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Zur Studie "Digitalagenturen im Umbruch"
Händler wollen Souveränität und Resilienz - doch die IT-Landschaften machen nicht mit
22.06.2026 Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit wenig flexiblen Systemarchitekturen.
Gleichzeitig planen viele Händler höhere Investitionen in ihre IT-Landschaften. Sieben von zehn Befragten (70 Prozent) wollen ihre Ausgaben für IT-Systeme im Jahr 2027 gegenüber 2026 erhöhen. Als wichtigste Faktoren für digitale Souveränität nennen die Unternehmen die Kontrolle über eigene Daten (58 Prozent), technologische Eigenständigkeit (44 Prozent), die Einhaltung europäischer Regularien wie DSGVO und EU Data Act (38 Prozent) sowie die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern (33 Prozent).
"Die Entwicklung ist eindeutig: Digitale Souveränität und Resilienz rücken im B2B zunehmend in den strategischen Fokus. Viele Unternehmen haben erkannt, wie wichtig die Kontrolle über Daten und Systeme für ihre Zukunftsfähigkeit ist. Ein ausgeprägtes Bewusstsein allein reicht allerdings nicht aus. Entscheidend wird sein, digitale Strukturen konsequent zu gestalten und bestehende Abhängigkeiten aktiv zu reduzieren - genau hier liegt für viele Unternehmen derzeit die größte Herausforderung", sagt Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH KÖLN und Gründer des ECC KÖLN.
Alte IT-Strukturen bremsen Händler aus
Der Weg zu mehr digitaler Souveränität wird nach Einschätzung vieler Unternehmen durch gewachsene IT-Landschaften erschwert. Als größte Hürden gelten hohe Wartungs- und Betriebskosten für die eigene Infrastruktur (39 Prozent), fehlende personelle Ressourcen in den IT-Abteilungen (38 Prozent), eingeschränkter mobiler Zugriff auf Systeme und Daten (34 Prozent) sowie veraltete Software und unregelmäßige Updates (33 Prozent).Auch im Tagesgeschäft zeigen sich Herausforderungen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen bewertet den Aufwand für IT-Sicherheit als hoch (53 Prozent). Knapp die Hälfte nennt die technische Integration neuer Systeme und Partner (49 Prozent) als Belastung, während 43 Prozent die Entwicklung neuer Funktionen als aufwendig einstufen.
Gerade für Händler relevant: Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit wenig flexiblen Systemarchitekturen. Bei 51 Prozent erfolgt die Anbindung zentraler Systeme wie ERP oder CRM über starre Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Weitere 14 Prozent nutzen isolierte Silolösungen ohne Datenaustausch. Lediglich 35 Prozent setzen auf ein API-Management, das eine flexiblere Integration von Shop-, ERP-, CRM- und weiteren Geschäftssystemen ermöglicht.
"Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre IT-Landschaften schrittweise erweitert - oft ohne sie grundlegend neu zu strukturieren. Das führt dazu, dass Daten zwar vorhanden sind, aber nicht durchgängig nutzbar oder kontrollierbar sind. Genau hier wird digitale Resilienz greifbar: Nur wenn Datenflüsse transparent sind und Systeme sauber zusammenspielen, können Unternehmen im Störfall schnell reagieren und handlungsfähig bleiben. Der entscheidende Schritt ist deshalb, bestehende Komplexität zu reduzieren und die eigene IT gezielt auf Flexibilität und Stabilität auszurichten", erklärt Joubin Rahimi, Geschäftsführer von synaigy .
Trotz Risiken setzen viele auf internationale Anbieter
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (56 Prozent) ist überzeugt, sich digital besser aufstellen zu müssen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig zeigt die Studie die hohe Abhängigkeit von funktionierenden IT-Systemen: 51 Prozent geben an, dass ein Totalausfall ihrer Systeme unmittelbar zum Stillstand des Kerngeschäfts führen würde.
Trotz dieser Risiken dominieren pragmatische Entscheidungen bei Software und Infrastruktur. Die Mehrheit der Unternehmen (61 Prozent) nutzt eine Mischung aus europäischen und außereuropäischen Softwarelösungen. Bei der Datenspeicherung setzen 37 Prozent auf Rechenzentren in Deutschland, 22 Prozent auf Standorte innerhalb der Europäischen Union. 16 Prozent nutzen US-Anbieter mit EU-Regionen, weitere zwölf Prozent kombinieren verschiedene Modelle.
Dabei sehen die Befragten durchaus Risiken in der Nutzung nicht-europäischer Anbieter. Als größte Gefahren gelten geopolitische Risiken (47 Prozent), rechtliche Unsicherheiten (40 Prozent) sowie der mögliche Verlust der Kontrolle über Produktdaten und Kundeninformationen (36 Prozent).
