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Opt-Ins sammeln, Konversionen steigern: So optimiert man Cookie-Consent-Banner

26.04.2021 Cookie-Banner nerven jeden - aber man kann sie so gestalten, dass möglichst viele Konversionen abfallen. Eine Checkliste, wie das geht - und wie das nächste Cookie-Kapitel aussehen wird.

Manche Cookie-Conent-Banner sind sparsam designt, andere erschlagen den Nutzer kalkuliert mit Auswahlmöglichkeiten. Was ist aber der beste Weg? (Bild: qimono/Pixabay/CC0)
Bild: qimono/Pixabay/CC0
Manche Cookie-Conent-Banner sind sparsam designt, andere erschlagen den Nutzer kalkuliert mit Auswahlmöglichkeiten. Was ist aber der beste Weg?

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TL;DR
Optimierung von Consent-Bannern findet grundsätzlich mit den angelegten Handschellen des Rechts statt. Tendenz: noch strenger werdend.
Der verschärfte Umgang des Gesetzgebers mit Cookies hat eine ganz neue Spezies des Pop-up-Banners hervorgebracht, die nun im rauen Klima der Privacy-Politik gedeiht und wächst: Das Opt-In-Formular oder auch das gemeine Cookie-Consent-Banner genannt. Gemeinsam ist allen, dass kein Mensch, der auf eine Webseite kommt, Lust darauf hat, sich mit den Dingern auseinanderzusetzen. Doch jenseits davon - in der konkreten inhaltlichen und grafischen Ausgestaltung - klaffen Welten zwischen einem Banner auf Webseite A und direkt nebenan auf Seite B. Es lohnt sich, etwas Gedankenarbeit und Programmierer-Arbeit in die Banner zu stecken. Denn idealerweise präsentiert man dem Nutzer eine optimiertes Banner, das zum Zustimmen einlädt.

Wie aber geht das? Es gibt ein paar To-Dos und Best-Practices.

Was es nicht gibt, so Aniko Szenftner, SEA-Managerin beim Performance-Marketing-Anbieter Clicks Digital   , ist das ideale Cookie-Banner: "Dafür ist das Spannungsverhältnis und die Ansprüche der drei Parteien - Website, NutzerInnen und DSGVO - zu groß." Während viele BesucherInnen im Sinne der Privatsphäre Cookies einfach nur möglichst unkompliziert ablehnen und uneingeschränkt weiter surfen wollen, so Szenftner, "möchten auf der anderen Seite die Website-Marketers im Sinne aussagekräftiger Maßnahmen-Auswertung möglichst viele Opt-Ins, also Cookie-Zusagen erreichen."
Das gestaltende und organisierende Grundprinzip der Cookie-Banner ist ihr Spannungsfeld zwischen Conversion und Recht. Einerseits darf man nicht gegen die umfangreichen Bestimmungen verstoßen - andererseits muss man dann versuchen, in diesem engen Rahmen für die Konversion etwas zu tun, was man überhaupt noch tun darf. Es ist CRO mit angelegten Handschellen. Das gilt auch für die Sprache.

Die Sprache

Sie sollte leicht verständlich und zugleich ausführlich sein - also transparent und klar erklären, worum es bei der Zustimmung geht und wieso diese so wichtig für den Webseitenbetreiber ist, der ja oft von den angehängten Werbegeschäftsmodellen leben muss. Statt mittels Nudging den Nutzer zu manipulieren, sollte man hier klarstellen, welche Hilfe für die Dienste und Shops in einem Consent besteht - die Angst vor dem Druck auf die Tränendrüse darf man hier getrost mal kurz überwinden. ""Wir empfehlen hier positive Frames", sagt Aniko Szenftner.

Gute Texte und klare Botschaften in diesem Positiv-Beispiel. (Bild: Screenshot Zalando/Clicks Digital)
Bild: Screenshot Zalando/Clicks Digital
Gute Texte und klare Botschaften in diesem Positiv-Beispiel.

Schaltflächen/Buttons

Man sollte direkt alle Cookies mit einem einzigen Klick auf dem ersten Popup-Banner ablehnen können, so die Empfehlung von Aniko Szenftner, "der Button darf aber subtil platziert, gestaltet und verschriftlicht sein, er muss etwa nicht den Titel 'Ablehnen' tragen." Nicht empfehlenswert sind dabei "Entweder alles oder nichts"-Lösungen, die Chance, die Cookies noch granular auswählen zu können, sollte gegeben sein, sonst beraubt man sich jeder Chance, dass der Nutzer doch noch teilweisen Consent abgibt (rechtlich erlaubt ist nur die Vorauswahl von essentiellen First-Party-Cookies).

