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Kaufverhalten: Fast die Hälfte meidet den Stationärhandel

10.06.2020 Abgesehen davon, dass die deutschen Konsumenten eher gezielt in die Geschäfte gegangen sind als aus Freude am Shoppen, haben ganze 43 Prozent der Befragten seit Öffnung der vom Shutdown betroffenen Geschäfte noch gar nicht wieder dort eingekauft.

 (Bild: ThomasWolter / pixaby.com)
Bild: ThomasWolter / pixaby.com
Die Menschen fiebern zwar der coronafreien Zeit entgegen, sind aber doch eher skeptisch, wenn es um einen raschen Abbau der Schutzmaßnahmen geht. Nur knapp 16 Prozent gehen die Lockerungsmaßnahmen zu langsam - alle anderen finden es genau richtig oder aber eher zu schnell. Auch Wochen nach dem Ende des Shutdowns kommt damit bei den repräsentativ Befragten noch immer keine Shopping-Stimmung auf. Das ergibt sich aus den aktuellen Daten des fortlaufenden Corona-Handelstrackers von EY-Parthenon zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser und Innofact zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser Dienstleister-Dossier einsehen .

Über 60 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Einkaufen unter den aktuellen Bedingungen keinen Spaß macht. In allererster Linie stört dabei weiterhin die Maskenpflicht, gefolgt vom Verhalten anderer Kunden sowie Einlassbeschränkungen und Wartezeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass über 30 Prozent angeben, ihre Ausgaben auf das Nötigste zu reduzieren.

Seit Beginn der fortlaufenden Studie fühlen sich zudem rund ein Drittel finanziell von der Krise betroffen. Gerade diesen Gruppen möchte auch aktuell die Bunderegierung mit dem beschlossenen Konjunkturpaket unter die Arme greifen. Insbesondere die Mehrwertsteuersenkung könnte hier möglicherweise den Konsum stützen oder sogar stimulieren. Die Lust am Shoppen kann diese Maßnahme allerdings auch nicht steigern. Hier muss der Handel tiefer in die Trickkiste greifen.

Gibt es Veränderungspotenzial für den Handel?

Und der Einzelhandel hat durchaus Optionen: Gefragt, was sich ändern müsste, damit die Kunden wieder ins Geschäft kommen, wünschen sich über 30 Prozent die Möglichkeit Produkte online vorzubestellen, um diese dann nur noch abholen und bezahlen zu müssen. Einen Lieferservice würden knapp 30 Prozent nutzen. Dass das realistische Szenarien sind, zeigte insbesondere der Shutdown: Geschäfte, die von der Schließung betroffen waren und auf Lieferservice umstellten, wurden durchaus im lokalen Umfeld von den Kunden in Anspruch genommen. Über die Krise hinweg haben auch in der Studie über 61 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, den lokalen Handel zu unterstützen.

Aber der Handel muss die Krise als Ausgangspunkt für weitere Aktionen nutzen: Denn es gibt offensichtlich einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, der noch nicht ausgereizt ist: Zum Beispiel würde es für knapp 14 Prozent den Einkauf vor Ort wieder interessant machen, wenn man vorab einen Termin mit einem Kundenberater vereinbaren könnte, der den Kunden dann im Geschäft berät. Auch die Möglichkeit sich über die Website des Händlers über Eigenschaften von Produkten und deren Verfügbarkeit zu informieren, würden Konsumenten zu über einem Viertel nutzen und nicht zuletzt Videorezensionen könnten ebenfalls gut ankommen.

Möglicherweise ist die Krise damit nicht zwingend nur ein Katalysator für die Digitalisierung, sondern auch für die viel gerühmte Beratungskompetenz des Handels. Es würde sich nach den vorliegenden Studienergebnissen auf jeden Fall lohnen, die Chancen für arrondierende Services zu prüfen.

Die Unternehmensberatung EY-Parthenon und das Marktforschungsinstitut Innofact untersuchen die derzeitigen Auswirkungen der "Corona Krise" auf die langfristige Veränderung des Kaufverhaltens in einer fortlaufenden Studie. Seit zehn Wochen misst der Handelstracker jede Woche das zurückliegende, aktuelle und zukünftige Einkaufsverhalten für mehrere Warengruppen.

(Autor: Dominik Grollmann )

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