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iBusiness Executive Briefing

2025: Träume von Brillen, Robotern und der TechBro-Faschismus

10.01.2025 KI-Assistenten, AR-Brillen und TechBro-Faschismus stehen als die Trends für 2025 in den Startlöchern. Eines davon kommt nicht nur auf jeden Fall - sondern ist schon da.

 (Bild: Sebastian Halm/Midjourney)
Bild: Sebastian Halm/Midjourney
Morgen endet das Tech-Event CES   in Las Vegas, auf dem die Besucher einen Blick in die Zukunft durch die rosaroten Datenbrillen werfen konnten: Traditionsmarke Ray-Ban versteht viel von Brillen und immer mehr von Smart Glasses, was das Unternehmen mit den Meta Glasses   zeigt. Die können vor allem Fotografie, Handysteuerung und Streaming, also etwa das gleiche wie die Loomos  , die allerdings eine potentere technologische Ausstattung besitzt. Weiter in die schöne neue Welt sieht man mit dem chinesischen Modell von und getauft Rokid Glasses  , das Übersetzungen mittels Augmented Reality (AR) auf den Gläsern anzeigt. Auch die Firma Captify   bietet eine Brille an, die Sprache in Echtzeit in AR-Untertitel verwandelt.

Selbst jemand mit minus acht Dioptrin kann sehen: Die Industrie will es in Sachen Brille wissen. Angesagt ist dabei jedoch AR als Feature im "dezenten" Gesichtsfahrrad, statt die mutierten Skibrillen aus der VR-Sparte. Könnte funktionieren, doch einen eingebauten Nachteil besitzen die Tech-Accessoires: Kein Mensch träumt davon, Brillenträger zu sein. Der prominenteste Brillenträger der Geschichte, Clark Kent, braucht nur die Brille abzusetzen und schon ist er Superman. Das sagt leider viel, berichtet ihnen hier einer, der es weiß. Sollte die Technologie weiter schrumpfen und das Problem der Energieversorgung lösbar sein, unterhalten wir uns vielleicht nochmal, wenn die AR-Kontaktlinse herauskommt.

Augmented-Brillen und elektrische Löffel - das Digitale sucht den Sinn

Jedenfalls während nebenan Ehemänner aus aller Welt das Gesparte verzockten, zeigten die Hersteller in Las Vegas vor allem, dass sie an einem hehren Ziel arbeiten: KI in alles einbauen. Es ist müßig hier über KI-Fernseher und Haushaltsgeräte zu philosophieren, das Zeug wird den Weg alles Digitalen in optimierten Alltagsgegenständen gehen, auf dem der WLAN-Anschluss schon mutig vorangeschritten ist: Jedes Gerät wird so etwas haben (Daten! Daten! Konsumentendaten tracken!), aber mangels Nutzwert wird es als ungenutztes Feature in den elektronischen Eingeweiden versauern. Spannend ist eher ein Tool, das trotz eingebauter lernender Intelligenz eher mittelbar etwas für AI tun dürfte: Nvidias   mörderisch schneller Rechner Project Digits schrumpft nach Herstelleranaben konkurrenzlose Supercomputer-Rechenleistung auf schreibtisch-kompatible Größe und erlaubt das Arbeiten an komplexen KI-Anwendungen daheim.

Neben KI beeindruckt die Messe noch mit einem elektrischen Löffel, der auf Speisen die Wirkung haben soll, dass sie dank des schwachen Stromimpulses salziger schmecken. Damit sinkt die Salzrechnung und die Stromkosten steigen. Im Erfolgsfall wird häufiger der Satz zu hören sein: "Wir können nicht essen, die Löffel laden noch!" Und dann ist da noch der Saugroboter mit dem kleinen Roboterarm, der im Weg liegende Socken aufheben und in eine Box werfen kann, wo man sie dann selbst aufheben kann. Für diese Produkte wage ich hier die gleiche Prognose wie für die Mehrheit der CES-Produkte: Was in Vegas vorgestellt wird, bleibt in Vegas. Im Auge behalten darf man allerdings den Trend zum Roboter: Pflege- und Haushaltssysteme verrichten anspruchsvollere Arbeiten, weitere Felder werden folgen.

Vom LLM-Monstrum zum virtuellen Agenten aus kleinen KI-Modellen

Jenseits der CES zeichnet sich in Sachen KI das Bestreben ab, die bislang eher fachidiotischen Anwendungen vielseitiger zu machen - gut, das an sich ist nicht neu, aber das "Wie" ändert sich: Setzte man bisher auf immer komplexere KI-Anwendungen, die neben Sprache beispielsweise auch Video oder Bild können sollen, geht es nun an die Vernetzung: Mehrere KI-Werkzeuge arbeiten zusammen und beschreiten den Weg Richtung virtueller Assistent neu.

Einen Schritt in die Richtung geht Würth mit dem KI-Assistenten für den Außendienst Pico  . Der soll die Mitarbeiternnen unterstützen, indem er auf Sprachbefehl Lieferscheine ausfüllt, Rechnungen verschickt oder Tipps für Verkaufsgespräche gibt, außerdem fasst er für ein Briefing vor dem Kundengespräch wichtige Informationen zusammen.

TechBros machen auf Blofeld

Und dann dämmert da noch der Tech-Faschismus am Horizont: Das Jahr der zweiten Amtszeit von Donald Trump wird auch das Jahr seiner Erfüllungsgehilfen aus den Technologie-Vorständen sein. Jeff Bezos verhindert kritische Veröffentlichungen, Elon Musk rottet aus, was im US-System noch an sozialer Humanität und technologischer Allmacht die Schranken weisender Bürokratie übrig ist, während er faschistoiden Bundestagsabgeordneten Reichweite verschafft. Und nun stimmt auch noch Mark Zuckerberg mit ein, der mit bemerkenswertem Timing zur Ära Trump II den Faktencheck auf Facebook   und Instagram   abschafft: Die Teilchenbeschleunigung antidemokratischer Ideen in den sozialen Netzen wird damit an den Starkstrom angeschlossen, bei vollkommen unverhohlener Einmischung der US-Technokratie in den deutschen Wahlkampf. Und das wenige Wochen bevor laut Umfragen in jedem fünften Stuhl im Bundestag ein rechtsextremer Arsch sitzen wird.
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