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Crowdsourcing bei TV-Comedys in Deutschland
23.07.2008 Nach dem ZDF versucht sich nun auch ProSieben in von Nutzern gestalteten Kleinserien für TV und Web - allerdings schreiben die Zuschauer bei den Öffentlich-Rechtlichen selbst mit, während sie beim Privatsender nur aus vorgegebenen Szenen auswählen können. In Mainz dagegen setzt man weiter auf User Generated Content in naher Zukunft.
Und die Nutzer daheim an den Monitoren können über das Schicksal der von Daniel Zillmann und Lea Mornar gespielten Hauptcharaktere entscheiden. Allerdings haben die Nutzer nur die Qual der Wahl aus bereits vorproduziertem Material. Beworben wird die Serie Ende August mit Spots auf ProSieben sowie auf den Homepages des Konzerns und seiner Medienpartner; so will man auch junge Zielgruppen etwa über auch die Lokalisten für das Projekt begeistern.
Die Nase vorn bei User Generated Content in TV und Web hat dagegen der Sender mit der ältesten Zuschauerschaft. Denn das ZDF setzt auf größere Autonomie bei der Autorschaft. Vor beinahe zehn Jahren gab es erste, von den Zuschauern im Web verfasste Drehbücher. "Wir haben damals ein erstes Drehbuch für unseren Detektiv 'Wilsberg' von den Nutzern schreiben lassen", sagt Martin Neumann . Ermutigt durch den Erfolg ließ der TV-Redakteur in der Abteilung Fernsehfilm auch weiterhin Zuschauer im Internet an den Drehbüchern arbeiten. Anfangs waren teilweise 100 Freizeit-Autoren bei der Sache.
Allerdings dauerten die Vorbereitungen der Bücher jeweils rund ein halbes Jahr. Neumann kennt die Aufs und Abs bei der Beteiligung der Nutzer. "Es ist schwierig, die Leute bei der Stange zu halten. Bei 'Blaschke' , unserer soeben im Web beendeten Serie haben wir die Zuschauer für 30-Minuten-Folgen schreiben lassen. Das ergibt am meisten Sinn: möglichst kurze Folgen planen", rät Neumann. Nun wird zunächst ein 90-Minüter gedreht - und dann werden die Nutzer im Web erneut für Serienfolgen kreativ in die Tasten ihrer Rechner hauen.
Bei ProSieben bleibt man vorerst binär: Dort setzt man derzeit noch auf das einfachere Modell, aus möglichen Versionen, eine auszuwählen. Allerdings macht man sich auch dort Gedanken, wie die Zuschauerbeteiligung in Web und TV erweitert werden kann. ZDF-Mann Neumann traut den Nutzern einiges zu: "Zwar muss man immer wieder aus Vorschlägen auch Unsinn heraus filtern, aber es funktioniert. In einigen Jahren wird es vermehrt solche Formate geben - derzeit experimentieren TV-Macher und Nutzer noch."
Einen gewissen langen Atem benötigen Publisher bei interaktivem ITV - das haben nicht zuletzt auch die Mitarbeiter von Betty TV schmerzlich erfahren. Die Tochterfirma der Swisscom wurde in ihrem Heimatmarkt und auch hierzulande zum Ende des Jahres 2007 eingestellt, wie iBusiness berichtete. Der Anbieter war mit der "ersten interaktive Fernbedienung zum Mitspielen beim Fernsehen" offenbar nicht schnell genug erfolgreich gewesen. Hierzulande wollten Betty TV und die ProSiebenSat.1-Sender Sat.1, ProSieben, Kabel eins und N24 den Zuschauern die Zusatzdienste mit der Fernbedienung schmackhaft machen.
