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Die Geheimnisse deutscher Digitalprofis für wirklich geile Präsentationen

13.06.2017 Wer wissen will, wie man richtig gute Präsentationen produziert, der muss diejenigen fragen, die sie halten. Wir haben genau das getan. Und eine A-bis-Z-Checkliste der Geheimnisse für wirklich geile Präsentationen erhalten.

Anderer Moderator, hübscherer Anzug: Wenn Sie dann noch die folgende Checkliste beachten, dann steht der geilen Präsentation nichts mehr im Weg

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
Strategisch
Visionär
Technik
Medien
Wirtschaft
 
heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Erzählen Sie eine Geschichte. Erzählen Sie eine gute Geschichte. Erzählen Sie eine (für die Zielgruppe) interessante Geschichte.
Gefühlt verbringt jeder von uns im Jahr 13 Monate auf Konferenzen und Kongressen, in Webinaren und Videocalls, bei Pitches und Präsentationen. Und überall gibt es schlechte Präsentationen, sehr schlechte Präsentationen und richtig bodenlos dungeontief-schlechte Präsentationen. Damit sich Ihre Präsentation positiv abhebt zwischen all der Powerpoint-Pein, Prezi-Blümeranz und Keynote-Katastrophen, haben wir Experten gefragt, wie sie selbst ihre Präsentationen erfolgreich gestalten. Als Ergebnis präsentieren wir Ihnen hier das iBusiness-ABC für wirklich geile Präsentationen:

A… ...wie Apple

Ich weiß, Steve Jobs hat die besten Präsentationen gehalten, seit wir wissen, dass die Erde doch keine Scheibe, sondern ein angebissener Apfel ist. Aber ich verrate Ihnen ein ganz geheimes Geheimnis: Sie und ich sind nicht Steve Jobs. Und Sie und ich arbeiten nicht bei Apple. Versuchen Sie also nicht (wie gefühlt 110 Prozent aller Agentur-Geschäftsführer) eine Apple-Präsentation zu halten. Sondern machen Sie Ihr eigenes Ding. Wenn Ihnen das Spiel mit dem Publikum Spaß macht: Reden Sie mit einzelnen Menschen. Wenn Sie eher der sachliche Typ sind: Begeistern Sie mit knackigen, ungewöhnlichen Fakten. Sie sind der Hero. Nicht Ihre Folien. Und schon gar nicht Apple. (Es sei denn, Sie arbeiten bei Apple. Aber dann haben Sie vermutlich kein Problem mit ungeilen Präsentationen. Wer bei Apple arbeitet (oder bei Google oder bei Facebook oder bei Alibaba: der kann auch das Telefonbuch auf nordkoreanisch vorlesen und sämtliche Teilnehmer hängen an seinen Lippen.)

Norman Glaser, Markenrebell: ' Aus kommunikativer Sicht ist die schwarze Folie ohne Inhalt die wichtigste Folie.'

Jede Präsentation ist schließlich anders. "Eine Kreativ-Pitch-Präsentation für eine Digitalagentur sollte anders aussehen als eine interne Präsentation, in der ein neues Software-Feature beschrieben wird", rät darum Chris Lilienweis , User Experience Design Expert bei SAP Exchange Media  . Seine Erfahrung: "Ich baue Präsentationen mit sehr wenig Text und manchmal auch mit viel Text - es kommt immer auf den Anwendungszweck an. Eine Präsentation, die ausschließlich vor einer Audience gehalten wird, sollte anders aussehen als eine Präsentation, die an 5 Fachbereiche eines Großkonzernes geht und auch ohne Vorführung funktionieren muss. "

B… …wie Blickkontakt

Wenn Sie mit jemanden sprechen, sollten Sie ihn anschauen. Das gilt auch bei Präsentationen. Suchen Sie sich drei oder vier Leute im Publikum - einen hinten, einen vorne, einen links, einen rechts, die Sie regelmäßig anschauen. Es reicht, wenn Sie in die Richtung schauen, dann fühlen sich die Zuschauer in der jeweiligen Blickgegend auch persönlich angesprochen.

