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Startup-Trends 2010: Neue Gründer verbreiten Aufbruchstimmung

21.01.2010 2010 wird nach einem verhaltenen Jahr 2009 wieder zu einem Jahr der Web-Gründer. Allerdings entstehen neue Unternehmen in anderen Feldern als bisher. Auch die Wagniskapitalisten suchen sich neue Geschäftsbereiche, um zu investieren.

 (Bild: SXC.hu/Michal Zacharzewski)
Bild: SXC.hu/Michal Zacharzewski
 (Bild: SXC.hu/Michal Zacharzewski)
Bild: SXC.hu/Michal Zacharzewski
Es kommt wieder Bewegung in die Geschäftsgründungen im Internet. War das vergangene Jahr 2009 noch gekennzeichnet durch einen Rückgang bei Neugründungen, macht sich jetzt zu Jahresbeginn so etwas wie Euphorie breit. "2010 wird in der Gründerszene einiges los sein", gibt sich Alexander Hüsing t, Chefredakteur des einschlägigen Portals Deutsche Start-ups.de  , überzeugt. Bereits jetzt sei die Aufbruchstimmung spürbar.

Auch aus der Ecke der Kapitalgeber erklingen positive Töne. So stellt Mark Miller vom Frühphaseninvestor und Corporate Finance-Berater CatCap   aus Hamburg für seine Branche fest: "Im Internet gibt es immer noch viel Raum für Neues. Start-ups können hier aus wachsenden Nischen heraus agieren."

Das war 2009 noch ganz anders. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch unter den Gründungswilligen ihre Spuren hinterlassen. Eher verhaltene Aussichten und knapper werdende Geldmittel durch zurückhaltende Kreditvergabe der Banken haben das vergangene Jahr gekennzeichnet. Alexander Hüsing identifiziert die verhaltene Geschäftstätigkeit als "Übergangsperiode". Diese Phase geht offenbar zuende, neuer Optimismus macht sich breit. Bei Finanzexperten wie Miller heißt es jetzt: "Die Venture Capitals werden 2010 ihr Pulver trocken halten. Aber so hoch ist der Kapitalbedarf einer Internetgründung ja gar nicht mehr. Da kann auch bereits Business-Angel-Geld helfen und das fließt immer noch zur Genüge."

Es sind auch bereits Schwerpunkte auszumachen, die Gründer besonders anlocken: Im Bereich ECommerce boomt insbesondere das Thema Mode - von der Bekleidung bis zu den Schuhen reicht hier die Palette. Das korrespondiert mit den Nutzerinteressen, wie sie von TNS Infratest    im Rahmen einer Umfrage belegt wird: Danach informieren sich 41 Prozent der Befragten in Deutschland 'oft' oder 'immer' im Netz zu diesem Thema.

Gründer suchen sich gerne Nischen für den Erfolg


Als weiteren Trend sieht Hüsing die ECommerce-Spezialisierung. Shops, die sich ein besonderes Nischen- oder Spezialthema ausgeguckt haben, gehen in jüngster Zeit besonders gern an den Start. Auf der anderen Seite ist 'Live-Shopping' kein Thema mehr allein für eine Geschäftsgründung. Vielmehr sind zahlreiche Shops dazu übergegangen, solche Features wie 'ein Sonderangebot für einen Tag' in ganz normale ECommerce-Plattformen zu integrieren.

