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Web 2.0: Social Commerce birgt noch viel Potenzial

von sr

17.09.2007 Nach Einschätzung von Oliver Samwer, Jamba-Gründer und Wagniskapitalgeber, bieten die meisten Social-Commerce-Startups ihren Nutzern kaum Mehrwerte im Vergleich zu traditionellen Online-Shops. Was in der Branche überraschenderweise durchaus auf Zustimmung stößt: So birgt Social Commerce nach Einschätzung von Experten noch viel Potenzial. Vor allem was Widgets und Konzepte rund um Peer Commerce betrifft.

"Social Commerce bietet noch keinen wirklichen Kundennutzen": Im Gespräch mit Turi2.de   geht Wagniskapitalgeber Oliver Samwer (European Founders Found   hart ins Gericht mit Social-Shopping-Anbietern. Ihm zufolge werden Start-Ups wie Shoppero   "noch eine ganze Weile auf den Durchbruch warten". Konkret begründen kann er seine Kritik zwar nicht. "Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl", argumentiert er. "Und das hat bisher nicht getrogen."
Nico Lumma , Geschäftsführer von Shoppero, ärgert natürlich die Anfeindungen von Samwer: "Wir sehen im Bereich Social Shopping derzeit jede Menge Innovationen", ärgert er sich. "Letztendlich sind Kaufempfehlungen von Freunden und Verwandten für die Mehrzahl der Konsumenten mehr als nur relevant."
Ähnlich sieht es Peter Ambrozy , Geschäftsführer der Geschenkeplattform Edelight  . Ihm zufolge bieten Social-Commerce-Anbieter den Nutzern deutliche Mehrwerte im Vergleich zu klassischen Online-Shops. Bei Edelight etwa können Nutzer anderen Nutzern Produkte empfehlen und werden dann an Verkäufen über Provisionen beteiligt. "Eine persönliche Produktempfehlung von Nutzer zu Nutzer in einem Shop ist sehr viel wert", argumentiert Ambrozy. Diesen Mehrwert bietet ihm zufolge kein klassischer Shop der Marke 1.0.

Jochen Krisch dagegen, ECommerce-Experte und Betreiber des Weblogs Exciting Commerce  , kann die Aussage von Samwer dagegen durchaus nachvollziehen. "Im Social Commerce haben wir noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht", ist er überzeugt. Seiner Einschätzung nach bieten viele Portale zwar interessante Ansätze. "Auf einer Skala von 100 Prozent haben die aktuellen Anbieter aber erst einen Wert von 30 Prozent des Machbaren erreicht"
Ihm zufolge sind Zusatzdienste wie Communities und Bewertungsfunktion zwar wichtig, aber mittlerweile eben auch schon Standard. Sein Hauptkritikpunkt ist vielmehr, dass bei fast allen Anbietern das Social-Shopping-Konzept noch tief im Web 1.0 verwurzelt ist. "Der Verkauf findet nach wie vor in der Regel auf einer zentralen Plattform statt", bemängelt er.

Die Idee von Social Commerce ist ihm zufolge aber vielmehr, dass Internetnutzer künftig dezentral bei einem Shopping-Dienst einkaufen: beispielsweise indem Anbieter Widgets für Website-Betreiber anbieten, so dass Nutzer auf verschiedenen Online-Plattformen bei einem Anbieter Waren ordern können. Bislang werden über Widgets vor allem Artikel beworben, der Verkauf aber findet nach wie vor im zentralen Online-Shop eines Anbieters statt.

Viel Hoffnung setzt Krisch auch von in Konzepte rund um Peer Commerce. Ansätze also, bei denen nicht mehr ein Shopbetreiber seine Ware an eine breite Masse an Internetnutzern verkauft. Sondern sich allein die Peer Group um Angebot und Nachfrage kümmert.

Die ersten Peer-Commerce-Konzepte entwickelten sich im Musikgeschäft: Bei der Musik-Plattform Sellaband   etwa können Musiker von ihrer Band 5.000 Anteile zu jeweils zehn US-Dollar an andere Internetnutzer veräußern. Sobald alle Anteile verkauft sind, geht es in ein Studio. Die eingespielten Songs werden kostenlos auf dem Sellaband-Portal veröffentlicht. Die Einnahmen aus Online-Werbung teilt Sellaband dann mit dem Künstler und den Besitzern der Anteile.

Thema: Web 2.0: Social Commerce birgt noch viel Potenzial

Kommentar von sr

Mehr Macht dem Nutzer

Im Web 2.0 bekommt der Nutzer mehr Macht gegenüber Unternehmen und Marken. Bei Social Commerce bezieht sich diese Macht aber nach wie vor in erster Linie darauf, dass Nutzer auf den Shopping-Plattformen kaufen, bewerten und empfehlen können. Langfristig aber muss der Nutzer immer mehr zum eigentlichen Verkäufer werden.

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 (Boris Giesl)
Bild: Boris Giesl
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