Zusatztrick: Schauen Sie einem Zuschauer direkt in die Augen, wenn Sie eine These formulieren, halten Sie den Blick und hängen ein "Oder?" dran. Er wird dann vermutlich nicken - und die Zuhörer in seiner Umgebung mit ihm. So gewinnen Sie Überzeugungskraft. Oder eine angeregte Diskussion, wenn Sie nicht überzeugend sind. Aber: starren Sie nicht, denn permanenter Blickkontakt kann Ihre Überzeugungskraft senken, wie eine Studie festgestellt hat  .


C… …wie Copyright

Bilder, Musik, Videos haben ein Copyright. Benutzen Sie nur garantiert freies Material oder solches mit Creative-Commons-Lizenz oder aber gekaufte Bilder. Das kann sonst teuer werden.

D… …wie Design

Weniger ist mehr. Das gilt für Text wie für Bilder. Nur eine Botschaft pro Folie, den Rest erledigt die Tonspur. Und das sind Sie.

E… …wie Erscheinungsbild

Verzichten Sie auf Schnickschnack: Soundeffekte, Überblendungen, bunte Farben, viele Schriften. Am besten machen Sie Ihre Präsentation dunkel (dann werden Sie als Hauptattraktion besser gesehen), verwenden nur Schriften einer Familie (am besten ohne Serifen) und auch Farben eines Tons (zum Beispiel Blautöne). Denken Sie daran: Die Menschen sollen Ihnen an den Lippen hängen. Nicht in Ihren Folien versinken.

Curt Simon Harlinghausen, Publicis Media: 'Mein Trick ist es, in 5 Teile zu teilen und 3-5 Kernbotschaften zuerst zu definieren. Der Rest kommt automatisch.'

F… …wie Folien

Die Unternehmensberatung Mercer   hat ermittelt, dass Menschen sich von Präsentationen erstens beeindrucken, zweitens unterhalten und drittens inspirieren lassen möchten. Erst an vierter Stelle steht der Wunsch nach Information. Beeindrucken Sie mit Reizwörtern, unterhalten Sie mit Geschichten und inspirieren Sie mit ungewöhnlichen Gedanken und Vergleichen. Danach dürfen Sie langweilige Fakten einblenden.

G… …wie Grafiken

Nie mehr als zwei oder drei Charts auf eine Folie packen. Am besten ist ein Chart einblenden - dann erklären - dann das nächste Chart. Ihre Zuhörer sollen Ihnen ja zuhören. Nicht versuchen, den Zahlenwust auf der Projektionswand zu dechiffrieren.

H… …wie Handout

Ihr Folienset ist, wenn Sie es richtig machen, ungeeignet als Handout. Bauen Sie also entweder ein zweites Set mit ihren Notizen und Erklärungen - oder verschicken Sie gleich ein Whitepaper, einen Fachaufsatz oder etwas anderes, was Ihre Argumentation erläutert.

I… …wie Interaktiv

Sprechen Sie mit (nicht "vor") Ihrem Publikum. Fragen Sie es ("Wer von Ihnen hat sich in einem Vortrag schon einmal gelangweilt?"). Stellen Sie rhetorische Fragen, bei denen die Zuhörer selbst denken müssen ("Was meinen Sie, muss ich tun, damit Ihnen das jetzt nicht passiert?").

Ivan-Alexander Jung, Codecentric: 'So viel wie nötig, so wenig wie möglich'

Zusatz-Tipp: Wenn Sie gut sind, dann gehen Sie zu einem Zuhörer und fragen Sie ihn etwas Persönliches, was zu Ihrem Vortrag passt ("Was würden Sie sich jetzt von mir am meisten wünschen?").

J… …wie Jokes

Witze sind gut - wenn das Ihr Ding ist. Sie lockern Präsentationen auf - oder sind zum Fremdschämen. Wenn Sie einen Witz machen, weil Ihnen Ihr Präsentationstrainer gesagt hat, Sie sollen einen machen: Lassen Sie es. Erzählen Sie eine authentische Geschichte. Etwas, was zu Ihnen passt und was glaubwürdig ist. (Ich habe einmal bei einer Präsentation über die Zukunftschancen von Banken Fotos von den Straßenverhältnissen in Ruanda gezeigt - und von meinen Projekten dort erzählt und warum ich zuletzt dort gewesen bin. Darauf haben mich am Ende des Vortrags die meisten Bank-Vorstände angesprochen.)

