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Analyse: Welche Chancen AT&T mit der Übernahme von Time Warner hat
24.10.2016 Das Telekommunikations-Unternehmen AT&T will den Medienkonzern Time Warner für rund 85 Milliarden Dollar kaufen.
Zusammen mit den Schulden kostet der Spass den Telekommunikationsriesen über 109 Milliarden Dollar. Beide US-Präsidentschaftskandidaten sehen die Übernahe kritisch. Hillary Clintons designierter Vize Tim Kaine meinte, der Deal könne wettbewerbsrechtlich bedenklich sein: "Weniger Konzentration ist generell von Nutzen, insbesondere bei den Medien", sagte er in einem Interview. Republikaner Donald Trump erklärte, im Falle seiner Wahl würde er die Übernahme von Time Warner und damit CNN verbieten. Er werde "die Oligopole der Medien" aufbrechen. Der US-Senat will die geplante Übernahme prüfen. Das 85 Milliarden Dollar schwere Vorhaben könnte schwerwiegende Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Senatsausschusses. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. AT&T-Chef Randall Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen.
Warum uns das bekannt vorkommt:
Der Deal war 160 Milliarden Dollar wert: Aus dem Onlinedienst AOL und Time Warner wurde im Jahr 2000 durch Aktientausch 'AOL Time Warner'. Ziel des Mergers: Synergien zu schaffen zwischen den Kabel-, Breitband- und TV-Aktivitäten von Time Warner (CNN, Warner Bros., Waner Cable) und den Online-Aktivitäten von AOL. Dabei sollte AOL sowohl als Distributionskanal für die Entertainmentprodukte von Time Warner, als auch als Contentlieferant für die Kabelnetze und TV-Sender fungieren. 2001 nahm die Fusion die letzten kartellrechtlichen Hürden, anderthalb Jahre später nahm die Diskussion um eine Wieder-Spaltung Fahrt auf. Im Herbst 2002 strich das bis dato AOL Time Warner genannte Unternehmen das 'AOL' aus seinem Namen. 2003 machte der Konzern 100 Milliarden Verlust, 2009 wurde die Ehe wieder geschieden und AOL an die Börse gebracht. Fokussierung auf die Kernkompetenzen war die neue Heilslehre. Die Bedeutung des Internetdienstleisters für den Konzern war wegen geschäftlicher Probleme des Online-Geschäfts gesunken. Als Zugangsanbieter hatte AOL stetig an Boden verloren. Die beiden Konzernteile hatten von den Strukturen nie zusammen gepasst, so dass von den Synergien wenig übrig blieb.
Was das bedeutet:
Die Gründe für den zweiten Time-Warner-Akt 'Telekommunikationsunternehmen kauft Medienkonzern' ist in 15 Jahren dieselbe geblieben:
- Extrem billiges Geld.
- Die Angst, im Internet-Markt etwas zu verpassen
- Die Angst, zur 'dumb Pipe' degradiert zu werden
Doch ob die aktuelle Management-Mode Bestand hat, ist zweifelhaft. Drei strukturelle Probleme müssen die fusionierenden Unternehmen lösen:
- Erstens gibt es zwischen klassischen Telekommunikationsunternehmen und Contentproduzenten sehr große kulturelle Schwierigkeiten. Die Integration ist generell sehr kompliziert und vor allem sehr teuer. Die Geschichte solcher Fusionen hat in den vergangenen Jahren wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht - sofern es sich nicht um reine finanziellen Beteiligungen gehandelt hatte.
- Zweitens gehorchen Content- und IT-Produkt anderen Marktgesetzen und Verwertungszyklen. Unternehmensinterne Synergien lassen sich hier nur schwer herstellen - während reine Vermarktungsallianzen (oder der Kauf von reinen Verwertungsrechten) sich sehr viel einfacher und billiger realisieren lässt. Geht in der Content-Produktion etwas grundlegendes schief (was wahrscheinlich ist - manch teures Filmprojekt floppt eben), dann zieht das auch die Telekommunikations-Aktie in die Tiefe.
- Drittens ist ein solcher Super-Deal eine Wette um die Fortdauer der Zeit des billigen Geldes. Selbst für große Unternehmen sind solche Übernahmen nur mühsam zu stemmen (und AT&T hat schon 120 Milliarden Dollar Schulden). Ziehen die Zinsen irgend wann einmal an (was nicht ausgeschlossen ist), könnte der Deal sich als zu teuer herausstellen.
