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Amazons Strategieshift: Künftig auch Shipping für Dritte
23.08.2023 Schwieriges Handelsumfeld und drohende Ermittlungen durch die US-Wettbewerbsbehörde: Amazon belebt seinen Logistik-Dienst 'Amazon Shipping' neu und will seine Logistik-Dienstleistungen wohl auch Onlineshops außerhalb des Amazon-Marktplatzes anbieten. Damit will man gegen UPS, DHL und Fedex ins Feld ziehen. Mit guten Erfolgsaussichten.
"Versenden Sie Ihre Amazon-Bestellungen sowie die Bestellungen von Ihrer eigenen Website und anderen Vertriebskanälen. Zuverlässige Lieferung in zwei bis fünf Werktagen - auch am Wochenende" bewirbt Amazon den Service auf der Landingpagehttps://shipping.amazon.com/ .
Laut Medienberichten haben bereits eine Reihe von nicht auf Amazon aktiven Onlineshops eine Einladung von Amazon erhalten, den Service zu nutzen. Wer Interesse habe, könne sich auf der Amazon-Shipping-Website registrieren. Der Dienst soll zunächst in den USA zur Verfügung stehen und später in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien eingeführt werden.
Dass Amazon gerade prinzipiell an seinem Logistikprogramm schraubt, zeigt auch eine andere Meldung: Anbieter, die das Seller Fulfilled Prime?-Programm (Prime durch Verkäufer - SFP) nutzen, sollen künftig eine Gebühr in Höhe von zwei Prozent für jeden Verkauf zahlen. Eine entsprechende E-Mail haben laut Medienberichten Amazon-Handelstreibende in den USA erhalten. Im Rahmen dieses Programms übernehmen diese die Lagerung und den Versand ihrer Produkte selbst, die unter dem Prime-Logo verkauft werden - statt es Amazon zu überlassen. Gelten soll die Kostenerhöhung ab dem 1. Oktober 2023. Ob die Änderung auf die USA beschränkt bleibt, ist zur Zeit noch unklar.
Servicegebühr statt Handelsmarge
Amazon ist seit vielen Jahren janusköpfig aufgestellt: Als Herstellunhgsbetrieb und Onlineshop einerseits und als Dienstleister für Onlineshops andererseits.Amazon wird seit Jahren vorgeworfen, es verwende die Verkaufsdaten, die der Marktplatz Amazon und der Shop-Dienstleister Amazon von den Marktplatzhändlern sammelt, um dem Onlineshop Amazon und dem Hersteller Amazon unfaire Vorteile zu verschaffen. Letzteren wird es dann beispielsweise leichter gemacht zu entscheiden, welche Produkte sie verkaufen wollen, um sie dann in der Platzierung auf der Amazon Plattform zu bevorzugen. Deswegen ermittelt seit einigen Monaten unter anderem die US-Wettbewerbsbehörden.
Amazon scheint seinen Konzern zu sortieren und so aufzustellen, dass auch im Worst Case nicht so viel zu passieren: Um bei den Eigenmarken den Kopf einzuziehen hatte Amazon vor wenigen Tagen erst angekündigt 27 seiner 30 Modemarken einzustellen. Die aktuellen Tests und Anpassungen beim Logistikgeschäft scheinen darauf hinzudeuten, dass der Konzern stärker als bisher sich auf den Bereich "Services für Handelsunternehmen" fokussieren will. Sollte gar eine Zerschlagung des Konzerns anstehen, der in den USA inzwischen im politischen Raum diskutiert wird, hätte der neue Logistik-Teil von Anfang an eine bessere Ausgangsposition, wenn er seinen Kundenstamm über den Marktplatz hinaus erweitert.
Als Logistikdienstleister ist Amazon schon jetzt gut aufgestellt: In unserem KEP-Ranking sichert sich zwar mit einem Indexwert von 1,79 DHL den ersten Platz für das Jahr 2023. Knapp dahinter hatte sich das ECommerce-Dickschiff Amazon allerdings als zweitbester deutscher Paketdienstleister für die Silbermedaille qualifiziert. Die repräsentativen bundesweiten Erhebung hatte das Hamburger Marktforschungsinstitut Splendid Research im Januar 2023 exklusiv für iBusiness durchgeführt.