K… …wie KISS

Keep It Straight and Simple. Nur eine Botschaft pro Folie. Nur drei Botschaften pro Präsentation. "Reduktion", empfiehlt darum Chris Lilienweis für wirklich geile Präsentationen. " Soviel wie nötig, so wenig wie möglich", schlägt Ivan-Alexander Jung vor, der Online-Marketing Manager von Codecentric AG  . "Meine Challenge ist mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht zu erwarten, dass alle denselben Hintergrund haben", weiß Curt Simon Harlinghausen EMEA Lead Business Transformation bei Publicis Media  : "Jede einzelne Folie verfolgt nur ein glasklares Ziel. So ist der Fokus klar definiert und dient dem Gesamtziel", mahnt Cybay   -Projektleiter Eduard Wensler . und ganz extrem bringt es Norman Glaser auf den Punkt. Der CEO von Markenkonstrukt    will regelmäßig seine "Auftraggeber dafür begeistern, dass aus kommunikative Sicht die schwarze Folie ohne Inhalt die wichtigste Folie ist: Reduzierter geht's nicht!".

Alexander Markert, Markert Management Consulting: 'ich baue seit Jahren schon keine Präsentationen mehr, sondern lasse den Kunden reden und höre ihm zu'

L… …wie Lautstärke

Schreien Sie, säuseln Sie, flüstern Sie, deklamieren Sie, schweigen Sie. Benutzen Sie jede Stimmlage, die Sie haben, um Ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen ("Ich halte das für eine bo-den-lo-se Un-ver-schämt-heit"), um neugierig zu machen, um ungläubig rhetorische Fragen zu stellen.

Zusatztipp: Das Wichtigste, was Sie sagen können, sind die Pausen. Formulieren Sie Ihre Keyaussage. Und dann sagen Sie fünf Sekunden gar nichts. ("Ich sage: wir können 20% Wachstum schaffen!") Wiederholen Sie sie, stellen Sie eine rhetorische Frage ("Und wissen Sie, warum ich das glaube?") und warten Sie wieder. In den Pausen denkt das Publikum, die Zuhörer können Ihre Aussagen setzen lassen. Außerdem wirken Pausen wie Ausrufezeichen nach einem Satz.

M… …wie Monitor

Denken Sie daran, vor dem Vortrag Ihren Bildschirmschoner zu deaktivieren. Nehmen Sie alle Anschlusskabel mit, damit Sie auch an HDMI, VGA und den diese Woche aktuellen Anschlussstandard von Apple kommen. Denn der Veranstalter wird das entscheidende Kabel nicht dabei haben. Denken Sie sicherheitshalber an einen portablen Presenter (Ich verwende eine Art Business-Vibrator mit eingebauter Uhr und Vibrationsalarm  . So merke ich wenigstens, wenn ich Gefahr laufe, zu überziehen).

Stellen Sie Ihren Präsentationsrechner so hin, dass Sie ihn auch dann gut sehen, wenn Sie sich über die Bühne bewegen (also zwischen sich und das Publikum). Wichtig: Lesen Sie von ihm ab, aber nicht von der Präsentationsleinwand. Es ist unhöflich, wenn das Publikum ständig nur ihren Rücken zu sehen bekommt.

Rudolf Inderst: 'Ich starte gerne mit der Frage: 'Was ist das EINE, welches in Erinnerung bleiben soll?'' (Bild: Rudolf Inderst)
Bild: Rudolf Inderst
Rudolf Inderst: 'Ich starte gerne mit der Frage: 'Was ist das EINE, welches in Erinnerung bleiben soll?''

N… …wie Nutzen

Ihre Präsentation soll Ihren Zuhörern Nutzen bringen, Erkenntnisgewinn, Verständnis. Bringen Sie wenigstens eine Aussage, eine Zahl, eine Erfahrung, die Ihre Zuhörer noch nicht kannten. "Wir sind ein ganz tolles Unternehmen" fällt nicht unter Erkenntnisgewinn, sondern unter Selbstbeweihräucherung (siehe: L… … wie Langweile).