Rechtlich okay, aber mit der Alles-oder-Nichts-Variante beraubt sich der Publisher selbst der Chance, dass der Nutzer für manche Cookies ein 'Okay' abgibt. (Bild: Screenshot Clicks Digital)
Bild: Screenshot Clicks Digital
Rechtlich okay, aber mit der Alles-oder-Nichts-Variante beraubt sich der Publisher selbst der Chance, dass der Nutzer für manche Cookies ein 'Okay' abgibt.

Ein No-Go dagegen ist die Cookie-Wall: Diese Lösung, die dem Nutzer den Webseitenbesuch verdeckt/blockiert - es sei denn, er schluckt die hingeworfenen Kekse -, ist nicht mehr erlaubt.

Finger weg von der Mauer-Lösung: Cookie-Walls sind nicht mehr erlaubt. (Bild: Screenshot Clicks Digital)
Bild: Screenshot Clicks Digital
Finger weg von der Mauer-Lösung: Cookie-Walls sind nicht mehr erlaubt.


Vollkommen in Ordnung ist es dagegen, wenn es einen 'Alle Cookies akzeptieren'-Button gibt, der auch auffälliger als alle anderen gestaltet ist - Voraussetzung ist die Existenz eines nutzerfreundlichen und DSGVO-konformen Opt-Outs. Als Positivbeispiel kann hier nochmal das oben als erstes abgebildete Banner mit der Aufschrift 'Wir schneiden hier alles auf Dich zu' gelten. Auch vorbildlich ist hier das Vorhandensein von 'Einstellungen', die dem Nutzer eine Wahlmöglichkeit offerieren.

Und noch ein paar technische Stolperfallen...

Szenftner empfiehlt nach der Implementierung der Banner regelmäßige Testings: "Cookie-Banner sollten unbedingt vor allem beim Website-Launch mindestens drei mal, aber auch darüber hinaus regelmäßig getestet, dessen Performance ausgewertet und der Banner angepasst werden." Sie empfiehlt, verschiedene Farben, Formen, Banner- und Button-Größen, Wordings, Formate (und bei vorhandener Risikofreude sogar One-Klick-Lösungen statt granularer Auswahl) zu testen.

Nicht vergessen werden darf - als besonderer Stolperstein - der Hinweis auf eingebundene Elemente, wie etwa Youtube-Videos oder Social-Buttons.

Opt-In-Optimierung to go: Das Wichtigste zum Mitnehmen
  • Infoblock: Transparente Informierung des Nutzers zur Verarbeitung der Daten inkl. Links zu Widerrufsseite und Datenschutz
  • Wording: generell verständlich, explizit, brand-alligned und (wenn dann) positiv geframed ("Damit helfen Sie uns…" statt "Wenn Sie dem nicht zustimmen…")
  • Möglichkeit geben, sich für oder gegen das Setzen von Cookies generell zu entscheiden (keine Cookie-Walls)
  • Möglichkeit geben, Cookies individuell abzulehnen z.B. durch Klick auf subtilen Einstellungs-Button, statt One-Click-Lösungen zu nutzen
  • Funktionstüchtigkeit der Website auch bei Ablehnungen weitestgehend garantieren
  • Cookies erst nach der Zustimmung setzen
  • Falls nötig, Einrichten von Contextual Consent (nachträgliche/zusätzliche Zustimmung beim Zugriff auf externe Inhalte z.B. YouTube Videos), Cross-Domain Consent (auch gültig für Geschwister- oder Subdomains) und Cross-Device Consent (gültig auf mehreren Geräten)
  • Möglichst jährliche Erneuerung des Consents (Banner wieder abspielen)

Wie geht es weiter?

Die Webseitenbetreiber sollten ansonsten optimieren und Zustimmungen einholen, solange es noch geht. Denn bald könnte das Consent-Banner per Dekret ziemlich brutal standardisiert und vereinfacht werden. Das liegt daran, dass der Bundestag aktuell den Entwurf diskutiert für ein Gesetz zur Regelung des Datenschutzes und des Schutzes der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei Telemedien (TTDSG). Das könnte damit enden, dass komplizierte Cookie-Consent-Banner verboten werden, die den Nutzer mittels gezielter Verwirrung ins Opt-In treiben wollen. Das bedeutete dann also, frei nach Arnold Schwarzenegger: Hasta la vista, Nudging.

