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Schuhe im Netz: Wie sich Schuhhändler auf den Spuren von Zappos machen
31.03.2010 Ein Randmarkt mausert sich: Schuhe galten jahrelang als ein eher ungeeignetes Produkt für den Online-Handel. Seitdem E-Commerce-Schwergewicht Amazon allerdings den bereits 1999 gestarteten Schuh-Shop Zappos für über eine Milliarde US-Dollar geschluckt hat, interessieren sich plötzlich alle für die Themen Internet und Schuhe. Zurecht.
In Deutschland geht der Kampf um die Online-Schuhkäufer gerade erst richtig los: Um den lukrativen Kuchen balgen sich bereits etablierte Offline-Marken wie
- Görtz mit über 220 Filialen in Deutschland, Österreich und Polen,
- Leiser mit 70 Filialen in Deutschland und
- Deichmann mit über 1.000 Schuhgeschäften.
Tengelmann unterstützt Zalando
Mit Feuereifer bearbeitet zudem Zalando den Online-Schuhmarkt. Das Start-up, welches massiv im Fernsehen und Internet wirbt, wurde von Robert Gentz und David Schneider ins Leben gerufen. Finanziell angeschoben wurde Zalando von Rocket Internet , dem Inkubator der Samwerbrüder Alexander, Marc und Oliver sowie Holtzbrinck Ventures . Anfang dieses Jahres stieg zudem der Handelskonzern Tengelmann bei Zalando ein. Einen stattlichen zweistelligen Millionenbetrag soll sich Tengelmann den Einstieg haben kosten lassen.
Kurz nach dem Einstieg vermuteten Experten, dass der Handelskonzern Tengelmann (Kaiser's, Kik, Obi) künftig verstärkt ins Internetgeschäft investieren will. Dafür spricht, dass im Januar eigens eine brachliegende Beteiligungsgesellschaft namens Maja zu Tengelmann E-Commerce umfirmiert wurde und sich fortan um Beteiligungen insbesondere aus der Internet-Branche kümmern soll. Inzwischen ist Tengelmann beim geschlossenen Shopping-Club Brands4friends eingestiegen und legte für einen knapp zehnprozentigen Anteil imposante 10 Millionen Euro auf den Tisch.
Dank der enormen werblichen Investitionen in die Marke Zalando dominiert der 2008 gestartete Schuh-Shop momentan das Feld - ein Blick auf Google Trends zeigt dies deutlich. Das Google-Research-Tool Ad Planner zählte bei Zalando im Februar imposante eine Million Unique User. Zum Vergleich: Bei Görtz sind es gerade einmal 320.000 Unique User. Der Marktforscher Nielsen wiederum zählte im Februar stattliche 1,5 Millionen Unique User bei Zalando. Nach so kurzer Zeit im Markt, beachtliche Zahlen. Bei dem enormen Werbedruck aber sicherlich kein Wunder. Den Titel "schnellstwachsender Online-Shop Europas" darf Zalando ohne Zweifel führen. Andere Erfolgszahlen fehlen zu Zalando, denn über die Zahl der Bestellungen sagt die Zahl der Besucher leider nichts aus.
Einige Branchenteilnehmer bezweifeln zudem den dauerhaften Erfolg des E-Commerce-Anbieters. Besonders im Hinblick auf den zu erwartenden hohen Konkurrenzkampf mit etablierten Händlern, die teilweise jahrelange Geschäftsbeziehungen zu den Schuhproduzenten unterhalten. In einem Jahr dürfte sich zeigen, ob die hohen Marketingausgaben dauerhaft zu zahlenden Kunden geführt haben.
Für Johannes Altmann von Shoplupe hat Zalando bisher sehr viel gut gemacht: "Hier wurde einfach konsequent umgesetzt, was ein Shopbetreiber ohnehin schon wissen müsste. Natürlich ist ein Neustart zumindest technisch einfacher, als das vorhandene System umzubiegen - aber am Ende zählt nun einmal nur der Erfolg". Und während sich andere nur um Schuhe kümmern, expandiert Zalando längst in andere Bereiche und bietet auch Bekleidung und günstige Outlet-Waren an.