O… …wie Online-Anschluss

Wollen Sie wirklich eine weitere potenzielle Fehlerquelle öffnen während Ihrem Vortrag? (Hier an dieser Stelle jetzt leise "Nein" sagen - das war eine rhetorische Frage.)

Wann immer Sie auf Internetzugang verzichten können: Tun Sie es: Speichern Sie Ihre Präsentation lokal. Speichern Sie Screenshots als Bilder lokal. Laden Sie Ihr Video herunter. Sie glauben mir nicht? Denn das Internet ist böse zu Präsentatoren, sagt Ihnen jemand, der schon Router hat abrauchen, Netzverbindungen vom Bagger rausgerissen, WLANs abstürzen und SIM-Karten ungültig hat werden sehen. Immerhin: In 98 Prozent der Fälle geht alles gut.

P… …wie Publikum

Auch bei der Interaktion mit dem Publikum sind Sie immer der Hero. Geben Sie das Saalmikrofon nie aus der Hand - sonst können Sie Langschwätzer im Zweifelsfall nicht abwürgen. Gibt es keine Saalmikrofone: Wiederholen Sie die Fragen aus dem Publikum, damit alle die Diskussion verfolgen können. Wenn Sie selbst Fragen stellen: Kurz und knackig, so dass auch der Dümmste und der Unaufmerksamste im Publikum sie versteht. Versuchen Sie nie, gegen die plaudernde Masse anzureden. Am besten Sie pausieren, bis alle still sind.

Michael Praetorius, Akom360: 'Meine Präsentation muss man auch ohne Stimme verstehen, wenn ich wieder weg bin' (Bild: M.Praetorius)
Bild: M.Praetorius
Michael Praetorius, Akom360: 'Meine Präsentation muss man auch ohne Stimme verstehen, wenn ich wieder weg bin'

Zusatztipp: Ich weigere mich an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen oder eine Keynote zu halten, wenn hinter mir eine Twitterwall oder Ähnliches läuft. Das Publikum soll mit mir interagieren, nicht ohne (oder schlimmer: gegen) mich. Zumindest will ich wissen, was läuft. Da ich das aber nicht kann, während ich spreche: Keine Twitterwall. Entweder Vortrag oder ein Seminarformat.

Q… …wie Quotes

Zitate von Berühmtheiten sind ein zweischneidiges Schwert. Sie können mit einem Zitat zwar Kompetenz leihen. Aber es bleibt eine geliehene Kompetenz. Besser ist es, Zitate nur als Belege für eine Tatsache einzusetzen. Und nicht vergessen: "Nicht jedes Zitat, das man im Internet gefunden hat, ist auch wahr" (Napoleon).

R… …wie Relevanz

Der Trick von Fiona-Louise Karasek Senior Manager Performance Marketing bei Vedes   ist es: "Meinem Kunden komplexe Zusammenhänge so zu vermitteln, dass er Lust darauf hat, mir zu folgen - so behält er das Wesentliche, wenn ich längst weg bin." Dazu muss der Vortragende wirklich genau wissen, wer während des Vortrags im Publikum sitzt.

Wenn es sich um eine IT-Lösung dreht: Sind es Vorstände ("Wie Big Data den Profit erhöht"), Marketingleute ("Marketingautomation mit Big Data") oder IT-Leute ("Security und Performance in Big-Data-Umgebungen")? Passen Sie auch Ihr Vokabular an die Zielgruppe an. Storytelling ist elementar: So kommen Sie vom Speziellen zum Allgemeinen. Banker erreichen Sie mit Bank-Beispielen, Markenartikler mit Markenartikler-Beispielen. Aber bleiben Sie mit Ihrem Beispiel in dem Land, aus dem Ihre Zuhörer stammen. Denn AGABU ("Alles ganz anders bei uns").

Eduard Wensler: 'Jede einzelne Folie verfolgt nur ein glasklares Ziel. So ist der Fokus klar definiert und dient dem Gesamtziel.'

