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Interaktiv-Trends 2026/2027

Interaktiv-Trends 2026/2027: KI in 2026 - Der komplette Ausblick

15.12.2025 2026 werden wegen KI alle arbeitslos - in der Freizeit zu shoppen geht auch nicht mehr, denn das machen die Agenten. Das und mehr Wahrheiten, von denen Ihr Arzt sie nicht wissen lassen will, dass sie gelogen sind.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Stephen Kings Roman The Running Man wurde 1982 geschrieben und spielt im fernen Jahr 2025. Es gibt kranke Gameshows im Fernsehen, einen Polizeistaat auf den Straßen und Menschen, die sich Medikamente nicht leisten können. Man muss also sagen: Alles in allem hat der Meister des Horrors da ganz gut ins Schwarze getroffen, als er 43 Jahre nach vorne schaute.

Wieso erzählen wir Ihnen das?

Weil King mit über vierzig Jahren Vorlauf das Jahr 2025 wesentlich präziser prognostiziert hat, als es ein Team von Wissenschaftlern vor gerade mal zehn Jahren getan hat: In 2015 präsentierte die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles eine Studie des Bundesarbeitsministeriums. Inhalt: Roboter machen binnen zehn Jahren, bis 2025, fünf Millionen Menschen arbeitslos. Dieses Heer an Überflüssig-Gemachten sollte wohlgemerkt obendrauf kommen, auf die bestehende Arbeitslosigkeit von knapp drei Millionen. Damit lagen die Jobexperten schwindelerregend daneben: De facto ist die Arbeitslosigkeit im Kriegs-, Zoll- und Krisenjahr 2025 fast genau die gleiche geblieben wie damals.

Okay, wieso erzählen wir Ihnen jetzt auch noch das?

Vielleicht sollte man Prognosen des technischen Wandels etwas mehr Gelassenheit und Skepsis entgegenbringen. So etwa auch der Künstlichen Intelligenz. Wagen wir in diesem Sinne doch einfach mal einen Ausblick auf 2026.

Ewiger Alptraum Arbeitslosigkeit

"Seitdem es den Menschen gibt, will er sich selbst arbeitslos machen", befindet Informatik-Professor Doktor Knut Linke von der IU - Internationalen Hochschule  : "'Ich baue mir jetzt eine Axt, dann geht die Arbeit schneller und ich habe mehr Zeit!' - das hat noch nie funktioniert. Das Kapital findet immer neue Verwendungszwecke für die freigesetzten Kapazitäten. Die Werkzeuge, die wir erfinden, reduzieren vielleicht die bestehende Arbeit - aber immer kommt neue dazu!" Das scheint im Zeitraum zwischen 2015, Andrea Nahles' Studienvorstellung, und heute ja genau so passiert zu sein: Die Jobokalypse ist ausgeblieben. Gibt es Anlass davon auszugehen, dass es nun anders sein wird?

Nicht grundlegend. KI ist weit davon entfernt, die unheilvolle Kraft zu werden, die dem Homo Sapiens die Weltherrschaft aus den Fingern windet: Sie sitzt noch tief, tief im Werkzeugstadium, braucht nicht nur den Menschen, der sie trainiert und einsetzt, sondern auch ihre Ergebnisse kontrolliert.

Wo KI nachhaltige Veränderungen schaffen wird, ist die Informationsgesellschaft: Alles, wo Infos verdichtet, zusammengefasst werden. Das passiert schon: Juniorstellen fallen weg, der Senior darf den Mist noch mit übernehmen, weil die KI ja jetzt alles macht. Das funktioniert dann doch nicht und die Jobs werden neu besetzt - allerdings nicht in Deutschland und bei gleichem Gehalt, sondern in fernen Niedriglohnländern. Das wird 2026 weitergehen. Doch sobald die kreativen Jobs nur leicht in die Nische gehen, wird es schwer für die Algorithmen: "Eine Studie hat die Jobs von Developern im KI-Zeitalter untersucht, die an OPenSource-Software mitgeschrieben haben - da hilft KI wenig, das ist zu speziell", sagt Linke. "Was wir überall verstärkt sehen, ist der Wegfall der Juniorstellen. Da wird eine nicht zuverlässig messbare Zahl an Jobs verloren gehen. Dafür gibt es dann mehr Seniorstellen, wo die KI als persönlicher Assistent eingeplant ist."

Einstiegsjobs fallen also zunehmend weg und werden von alten Hasen oder armen Schweinen übernommen. Eine schlechte Idee, weil den deutschen Unternehmen so der Nachwuchs wegbricht, die KI schafft das Unternehmen als Inkubator kommender Talente ab. Im Zeitalter des Fachkräftemangels eine dumme Idee, zudem sich ausländische Profis nicht drum reißen werden, in einem zunehmend migrationsfeindlichen Land zu arbeiten. Apropos - reden wir mal über Faschismus und KI.