Mehrere Start-ups gehen in einen Bereich, der zunächst in den USA sehr erfolgreich angelaufen ist: Das Feld von regionalen Shop- und Couponanbietern, für die Groupon   beispielgebend ist. Erste Neugründungen für lokale und regionale Zusammenschlüsse von Händlern, Geschäften und Restaurants, die Nutzern ein gemeinsames Rabattsystem anbieten, wie Heimatpreis   in München oder MyCitydeal   für Berlin, Frankfurt, Hamburg, München, Nürnberg und Stuttgart konzentrieren sich zunächst auf Großstädte. Hüsing beobachtet in diesem Segment erhebliche Gründerstimmung. Doch das Copycat-Syndrom bleibt. Generell, so Hüsing, "wird viel aus den USA kopiert" in Deutschland. Tatsächlich gilt in der US-Gründerszene auch 2010 der Satz: "Erst wenn du einen deutschen Klon hast, dann ist dein Geschäftsmodell vielversprechend."
Für den Sektor Spiele wiederum ist die Goldgräberstimmung der letzten Jahre auch 2010 noch nicht vorbei. Insbesondere Browsergames florieren und Social Games, also Spiele, die innerhalb von sozialen Netzwerken verbreitet und genutzt werden wie Farmville   auf Facebook  . Hier ist offenbar noch viel Platz für neue Ideen und Unternehmen.


Neue soziale Netzwerke werden auf lokaler und regionaler Ebene entstehen


Überhaupt prognostiziert Hüsing dem Thema der sozialen Netzwerke noch lange keine Erschöpfung. Allerdings: "Für einen neuen, großen nationalen Mitbewerber ist eher kein Platz mehr vorhanden." Dagegen bescheinigt der Experte sozialen Netzwerken auf lokaler oder regionaler Ebene noch erhebliches Potenzial. In diesem Bereich werden seiner Einschätzung nach noch etliche Neugründungen zu sehen sein.

Die Stimmung unter Kapitalgebern ist ohnehin weiter optimistisch. So stellt Mark Miller für seine Branche grundsätzlich fest: "Das Internet kann ideal zur Effiziensteigerung eingesetzt werden. Das meine ich ökologisch und ökonomisch." In diesem Umfeld werde man 2010 einige Unternehmen gründen und wachsen sehen. Außerdem ermöglichten neue Geräte und soziale Netze neue Formen des Entertainments - "nicht mehr nur für die Couch-Potatoes."

Mit weiteren Neugründungen ist auch bei den vertikalen Netzwerken zu rechnen, den Zusammenschlüssen von spezialisierten Portalen und Nischenthemen zu einer Vermarktungsgemeinschaft. Allerdings, so Hüsing, seien bei diesem Thema "Gründer in der Minderheit". Dieses Feld besetzen vor allem große Medienhäuser wie Burda   mit Glam.de   und Brash.de   oder Holtzbrinck  , die sich an Fantastic Zero   beteiligt haben. Als Neugründung ragt allein Vertical Network Media GmbH   aus dem vergangenen Jahr heraus.

Erhebliches Potenzial sieht Hüsing auch im Bereich Mobile, gerade durch den Siegeszug der Smartphones. Allerdings wurde diesem Sektor bereits so oft ein Boom bescheinigt, dass der Experte eher zur Vorsicht neigt: Vor 2011, so der Chefredakteur, rechne er hier nicht mit nennenswerten Erfolgsgeschichten.

Zehn häufige Fehler für Start-ups

Der ECommerce-Experte Justin Palmer von Palmer Web Marketing   hat zehn häufige Fehler zusammengetragen, die Start-ups auch 2010 unbedingt vermeiden sollten:
  • 1. Zu wenig Geld für Marketing
    Häufig investieren viele Unternehmen Unsummen in einen attraktiven Onlineshop und gehen davon aus, dass sich der Rest von selbst erledigt. Wer aber einen erfolgreichen Onlineshop betreiben will, muss von Anfang an die Kosten für die Entwicklung, die Optimierung und das Marketing einplanen.

  • 2. Endlose Design-Verbesserungen
    Genau wie im traditionellen Marketing muss es ein Unternehmen im Onlinemarketing auch beim ersten Mal richtig machen. Daher gilt es, nicht permanent am Design des Shops herumzubasteln.

  • 3. Der Kunde kann Waren im Onlineshop nicht anfassen
    Es überrascht immer wieder, wie viele Onlineshops keine Zoom-Fotos oder zusätzlichen Perspektiven beziehungsweise ordentlichen Produktbeschreibungen haben.