S… …wie Schriftgröße

Verwenden Sie eine große Schrift. Ich meine: Wirklich große Schrift. Thomas Kolbinger von der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung   rät schlicht: "Keine Fontgröße kleiner 20 Punkt." Extremer ist meine Daumenregel: "Das Durchschnittsalter Ihres Zielpublikums ist gleich der kleinsten verwendeten Schriftgröße, wobei Sie als Mindestalter 30 Jahre annehmen." Formatieren Sie Ihre Folien und lassen Sie alles weg, was aufgrund der Schriftgröße nicht mehr passt. Ihre Folien gewinnen dadurch. Hannes Schleeh , Geschäftsführer bei Existenzgründerzentrum Ingolstadt GmbH  : "Die Geschichte muss spannend und zielgerichtet erzählt werden. Viele Bilder und nur die wichtigsten Botschaften als Text."

T… …wie Text

Der Text auf Ihren Folien ist eine Illustration für das, was Sie sprechen. Mehr als 30 Wörter pro Folie sind von Übel. Freelancer Norbert Nordbergh Diedrich selbstkritisch: "Ich packe grundsätzlich zu viel Text rein - möchte, dass die Präsentation auch für sich stehen kann." Michael Praetorius von Akom360   setzt hingegen auf Selbsterklärendes: "Dass man es auch ohne meine Stimme versteht, wenn ich wieder weg bin."

U… …wie Unternehmenslogo

Ihr Unternehmenslogo gehört auf jede einzelne Folie. Und wenn Sie haben, Ihr Twitteraccount auch. Sie wollen schließlich Branding betreiben - und Tweets Ihrer Thesen auslösen, die dann neue Follower generieren. Selbstmarketing und Branding ist alles.

V… …wie Vorbereitung

Was das eigentliche Geheimnis einer geilen Präsentation ist? Die meisten der von uns befragten Experten sind der Überzeugung: Eine gute Vorbereitung. Thorsten Wilhelm beispielsweise, Geschäftsführender Gesellschafter bei der eResult GmbH    fängt mit dem Titel finden an. Sein Tipp dazu: 30 aufschreiben. Zwei Tage liegen lassen. Dann eine Auswahl treffen." Der Community-Strategist bei Kochmedia  , Rudolf Inderst startet nach eigenen Angaben gerne mit der Frage: "Was ist das EINE, welches in Erinnerung bleiben soll?"

Tibor Bauer, Online United: 'Der Aufbau erfolgt auf Papier. Erst dann an den Rechner und bauen.' (Bild: Online United)
Bild: Online United
Tibor Bauer, Online United: 'Der Aufbau erfolgt auf Papier. Erst dann an den Rechner und bauen.'

Auch Peter K. Sanner , Geschäftsführer von Areasix   rät: "Ne einfache Storyline finden. Ich nehme ein DIN-A4-Blatt mache zwei horizontale und vertikale Linien. Das ergibt neun Felder. Bekomme ich auf diese keine saubere Storyline, wird sich die Präsentation niemand merken. Bei Bedarf kann ich dann an einzelnen Stellen detaillierter werden, aber erst muss die Storyline passen." Ähnlich arbeitet Curt Simon Harlinghausen: "Mein Trick ist es, drei bis fünf Kernbotschaften zuerst zu definieren. Der Rest kommt automatisch." Und Tibor Bauer warnt vor dem Allzudigitalen: "Wichtig ist der Aufbau auf Papier. Zunächst wird alles im Kopf gemacht. Das kann mal ne Woche dauern - und DANN erst an den Rechner und die eigentliche Präsentation bauen."

V… …wie Vorstellung

Moderieren Sie sich nie selber an. Kommen Sie selbst so schnell es geht zur Sache. Die Selbstvorstellungs-Folie (inklusive einem eigenen Bild - damit auch die Zuhörer, die ganz hinten sitzen, Ihr Gesicht erkennen) sollte kurz sein - aber nicht die erste sein. Am Anfang steht das Thema. Dann kommt die Begründung, warum Sie kompetent sind, darüber zu sprechen. ("Ich werde belegen: Wir wollen, wir können und wir werden 2016 um 20 Prozent wachsen. Ich bin Peter Müller und verantwortlich für die strategische Unternehmensentwicklung ....").