Der Techbro-Faschismus: Die Rolle der Agentur in der Ära technizistischer Unmoral

Corey Robin, Journalist und Professor für Politikwissenschaften, hat mal sinngemäß gesagt: Erzkonservativismus sei kein Wertesystem, sondern ein flexibles, amoralisches Abwehrsystem, um den eigenen Reichtum zu erhalten und alle klein zu halten, die vielleicht danach greifen könnten. Nirgendwo hat sich das deutlicher gezeigt als im kollektiven Kniefall der Techelite vor dem Protofaschisten Donald Trump. Wo ist der Komödiant, der sich besser hätte ausdenken können, was wirklich geschehen ist? Post-Satirische Bilder überall:
  • Ein Social-Media-CEO surft mit Amerikaflagge und Energydrink im Anschlag über einen See   und schafft den Faktencheck bei Facebook ab, das nun laut Analysten neue Höhen an gehosteter Holocaust-Leugnung   erreicht.
  • Ein Smartphone-Hersteller schenkt dem US-Präsidenten eine Statue mit einem massiven Goldsockel   im Austausch gegen wirtschaftliche Vorteile - hätte er nicht gleich einen Jutesack mit Dollarzeichen drauf dalassen können, wie ihn die Panzerknacker im Lustigen Taschenbuch feixend aus Banken tragen und dann erklären können: "Was drin ist, sage ich nicht, soll ja eine Überraschung sein!"
  • Und dann haben wir da noch den Real-Life-Daniel-Düsentrieb, den Bald-Billionär, der - als genialer Erfinder gefeiert - de facto aber wohl bei Gaming-Statistiken flunkert und mit Kettensäge posierend die humanitäre Afrika-Hilfe zusammenstrich, bevor ihm sein Allvater Trump den Tritt gab.
Das sind die Menschen, die KI vorantreiben und ihre sozialen Netze mit deren diskriminierenden Inhalten fluten, maskuline Energie (= weniger Frauen) im Job fordern. Sie schaffen alternative historische Narrative in einem rechtsextremen Wikipedia-Klon, der den gewaltsamen Staatsstreich vom 6. Januar in den USA als temporäre Sitzungsunterbrechung marginalisiert. Diese Menschen betreiben Chatbots, die Adolf Hitler als Kur für Semitismus empfehlen  . Für Europa bedeutet dieses Gruselkabinett an Vorteilsnehmern vor allem, dass es höchste Zeit wird, sich unabhängig zu machen von US-Technologien, allem voran von KI.

Wie würde die iBusiness-Umfrage von 2024 heute ausgehen, bei der wir Agenturen nach einer Kooperation mit der AfD befragt haben und die fast einhellig mit Ablehnung eines solchen Paktes antworteten? Wie würde sie aussehen, wenn wir eine AfD-Regierung bekommen? Haben Agenturen und Marken noch eine Branding-Mauer?

2026 wird man als Dienstleister Farbe bekennen müssen in Sachen KI, denn sie ist auch ein politisches Statement - voller unbeabsichtigter und vorsätzlicher Diskriminierungen von machtlosen Randgruppen. Ihre propagandistische Instrumentalisierung beherrscht wenig überraschend vor allem die AfD.

Noch ein gruseliges Wort mit A gefällig?

Die Agenten-Dämmerung erfolgt auf Sparflamme

2026 kommen dann übrigens auch noch die KI-Agenten, sagen die KI-Evangelisten. De facto aber stößt die Entwicklung wirklich autonomer KI-Agenten aktuell auf mehrere grundlegende Hürden. Erstens scheitert die Conversational AI am Kontext: Während menschliche Gesprächspartner im Dialog immer besser verstehen, was ihr Gegenüber möchte, verlieren KI-Modelle bei längeren, iterativen Prompts an Zuverlässigkeit. Sie legen sich früh auf eine Richtung fest und verengen diese im weiteren Verlauf - was die Idee eines lernenden, dialogischen Assistenten untergräbt.

Zweitens befindet sich KI insgesamt in einer Phase der Stagnation, und wenn nicht das, so doch eines verlangsamten Fortschritts: Die großen Leistungszuwächse der frühen Hype-Phase sind ausgeblieben, und Phänomene wie Datenknappheit oder Model Collapse - das Training auf synthetischen KI-Daten, die die Modelle zunehmend verfälschen - bremsen die Weiterentwicklung.

