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Dienstleistungs-Baukasten: Neues Modell Franchise-Agentur?

26.11.2009 Die Wiener Online-Agentur Itellico bietet ihren Kunden standardisierte Pakete für ihre Online-Auftritte. Seit kurzem ist sie nun auch in Deutschland aktiv. Sind Franchising und Baukasten-Agenturen neue Modelle für eine preissensibler gewordene Branche?

 (Bild: SXC.hu/Scott Snyder)
Bild: SXC.hu/Scott Snyder
 (Bild: SXC.hu/Scott Snyder)
Bild: SXC.hu/Scott Snyder
Simon Krebs ist seit Jahresbeginn in Deutschland Franchise-Partner der österreichischen Online-Agentur Itellico  . Seine Idee: mit standardisierten Websites in die Selbstständigkeit gehen. Bei der Recherche, wie er sein Vorhaben umsetzen könne, stieß der IT-begeisterte Münchener auf die Wiener Agentur. Gemeinsam mit Itellico arbeitete er einen Franchise-Vertrag aus. Aus eigener Kraft hätte der Jungunternehmer seine Vision von der eigenen Agentur nur schwer umsetzen können, erzählt er. Für die Agentur Itellico war das Münchner Franchise-Modell ein Pilotprojekt. Offensichtlich ein erfolgreiches, denn seit ein paar Monaten ist der zweite Franchise-Partner der Agentur am werkeln: Itellico Salzburg  .

Simon Krebs hat sich mit zwei Mitarbeitern in einem Büro eingemietet und betreut mit seinen Dienstleistungen mittelständische Unternehmen und Werbeagenturen. "Werbeagenturen liefern den Kunden die konzeptionelle Umsetzung, wir verantworten die technische Umsetzung", erklärt Krebs. "Dazu nutzen wir die Programmierer in Wien und freie Mitarbeiter". Damit spricht Krebs direkt die Vorteile an, die sich für ihn als Franchise-Unternehmer ergeben: "Wir sind absolut auslastungsunabhängig, auch wenn mal eine Flaute ist", freut sich Krebs. "Zudem sparen wir Personalkosten, da wir auf das Wiener Personal zugreifen". Fixkosten fallen dem Münchener ebenfalls nicht an, denn auch die technische Infrastruktur wird von der österreichischen Multimedia-Agentur genutzt. Ein gemeinsamer Nutzen für Kunden und den Jungunternehmen ist ganz klar, unter dem Namen einer gutgeführten und bekannten Marke zu agieren. "Dadurch können wir qualitativ ein viel höheres Level bieten und nutzen, als eine Agentur die gerade erst gestartet ist", argumentiert Krebs.

Gestartet ist Krebs mit Itellico München "holprig". Die Wirtschaftskrise habe sich deutlich bemerkbar gemacht. So seien viele potenzielle Kunden, die bereits Projekte mündlich zugesagt haben, wieder abgesprungen. Aber mittlerweile habe sich das Blatt zum Guten gewendet. "Der Markt ist da und die Nachfrage auch", freut sich Krebs. Verdienen tut Krebs an den Projekten selber. Er stellt die eigene Arbeit am Projekt sowie seine Beratungstätigkeiten in Rechnung. Konkurrenz am Markt kann Krebs derzeit nicht identifizieren. Obwohl er überzeugt ist, dass die Nachfrage nach diesem Modell steigen wird. "Allerdings ist das Konzept nicht bis zum Get-no aufblasbar. Es hat Potenzial, aber nur für eine kleine Gruppe", erklärt er.

Auch was Itellico selber als Dienstleistung anbietet, ist interessant. Die Agentur baut branchenspezifische Online-Auftritte für ihre Kunden auf. Der Kunde erhält ein auf die Branche angepasstes Komplettpaket, das individuell feingeschliffen wird, das er dann anschließend selber administrieren kann.


Der Itellico Franchise-Nehmer wird mit einem Marketing-Package ausgestattet, das Firmenfolder, Presseunterlagen, Produktblätter wie Online Solutions, CRM, Webshop, Websites und die einzelnen Branchen-Websites, Suchmaschinenmarketing, Webportale, Case Studies und die Itellico- Qualitätsgarantie beinhaltet. Dafür wird eine Startergebühr von 25.000 Euro fällig. Itellico übernimmt die Bewerbung des Marktes durch Google-Marketing, denn jeder dritte Kunde wird bereits via Internet akquiriert. Die über Google gewonnenen Kunden werden dann den jeweiligen Franchise-Nehmern der verschiedenen Zielgebiete zugeordnet. Für das laufende Business und die Zusammenarbeit zwischen dem Franchise-Geber und den Franchise-Nehmern hat Itellico ein eigenes CRM entwickelt, das beiden Parteien einen ständigen Überblick über Eckdaten wie Kunden, Umsatz oder Projekte liefert sowie zur Verkaufsdokumentation dient. Die Arbeit mit dem Itellico-CRM-System ist für die Franchise- Nehmer allerdings verpflichtend.

Klingt fast zu schön um wahr zu sein. Aber hier mahnt Krebs potenzielle Franchise-Nehmer eindringlich, sich genau zu informieren. Sucht man nach Franchising, dann findet man im Internet nicht viel, was einem zweiten Blick stand hält, und auf Herz und Nieren geprüft werden sollte. Krebs selbst sei auf reichlich dubiose Angebote von konkurrierenden Franchise-Angeboten gestoßen.