Brandneu ist die ZalandoLounge , ein geschlossener Shoppingclub im Stil von brands4friends. Angekündigt werden "exklusive Marken aus Fashion und Lifestyle - bis zu 80 Prozent reduziert". Spannend ist die Erweiterung des Sortiments auch, weil sich die beteiligten Investoren damit selbst Konkurrenz machen. Zum Samwer-Stall gehören schließlich auch Angebote wie 7Trends und Mybrands .
Mit Mirapodo droht Zalando und den diversen anderen Schuh-Shops nun gehörige Konkurrenz. Der Handelsriese Otto will den Markt mit seinem neuesten Baby aufrollen. Das Berliner Team um Geschäftsführerin Stephanie Caspar besteht aus rund 30 Mitarbeitern. Mit über 150 Marken und einem Sortiment von mehr als 5.000 unterschiedlichen Schuhen zählt sich der Nachzügler schon zum Start zu den größten Online-Schuhshops Deutschlands.
Anfang Februar dürften etliche Beta-Tester Mirapodo auf Herz und Nieren prüfen. Dank eines Gutscheins in Höhe von 25 Euro hagelte es schon vor dem offiziellen Startschuss tausende Bestellungen - von über 7.500 in einer Woche ist die Rede. In der vergangenen Woche folgte die offizielle Mirapodo-Launchparty. Die Kosten für die glamouröse Feier mit reichlich Stars und Sternchen dürften bei anderen Start-ups reichen, um den Laden ein Jahr zu finanzieren. Otto hat dem Mirapodo-Team reichlich Geld in die Hand gedrückt - von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag ist in der Branche die Rede.
Shoepassion setzt auf eine eigene Schuhmarke
Ein Branchenkenner glaubt, dass Otto gute Chancen hat, sich im Markt durchzusetzen und verweist unter anderem auf die "langjährigen Partnerschaften mit Lieferanten". Auch wenn andere Branchenteilnehmer versucht hätten, sich mit langfristigen und exklusiven Deals gegenüber Otto zu behaupten. Am Ende des Tages müsste man die georderten Schuhe halt auch verkaufen.
Potenzial im Schuhsegment sieht der E-Commerce-Experte ohnehin. Zwar zählen Bücher, Eintrittkarten und CDs weiter zu den beliebtesten Produkten im Netz. Nach einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF ) haben aber immerhin 18,6 Prozent der deutschen Onliner im dritten Quartal des vergangenen Jahres Schuhe über das Internet gekauft. Bei den 14- bis 19-Jährigen sind es sogar schon 26,3 Prozent.
Die meisten davon sind Frauen. Männlichen Schuhkäufer hingegen wollen Henry Bökemeier und Tim Keding mit Shoepassion bedienen. "Wir konzentrieren uns einzig und alleine auf die vernachlässigte Nische der hochwertigeren Herrenschuhe",erklärt Gründer Keding. Zudem setzen die Berliner auf eine eigene Schuhmarke, in diesem Fall rahmengenähte und von Hand gefertigten Volllederschuhe. "Die letzten Wochen der Softlaunch-Phase bestätigen uns, dass der Markt auf jeden Fall da ist", berichtet Keding. Der Vertrieb einer Eigenmarke bietet einen entscheidenen Vorteil: Das Angebot ist unverwechselbar und die Marge ist deutlich besser als bei anderen Schuhen. Vielleicht wäre dies auch ein Konzept für die anderen Schuh-Shops. Ein Millionengeschäft ist dies aber sicherlich nicht.
iBusiness-Autor Alexander Hüsing ist Herausgeber von Deutsche-Startups.de .