Denn der Bundesrat plant, im weiteren Gesetzgebungsverfahren eine Ermächtigungsgrundlage zu schaffen, "damit für Nutzerinnen und Nutzer eine einfachere und standardisierte Handhabung in Bezug auf die Ausgestaltung ihrer Einwilligung nach § 24 TTDSG-E" ermöglicht wird". Für Normalsterbliche: Vom Nutzer die aufwändige und ermüdende Zustimmung zu Dutzenden Cookies und Trackern abzufragen, würde illegitim. Denn die erscheint sowohl dem Bundesrat als auch der Mehrheit der Nutzer nahezu unzumutbar. Die Lösung, die der Bundesrat vorschlägt, ist so einfach wie für Marketeers vermutlich schockierend: Nur noch die Wahl zwischen einem "Einwilligen" und einem "Ablehnen"-Button soll zulässig sein, berichtet Delegedata  .

Wie packt man das Projekt 'Optimierter Consent-Banner' nun idealerweise auf Prozessebene an? Andre Kögler, Performance Consultant von Easy-M  , empfiehlt, einen Trilog im Betrieb anzustoßen: "Drei Parteien sollten an einem Tisch sitzen und einen Komptomiss finden: Datenschutz, Technik und Marketing. Und die sollten sich nicht nur einmal besprechen, sondern ständig: AB-Tests sollten gemacht, Wordings angepasst werden, man sollte in den Austausch mit Datenschützern gehen - im Zweifelsfall erlauben die sogar mehr, als man sich als Publisher gerade selbst gestattet.""

Webshops empfiehlt Hendrik Herms, Geschäftsführer von Löwenstark Consulting   , auf Nutzer mit Angeboten zuzugehen: "Wir brauchen Modelle, die etwas als Belohnung anbieten, wenn man den Nutzer tracken darf: Punkte, Gutscheine, Kooperationen - etwa mit Zeitungen ließen sich Bonuspunkt-Programme vereinbaren."

Je nachdem, ob die Spielregeln für Banner verschärft werden oder nicht - und je nachdem ob die Publisher/Shops aktiv handeln, bieten sich zwei Gruppen a jeweils zwei Szenarien an, wie es mit Consent-Bannern und Opt-Ins weitergeht.

Vier Szenarien für das Internet of Opt-In

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
10%
Best-Case-Szenario

Regeln für Consent-Banner bleiben

Im Grunde müssen Publisher und Shops kaum etwas tun, denn irgendwann klicken die genervten Nutzer sowieso auf "Alles erlauben" oder die Opt-In-Banner sind so gut optimiert, dass die Seitenbesucher Cookies erlauben. Im Prinzip geht es weiter wie vorher plus (mehr oder weniger) nervige Banner.

Aktiv
45%
Worst-Case-Szenario

Verschärfte Regeln für Consent-Banner

Da es weniger Spielraum für die Publisher/Shops gibt, gibt es ein Webseitensterben, vor allem Nischen und kleinere Seiten sind betroffen, die Konzerne (etwa die GAFAs) profitieren, da sie sich LockIn-Ökosysteme aufbauen und in ihnen zielgerichtete Werbung verkaufen können. Wer mithalten will, muss als kleine Seite optimierte Banner und Mehrwerte bieten.

Passiv
20%
Best-Case-Szenario

Regeln für Consent-Banner bleiben

Die Publisher und Shops handeln und stellen auf alternative Vorschläge/Geschäftsmodelle zur schnöden Erlauben/Ablehnen-Dichotomie um: Etwa 'Werbung erlauben oder bezahlen' oder ungezielte Werbung oder Lead-getriebene Geschäftsmodelle mit offener Adressgenerierung. So sind sie gegen Verschärfungen des Rechtes gefeit.

Passiv
25%
Worst-Case-Szenario

Verschärfte Regeln für Consent-Banner

Es gibt ein Webseitensterben, da die Seiten, deren Name nicht Facebook, Amazon oder Google lautet, eine rechtzeitige Optimierung ihrer Consent-Banner verpassen. So haben kleinere Seiten den verschärften, nutzerfreundlicheren Consent-Bannern, die ein Opt-Out sehr einfach machen, nichts entgegenzusetzen.

Thema: Opt-Ins sammeln, Konversionen steigern: So optimiert man Cookie-Consent-Banner

Kommentar von Sebastian Halm

Sauber hinbekommen, Marketeers!

Morgen sind wir vielleicht nicht mehr da - also besch*ßen wir die Nutzer doch heute, solange es noch geht.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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