  • 4. Die Mobilität der Onlinekunden unterschätzen
    Viele Shopbetreiber gehen davon aus, dass sich Onlinekunden genauso verhalten wie Kunden im stationären Handel. Ein Fehler: Während im stationären Handel Konversionsraten von 50 Prozent keine Seltenheit sind, gilt im Onlinehandel bereits eine Konversionsrate von drei Prozent als akzeptabel. Der nächste Onlineshop ist immer nur einen Klick weit entfernt. Daher bedeutet alles, was den Kaufprozess stört, verlorene Umsätze. Deshalb müssen Start-ups versuchen, dem Kunden ein möglichst positives Einkaufserlebnis zu bieten, besonders wenn man sich auf stark umkämpften Märkten bewegt.

  • 5. Printwerbung und Onlinewerbung
    Printwerbung ist nicht gleich Onlinewerbung. Print- und Onlinemedien haben mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Der Designer eines Onlineshops sollte entsprechend über ausreichende Erfahrung im Onlinebereich verfügen.

  • 6. Vertrauen vernachlässigen
    In stationären Geschäften gibt es selten Sicherheitsbedenken. Bei E-Commerce haben jedoch viele potenzielle Kunden Bedenken beim Thema Vertrauen und Sicherheit. Hier erfordert es meistens eine Menge zusätzlichen Aufwand, um sich das Vertrauen der Onlinekunden zu sichern. Versichern Sie Ihren Kunden mit den geeigneten Mitteln, dass ihre Informationen sicher sind und dass Sie die Privatsphäre der Nutzer respektieren.

  • 7. Die Homepage ist nur ein kleiner Teil Ihrer Webseite
    Viele Firmen überfrachten ihre Homepage mit Grafikelementen und treiben hier viel Aufwand, der an anderen Stellen der Webseite effektiver eingesetzt werden kann.

  • 8. Jedes neue Onlinemarketing-Gadget ausprobieren
    Es gibt regelmäßig eine enorme Menge neuer, toller Marketingtechniken oder ECommerce-Features; aber versuchen Sie trotzdem, sich gerade am Anfang auf die bewährten Methoden wie die Suche, das EMail-Marketing und die Usability Ihrer Webseiten zu konzentrieren. Hier ist das Verhältnis von Aufwand und Nutzen in den meisten Fällen besser.

  • 9. Das Thema Web-Analytics vernachlässigen
    Im traditionellen Handel ist die Analyse des Kundenverhaltens für kleine und mittlere Unternehmen oft mit zu viel Aufwand verbunden und beschränkt sich auf Controlling-Maßnahmen. Viele Unternehmer, die neu im E-Commerce sind, unterschätzen das Potenzial von Web-Analysetools und den neuen Strategien, die auf Basis der gewonnenen Ergebnisse entwickelt werden können. Stellen Sie sicher, dass es in Ihrem Unternehmen jemanden gibt, der weiß, wie man Web-Analytic-Tools bedient und die Daten analysiert.

  • 10. Stimmen Sie von Anfang an Offline- und Onlinehandel aufeinander ab
    Viele der stationären Einzelhändler kämpfen noch immer damit, ihre Onlinepräsenz nahtlos in ihren Offlinebetrieb zu integrieren. Das Resultat sind oft Preisdiskrepanzen, die Verwirrung beim Kunden schaffen. Außerdem glauben viele Kaufhausmanager, dass ihnen der Onlineshop der Firma ihre Kunden wegnimmt. Klären Sie Ihre Angestellten rechtzeitig über die vielen Vorteile und Synergien auf und helfen Sie, Missverständnissen vorzubeugen.
Thema: Startup-Trends 2010: Neue Gründer verbreiten Aufbruchstimmung

Kommentar von Frederik Birghan

Bereits wieder Aufschwung-Hoffnung

Während in analogen Branchen noch Befürchtungen umlaufen, die Auswirkungen der Finanzkrise könnten erst im Laufe dieses Jahres richtig spürbar werden, herrscht in der digitalen Welt bereits wieder Optimismus. Das hat zwei Gründe.

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