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Projektgeschäft: Wie Agentic AI die Regeln verändert
06.05.2026 Agentic AI bedroht das Projektgeschäft: Warum klassische Plattform-Migration für deutsche Agenturen an Bedeutung verliert.
FAQ: AI und die Zukunft von Agenturen
Warum sind Migrationen besonders gefährdet?
Weil sie stark standardisiert und regelbasiert sind - und damit ideal für Automatisierung durch AI-Agenten geeignet.Verschwindet das Geschäft komplett?
Nein. Es verschiebt sich von technischer Umsetzung hin zu strategischer Beratung und Orchestrierung.Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor?
Die Fähigkeit, AI, Daten und Plattformstrategie integriert zu denken und umzusetzen.Doch genau dieses Modell gerät jetzt unter Druck. Mit dem Aufkommen von "agentischen" KI-Systemen übernehmen Software-Agenten zunehmend Aufgaben, die bislang von Beratern und Entwicklern erledigt wurden - von der Integration bis zur Prozessautomatisierung.
Dabei trifft der Wandel auf einen großen und fragmentierten Markt: Allein für Deutschland zählt der Anbieter Listflix rund 16.000 Digitalagenturen, viele davon kleine und mittelständische Anbieter. Parallel dazu agieren große IT-Dienstleister mit Milliardenumsätzen im selben Marktumfeld.
Der hohe Bedarf an diesen Dienstleistungen speist sich aus drei Faktoren:
- Digitalisierungsdruck, dem viele Unternehmen unterliegen,
- geringes eigenes IT-Know-how vieler Unternehmen,
- den nach wie vor vorwiegend fragmentierten Systemlandschaften.
Zusammen ergeben diese Faktoren so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken: Die meisten Unternehmen müssen mangels eigener Kompetenz einen Dienstleister beauftragen, Digitalisierungsdruck und Altlasten aus den vielen Legacy-Systemen sorgen dafür, dass es immer etwas zu tun gibt. Fairerweise muss man zugeben, dass sich diese Praxis meist für beide Seiten lohnt. Denn zumindest ein erfolgreiches Migrationsprojekt führt in der Regel zu effizienteren Prozessen und Kosteneinsparungen.
Durch das Aufkommen von AI hat sich daran zunächst wenig geändert. Im Gegenteil: AI verspricht extrem hohe Effizienzgewinne. Und AI benötigt eine sauber konsolidierte Datenbasis. Unternehmen, die ihre AI-, Plattform- und Geschäftsstrategie konsequent verzahnen, wachsen deutlich schneller und steigern ihre Profitabilität signifikant. Ideale Voraussetzungen für die nächsten Migrationsprojekte. Nur: Mit Agentic AI entstehen gerade Plattformen, die diese Arbeit selbst erledigen können.
Das Ende des "sicheren" Projektgeschäfts
Für viele deutsche Agenturen ist das brisant. Denn ein erheblicher Teil des Umsatzes basiert auf standardisierten Leistungen rund um Plattformmigration: Datenmigration, Systemintegration, Customizing, Testing. Genau diese Tätigkeiten sind stark regelbasiert - und damit besonders anfällig für Automatisierung.Die Accenture-Studie "The new rules of platform strategy in the age of agentic AI " beschreibt einen grundlegenden Wandel: Plattformen entwickeln sich von stabilen, regelgetriebenen Systemen hin zu dynamischen, AI-gestützten Umgebungen, die Entscheidungen treffen und Prozesse selbst steuern können. Damit verändert sich auch die Art der Projekte. Statt klar abgegrenzter Migrationen entstehen kontinuierliche Transformationsprozesse.
Neue Rollen, neue Geschäftsmodelle
Parallel treiben Plattformanbieter wie SAP , Salesforce oder ServiceNow die Integration von AI-Agenten massiv voran. Die Systeme werden so aufgebaut, dass sie eigenständig Prozesse orchestrieren und über mehrere Anwendungen hinweg agieren können.Damit entsteht ein neues Zusammenspiel:
- Plattformen übernehmen strukturierte Aufgaben.
- AI-Agenten steuern dynamische Prozesse.
- Menschen konzentrieren sich auf Kontrolle und Strategie.
Für Agenturen verschiebt sich damit die Nachfrage deutlich. Gefragt sind weniger klassische Implementierungsleistungen, sondern:
- Architektur- und Integrationsberatung
- Daten- und AI-Strategie
- Orchestrierung komplexer Plattformlandschaften
- Change Management
Accenture spricht in diesem Zusammenhang von einer notwendigen "Reinvention" der Plattformstrategie: Systeme sollen nicht ersetzt, sondern so weiterentwickelt werden, dass sie kontinuierlich lernen und sich anpassen.
Wie Agenturen reagieren können
Für Agenturen stellt sich damit nicht die Frage, ob sich ihr Geschäft verändert, sondern wie schnell sie darauf reagieren. Die Studie legt nahe, dass der entscheidende Erfolgsfaktor künftig nicht mehr die technische Umsetzung ist, sondern die Fähigkeit, AI, Plattformen und Geschäftsprozesse integriert zu denken.Konkret bedeutet das:
- Aufbau von Architekturkompetenz: Statt einzelne Systeme zu implementieren, müssen Agenturen in der Lage sein, komplexe Plattform- und AI-Landschaften zu entwerfen.
- Fokus auf Daten und Integration: AI funktioniert nur mit sauberen, zugänglichen Daten. Datenstrategien werden zum zentralen Beratungsfeld.
- Entwicklung von AI-nativen Services: Dazu gehören etwa die Konzeption von Agent-Workflows oder die Integration von AI in bestehende Geschäftsprozesse.
- Begleitung organisatorischer Transformation: Da sich Rollen und Prozesse verändern, steigt der Bedarf an Change Management und Schulung.
Gerade hier entstehen neue Chancen. Während standardisierte Migrationen unter Preisdruck geraten, wächst die Nachfrage nach Leistungen, die schwer automatisierbar sind - etwa strategische Beratung, Governance oder die Gestaltung von AI-getriebenen Operating Models.
