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Digitalagenturen: Der nächste Aufschwung wird anders aussehen
22.06.2026 Die Stimmung unter den Digitaldienstleistern verbessert sich. Beratung, Social Media und E-Commerce senden wieder positive Signale. Wer daraus jedoch eine Rückkehr zu den Marktbedingungen der Vorjahre ableitet, dürfte die Entwicklung falsch einschätzen. Die aktuelle Erholung folgt anderen Regeln als frühere Aufschwungphasen.
Trotzdem wäre es ein Fehler, die aktuellen Zahlen als Beginn eines klassischen Aufschwungs zu interpretieren.
Denn die Nachfrage kehrt nicht flächendeckend zurück. Sie konzentriert sich auf wenige Bereiche. Besonders deutlich wird das bei der Transformationsberatung. Unternehmen investieren dort, wo Digitalisierung unmittelbar mit Effizienz, Kostenkontrolle oder strategischer Neuausrichtung verbunden ist. Dagegen bleiben viele operative Großprojekte, die über Jahre das Geschäft zahlreicher Agenturen getragen haben, weiterhin unter Druck.
Das erklärt auch, warum die Unterschiede zwischen den einzelnen Geschäftsfeldern größer werden. Während Beratung zu den klaren Gewinnern zählt und E-Commerce erstmals seit längerer Zeit wieder positive Signale sendet, kämpfen Mobile-Projekte, E-Learning oder Digital Signage weiter mit strukturellen Problemen. Die Erholung der Branche verläuft selektiv.
Gerade deshalb sollten Agenturen die aktuellen Zahlen nicht als Entwarnung verstehen. Wer darauf wartet, dass Budgets, Projektgrößen und Investitionsentscheidungen automatisch auf das Niveau der Jahre vor 2022 zurückkehren, könnte lange warten. Viele Auftraggeber haben ihre Prioritäten verändert. Investitionen werden heute stärker begründet, stärker kontrolliert und häufiger an konkrete wirtschaftliche Ziele geknüpft.
Für Digitaldienstleister bedeutet das vor allem eines: Die Qualität der Positionierung wird wichtiger. Unternehmen suchen weniger nach reiner Umsetzungskapazität, sondern nach Partnern, die Orientierung geben, Komplexität reduzieren und digitale Vorhaben mit nachvollziehbarem Nutzen verbinden können.
Die aktuelle Stabilisierung ist deshalb keine Rückkehr zum alten Markt. Sie markiert vielmehr den Übergang in einen Markt, in dem Beratung, Transformation und wirtschaftlicher Nutzen stärker über den Erfolg entscheiden als die bloße Größe eines Projekts.
Die Talsohle mag durchschritten sein. Doch die Branche wird nach dieser Krise nicht mehr dieselbe sein wie davor.
