuser. Studien wie die über das Kaufverhalten der Ebay-Nutzer nährten die Hoffnung. So gab Ebay   allen Ernstes Ende 2013 zu Protokoll, dass "alle 10 Minuten ein Fahrzeug" mobil den Besitzer wechsle. Da wirkt die im gleichen Text getätigte Feststellung von mobil verkauften Gartenmöbeln schon fast wieder geerdet und nüchtern.

Solche Meldungen und viele davor und danach haben dazu geführt, dass die Branche auf ein omnipräsentes Shoppingerlebnis spekuliert, bei dem Nutzer immer und überall einkaufen: QR-Code-Shops in U-Bahnen sind ein Produkt des Glaubens, mobiler Commerce sei mehr als das, als was er ursprünglich war; mehr als der reine Umsatz mit mobilen Dienstleistungen: M-Commerce, so schwingt implizit in den Legionen Erfolgsmeldungen mit, ist der Konsum unterwegs, der nicht einmal vor Autos Halt macht.

Und wieso kommt der Trend nicht an?
Anteil stationärer und wirklich mobiler Zugriffe auf mobilen Endgeräten nach Gerätetyp
Anteil stationärer und wirklich mobiler Zugriffe auf mobilen Endgeräten nach Gerätetyp (Grafik: etracker)
Schuld an allem ist eine schleichende Begriffsverwirrung - die Branche hatte schlichtweg begonnen, mobil und unterwegs gleichzusetzen. Doch die mobil erzielten Umsätze bedeuten eben nicht, dass unterwegs gekauft wird, sondern dass Nutzer mobile Endgeräte für ihre Einkäufe verwenden. Erstmals richtig transparent machte Etracker    diesen Trend: Der Webanalyse-Dienstleister hatte herausgefunden, dass bis zu 93 Prozent aller Zugriffe auf mobilen Geräten im W-Lan stattfinden. Sprich: Mobilgeräte werden daheim, auf der Couch oder im Café mit W-Lan wie Desktop-PCs in zurückgelehnten, nicht-mobilen Szenarien genutzt.
Godot-Faktor
Mobile Commerce ist kein Hype, sondern ein substanzieller Trend, wenn damit das Geschäft mit immateriellen, beweglichen Gütern wie Ticktes gemeint ist oder das Geschäft mit mobiler Internetverfügbarkeit selbst. Der Unterwegs-Commerce dagegen ist nahezu Humbug. Wer M-Commerce-Kunden adressiert und behandelt wie die Nutzer in heimischen Desktop-Szenarien, setzt auf das richtige Pferd.
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Thema:

Die Godot-Trends 2014: Fünf Themen, die Sie getrost ignorieren dürfen

Warten Sie schon lange hier? Und auf wen? Ach: Auf M-Payment, Couponing und M-Commerce? Geben Sie's auf. Da kommt nichts mehr. Fünf brandheiße Super-Mega-Hyper-Trends, die Sie getrost vergessen können.

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Er glaubt an M-Commerce und M-Payment, das Ganze mit QR-Codes. Er hat deshalb Tausende Euros investiert. Jetzt wartet er nur noch darauf, dass die Konsumenten mitmachen. Schon seit Jahren. (Bild: Pixabay / Public Domain)
Bild: Pixabay / Public Domain
Er glaubt an M-Commerce und M-Payment, das Ganze mit QR-Codes. Er hat deshalb Tausende Euros investiert. Jetzt wartet er nur noch darauf, dass die Konsumenten mitmachen. Schon seit Jahren.
1. Teil: Godot-Trend eins: M-Payment 2. Teil: Godot-Trend zwei: QR-Codes 3. Teil: Godot-Trend drei: Couponing 4. Teil: Godot-Trend vier: M-Commerce 5. Teil: Godot-Trend fünf: Pinterest

Kommentar von Sebastian Halm

Fünf Gründe, wieso Social Media schon mal falsche Trends erschafft

Trends, auf die wir ewig warten, werden oftmals in Social Media gemacht: Das Biotop verführt zu vorschnellen Schlüssen und dazu, tendenziöse Abbilder für die wirklich wahre Welt zu halten.

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Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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