Drittens wirken wirtschaftliche Faktoren bremsend: KI verursacht enorme Kosten, sowohl im Training der Modelle als auch bei Fehlfunktionen durch Halluzinationen, die bereits milliardenschwere Schäden angerichtet haben. Zusammengenommen zeigen diese Hindernisse, dass autonome, komplex entscheidende Agenten technisch, datenökonomisch und finanziell vor erheblichen Herausforderungen stehen.

Auch wenn Hersteller und Shops es lieben würden, wenn KonsumentInnen solche Agenten ans Steuer ließen - schließlich würden die sich leichter beeinflussen und tendenziell eher zu viel Geld ausgeben als echte KundInnen - wer hat also ernsthaft vor, KI eine Shopping-Vollmacht zu geben, die noch immer sechsfingrige Menschen-Bilder generiert? Das wäre ja so wie der pubertierenden Tochter die Kreditkarte zum Drogeriemarkt mitzugeben. Außerdem - lösen Agenten ein Problem, das der Nutzer hat? Hat ein Nutzer sie bestellt? Oder sind sie bloß ein weiterer Marketeer-Traum, den die Nutzer nicht mitträumen werden, so wie Voice-Commerce, Location Based Services oder Couponing?

Die akutere Gefahr der Agenten betrifft theoretisch die Agenturen - Zuckerberg (der schon wieder) träumt ja davon, dass Meta-Agenten sämtliche Agenturaufgaben übernehmen, der Kunde muss nur noch sein Geld bei Facebook lassen. Wie realistisch das ist, haben wir bei iBusiness neulich in Szenarien abgebildet:

Szenarien für die Zukunft der Agentur im Agenten-Zeitalter

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
40%
Best-Case-Szenario

Menschelnde Berater

Die Wertschöpfungskette für Agenturen wird kürzer. Sie bedienen KundInnen, die High-End-Kreationen statt KI-Konfektionsware wollen, steuern technische Expertise bei und sind psychologische Coaches und verständnisvolle lauschende Projektbetreuer. Den Rest macht zunehmend KI.

Aktiv
30%
Worst-Case-Szenario

Autonome Marken

Agenturen werden zunehmend von konzerneigenen Agentenlösungen ersetzt, die deren Tonalität und Bildsprache sprechen und ständig lernen. Diese Agenten werden von einem handverlesenen Inhouse-Agenturteam gesteuert, die auf der KI-Klaviatur Kampagnen komponieren.

Passiv
10%
Best-Case-Szenario

Der rettende Collapse

Der Model Collapse rettet die Agenturen: Den Modellen gehen die Daten aus, AGIs bleiben ein hohles Versprechen und auch GenAIs werden wieder schlechter, es gibt die Renaissance der mitarbeiterstarken Agentur.

Passiv
20%
Worst-Case-Szenario

Agentur-KI-ller

Agenten werden vollfunktionsfähige Kampagnen-Automaten, die von der Kreation bis zur optimierten, personalisierten Ausspielung alles übernehmen. Die Agentur gibt es nur noch als Luxusdienstleister für Kundinnen und Kunden mit Highend-Wünschen.


Was wir wirklich 2026 brauchen: KI-Erwartungsmanagement

Statt nach wie vor in jedem Update einer KI-Teilfunktion wieder einen Gamechanger zu sehen, sollte in 2026 der Weg zum gesunden Umgang mit KI beschritten werden. Sabine Baumann etwa, Professorin für Digital Business an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin  , befürwortet einen neuen Umgang mit KI, ein Erwartungsmanagement statt eines AI-Managements: "Es geht zwar um Effizienzgewinne, doch die eigentliche Dynamik steckt in längerfristigen Transformationen - hier schafft nicht die Technologie selbst den Wandel, sondern die Art, wie man sie einsetzt. Aktuell dominiert jedoch eine Art Fear of Missing Out und viele Firmen investieren hektisch in KI, ohne eine klare Wertschöpfungslogik zu haben." Eher setze ein Lernprozess ein: "Unternehmen werden verstehen, dass Führung in der KI-Ära nicht heißt, den Hype zu bedienen, sondern den Lernprozess zu organisieren."

Lernende Algorithmen haben wir - 2026 kann ein gutes Jahr werden, wenn wir ein paar lernende Menschen dazu bekommen.
Thema: Interaktiv-Trends 2026/2027: KI in 2026 - Der komplette Ausblick

Kommentar von Sebastian Halm

Einen Sch**ß haben wir dazu gelernt

Es gibt keine KI-Ernüchterung und wir haben auch keine nächste Phase im Hype-Cycle erreicht.

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Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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