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Von den Füßen auf den Kopf gestellt: Wikipedia wird zum Print-Lexikon
22.04.2008 Wikipedia ist seit vielen Jahren das Flaggschiff aller User-generated-Content-Seiten im Netz. Doch diese Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen von Verlagen, Firmen und staatlichen Institutionen gibt die Wikimedia-Stiftung nun zu einem kleinen Teil aus der Hand. Aus Wikipedia wird ein redaktionell bearbeitetes Print-Lexikon.
Bertelsmann hat das Wikipedia-Lexikon als "lexikalisches Jahrbuch" konzipiert. "Es spiegelt den Zeitgeist in Deutschland zum jeweiligen Erscheinungszeitpunkt wieder", erklärte Bertelsmann-Sprecherin Ulrike Rehusch gegenüber iBusiness. Relevanzkriterium für die Artikelauswahl ist nicht "primär der Bezug zur Allgemeinbildung eines klassischen A bis Z-Nachschlagewerkes", so Rehusch weiter. Mit 50.000 Stichwörtern und erklärten Begriffen verzeichnet es die in 2007/08 am häufigsten recherchierten Suchbegriffe der Online-Enzyklopädie. Die Stichwortartikel geben die zentralen, den Online-Artikel zusammenfassenden bzw. einleitenden Informationen wieder.
Die Redaktion des Wikipedia-Lexikons behält sich allerdings vor, Korrekturen an den Artikeln selbstständig vorzunehmen. Dies könne, so Rehusch, sowohl Inhalte, Formulierungen und Fakten, als auch die formelle Struktur der Informationen betreffen. Diese Korrekturen werden dann anschließend in den Online-Artikel übertragen. Allerdings trete Bertelsmann als "normaler Autor" in Wikipedia auf. "Änderungen können selbstverständlich in der Online-Version wieder rückgängig gemacht werden."
Das interne Qualitätssicherungs-System bei Wikipedia soll aber kein einschränkendes Auswahlkriterium sein, erklärte Rehusch gegenüber iBusiness. So werden bei der Online-Enzyklopädie mittels Nutzervotum Artikel mit den Prädikaten 'lesenswert' und 'exzellenter Artikel' ausgezeichnet.
Der Verlag will mit der Printausgabe der Online-Enzyklopädie neue Zielgruppen erschließen. Beate Varnhorn , Verlagsleiterin des Bertelsmann Lexikon Instituts: "In der komprimierten einbändigen Druckausgabe wird es neue Zielgruppen erschließen, die das Wikipedia-Projekt kennenlernen und an ihm partizipieren." Die Wikimedia-Stiftung erhält von jedem verkauften Exemplar einen Euro als Spende von Bertelsmann.
