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Apothekerlobby produziert Studie mit Nebenwirkungen
23.02.2007 Eine aktuelle Studie lässt Medikamenten-Bestellung per Mausklick im Vergleich zu Apotheken in einem ganz schlechten Licht dastehen. Kein Wunder: Auftraggeber ist der Lobbyverband der Herren Apotheker. Und das Studiendesign ließ seriösen Versandhändlern sowieso keine Chance.
Die Herren Apotheker wählten dabei nur solche Versender aus, bei denen allgemeine Geschäftsbedingungen fehlten oder "unklare Aussagen und Formulierungen auf unseriöse Geschäftspraktiken hindeuteten". Seriöse Versender sollten offensichtlich von vorneherein nicht das Studienergebnis ins Positive verderben.
So ist es kein Wunder, dass die Herren Apotheker erschröckliches zu berichten hatten: Von den 24 vorgegebenen Internetadressen hätten nur bei 19 Anbietern Bestellungen vorgenommen werden können. Von den verbleibenden fünf belieferten zwei nur die USA, Kanada und Puerto Rico, bei einem ließen Darstellung und Preis von vorneherein ein illegales Generikum vermuten. Einer war gar im Netz nicht mehr aufrufbar (aufgrund der sehr unterschiedlichen Zeitfenster für die Bestellungen). Der letzte nicht lieferfähige Anbieter beschrieb zwar das gesuchte Produkt, hatte es aber nicht im Warenbestand dokumentiert und verwies hinterhältigerweise auf ein Alternativpräparat.
Von den Versandhändler lieferten nur zwölf, einer belastete das Kreditkartenkonto ohne Lieferung. Alles in allem gingen jedoch 14 Lieferungen ein, da zwei Anbieter unaufgefordert die Ware doppelt in je zwei getrennten Sendungen verschickten. Den Testern zeichnete sich ein abwechslungsreiches Bild bei den erhaltenen Produkten. In allen Fällen wurde das verschreibungspflichtige Medikament ohne Vorlage eines ärztlichen Rezeptes versendet. Die Präparate waren oftmals ohne gesetzlich vorgeschriebene Verpackung offen in Plastiksäckchen verpackt.
Fehlende oder fremdsprachige Beipackzettel machten es dem Testern meist unmöglich, Dosierung, Risiken und potenzielle Nebenwirkungen zu verstehen. Zusätzlich zu den fremdsprachigen Beipackzetteln enthielten einige Sendungen sogar selbstformulierte 'Do-it-yourself'-Beipackzettel in deutscher Sprache, deren lückenhafte Informationen ohne wissenschaftlichen Hintergrund ausgewählt wurden.
Ein Drittel der getesteten Internethändler verlangte Preise, die in etwa dem des Apothekenabgabepreises in Deutschland entsprachen. Andere Versender verlangten mehr, in einem Extremfall fast das Doppelte des Apothekenabgabepreises - Versandkosten in Höhe von jeweils sieben bis 15 Euro kamen hinzu.
Sechs der zwölf untersuchten Präparate wurden als Fälschungen identifiziert. Davon enthielten vier gar keinen Wirkstoff, zwei weitere nur ein Drittel der deklarierten Wirkstoffmenge. Keine der gelieferten Proben entsprach den gesetzlichen Anforderungen an den Gehalt oder an das Freisetzungsverhalten, ein Maß, wie viel Wirkstoff die Tablette in den Körper abgibt.
Die Herren Apotheker und ihre die sonderbare Studie kommunizierende Lobby haben also herausgefunden, dass es im Internet schwarze Schafe findet, wenn man sie sucht. Als seriöse Studie ist das Ding natürlich nicht zu gebrauchen - wegen der hundertprozentigen PR-Nebenwirkungen.