Auch die Internet-Agentur City-Map setzt auf das Franchise-Konzept. Als City-Map Franchise-Partner bieten die Selbstständigen von der Homepage bis zum Suchmaschinenmarketing alle Leistungen einer klassischen Internetagentur an. Hier beträgt der Einstiegspreis für das Franchise-Konzept 3.400 Euro netto. "Wir wollen nicht nur anfänglich verdienen, sondern nachhaltig. Umso erfolgreicher unsere Lizenznehmer sind, umso erfolgreicher ist unsere Marke", erklärt die Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Dieses Prinzip geht bei City-Map auf. Derzeit zählt das Unternehmen rund 85 Franchise-Nehmer. Den Umsatz des vergangenen Jahres beziffert die Agentur auf 2,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die Nachfrage ist hoch. So sind allein in diesem Jahr 17 neue Franchise-Nehmer dem Netzwerk beigetreten. Zudem wird die Agentur im kommenden Jahr ihre Dienstleistungen auch in Österreich anbieten. Slowenien und Holland sind ebenfalls in Planung.

Um einen seriösen Franchise-Geber zu finden, rät City-Map unbedingt auf eine Zertfifizierung durch den Deutschen Franchise-Verband zu achten. "Transparenz ist das A und O - und zwar vor dem Vertragsabschluss". Das heißt, der potenzielle Franchise-Nehmer muss darauf achten, dass er alle Informationen erhält. Auch sollte im Vorfeld eine kostenlose Informationsveranstaltung stattfinden. Außerdem ist es wichtig, dass Interessierte darauf achten, wie lange das Franchise-Unternehmen bereits am Markt ist und wie sich das Wachstum entwickelt.

Ein ganz ähnliches Konzept fährt die Agentur p1 media  , die sich selber Full-Service-Discount-Werbeagentur nennt. Anders als jedoch bei Krebs steht hier vor allem der Preisfaktor der Leistungen im Vordergrund. Dank dem Franchise-Prinzip kann der 'Agenturen-Verbund' Produkte zu extrem niedrigen Preisen anbieten. Auf der Firmen-Website titelt die Agentur "Bei unseren Website-Produkten sind wir Spitzenreiter mit den meist verkauften Webseiten, die unter 199 Euro liegen, in ganz Deutschland."
Als Franchise-Nehmer bei p1 media Discount-Werbeagenturen wird eine Franchisegebühr in Höhe von 35.000 Euro erhoben. Zusätzlich wird ein Eigenkapital von 10.000 Euro empfohlen. Dafür bekommt der Franchise-Nehmer einen voll ausgestatteten p1 media Discount-Werbeagentur-Shop schlüsselfertig überreicht. Dieses Franchise-Format kann jeder bekommen der ein paar Vorkenntnisse auf dem Gebiet Werbung hat. Zusätzlich gibt es eine Schulung, die etwa zwei Wochen dauert. Nach den Schulungen der Franchise-Nehmer übernehmen diese mit ein bis drei Mitarbeitern aus der p1 media Systemzentrale den neuen Shop. Diese Mitarbeiter sollen den Franchise-Nehmer in den ersten Wochen unterstützen. Zusammen mit der Systemzentrale wird entschieden, ob für den neuen Shop Personalbedarf besteht oder nicht. Je nach Arbeitsbedarf wird dann ein geschulter Mitarbeiter aus der p1 media Gruppe geschickt. Die Prozedur des Bewerbungsmanagements, den die Systemzentrale übernimmt, entfällt also.

In den Vorwochen vor der Eröffnung startet die p1 media Systemzentrale ein umfangreiches Werbepaket. Der Franchise-Nehmer bezahlt nur den eigenen Werbekostenbeitrag von fünf Prozent des Nettoumsatzes.

Vor- und Nachteile für Franchise-Nehmer

VorteileNachteile
rechtliche Selbstständigkeitan Richtlinien gebunden, eingeschränkte Entscheidungsfreiheit
erprobtes Konzept wird übernommenvereinbarte Leistungen entsprechen nicht immer den tatsächlichen Leistungen des Franchise-Gebers
Unterstützung in GründungsphaseImageproblem des Franchise-Gebers kann auf Franchise-Nehmer abfärben
Marketing, Werbung, Infrastruktur wird vom Franchise-Geber bereitgestelltEinschränkungen beim Verkauf eines Franchise-Betriebes/ Vertragskündigungen nicht problemlos
Betriebswirtschaftliche VorteileFehlentscheidungen des Gebers wirken sich auf Franchise-Nehmer aus
Einführungs- und Schulungsprogramme Eintritts- und laufende Franchise-Gebühren
überregionale PräsenzKonkurs trotzdem möglich
Knowhow und Erfahrung des Franchise-Gebers zu Nutze machen
Wahrscheinlichkeit, dass Investitionen ins Leere laufen, ist gering
Thema: Dienstleistungs-Baukasten: Neues Modell Franchise-Agentur?

Kommentar von Susan Rönisch

Geschäftsidee Franchise: Das richtige System finden

Wer mit dem Gedanken spielt, sich als Lizenznehmer an einem Franchise-System zu beteiligen, profitiert durchaus von sehr vielen Vorteilen gegenüber einer richtigen Selbstständigkeit. Wenige System-Nachteile sprechen gegen das Konzept.

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 (Hightext)
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