Frank-Christian Lilienweis: 'Reduktion'

V… …wie Vorlesen

Wenn schon unbedingt Bulletpoints (kommt von "B...wie Böse"), Texte, Grafiken: Dann blenden Sie nicht alles ein und beginnen anschließend, sie vorzulesen. Denn erstens sind die Zuhörer schneller im Lesen als Sie mit dem Vorlesen und zweitens ist es redundant. Also "Wir wollen um 20 Prozent wachsen" sagen. Dann "Wir wollen" als Bulletpoint einblenden. Dann "Wir können um 20 Prozent wachsen". Dann "Wir können" als Bulletpoint einblenden. Und am Schluss "Wir werden um 20 Prozent wachsen" sagen. und dann "Wir werden" als Bulletpoint einblenden.

Eduard Wensler empfiehlt: "In Folien so wenig wie möglich Text verwenden, dafür mehr Grafik, Statistik und Ablaufprozesse" - das reduziert den Vorleseeffekt. Noch brutaler Reto Hartinger . Der CEO von Insider Management   sagt schlicht: "Als Darstellung: Kein Text, nur Bilder". Ihm dienen Bilder als Gedankenstützen: " Weil ich dann alles, was ich erzähle, aus dem Stegreif sage, kann ich auf die Stimmung reagieren." Einen genauen Text braucht er dann nicht, er folgt einfach der Dramaturgie: "Jedes Bild sollte ein Lächeln hervorrufen, kein Lachen. Es kann auch das pure Gegenteil sein von dem, was ich sage und erzeugt erst dadurch das Lächeln.


Peter K. Sanner, Areasix: 'Ich nehme ein DIN-A4-Blatt mache zwei horizontale und vertikale Linien. Das ergibt neun Felder. Bekomme ich auf diese keine saubere Storyline, wird sich die Präsentation niemand merken.'

W… …wie Warum

Die meisten Präsentatoren erzählen das Was und das Wie: Vom Angebot und seinen Features. Vom Markt und seinen Herausforderungen. Vom Publikum wird - häufig unbewusst - erwartet, sich selbst einen Mehrwert (Warum) abzuleiten. Das ist deswegen ein Fehler, weil die Mehrheit dazu nicht in der Lage ist. Oder nicht willens. Oder während sie über den Mehrwert nachdenkt, Ihre schöne Präsentation nur am Rande verfolgt. Also muss sich die Aussage "Warum das, was ich gerade erzähle, wichtig für genau SIE ist" durch die gesamte Präsentation ziehen.

X… …wie X-fach

Wiederholen Sie Ihre Kernthesen im Laufe Ihres Vortrags mehrfach. Nur so können Zuhörer sie sich merken. Zumindest am Anfang ("Was ich Ihnen erklären will") und am Schluss ("Meine Kernthesen in der Zusammenfassung") gehört die Kernaussage rein. Wer will, kann alle fünf oder sechs Folien eine Wiederholungsfolie einbauen (zum Beispiel: "Wir wollen, wir können und wir werden 2016 um 20 Prozent wachsen" am Anfang und am Schluss und zwischendrin jeweils eine Folie mit "Wir wollen...", mit "Wir können..." und mit "Wir werden...")

Y… …wie Youtube

Wenn es sich nicht um das Beispiel eines Kampagnenvideos handelt oder ein So-geht's-Video: Ich bin gegen die Benutzung von Videos in Präsentationen. Denn Sie treten aus dem Zentrum der Bühne an den Rand. Sie sind nicht mehr der Keynote-Speaker, sondern der Kinofilmvorführer. Wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Zuhörer am Ende über das geile Video reden - statt über ihren geilen Vortrag, dann lassen Sie das mit dem Video.

Fiona-Louise Karasek, Vedes: 'Meinem Kunden komplexe Zusammenhänge so zu vermitteln, dass er Lust darauf hat, mir zu folgen'

Z… …wie Zusammenfassung

Spätestens Ihre vorletzte Folie gehört der Zusammenfassung. Kurz und knackig sagen Sie am Schluss (noch einmal) das, was Ihre Zuhörer mit nach Hause nehmen sollen. Hier nennen Sie maximal drei - mehr können sich Menschen sowieso nicht merken.

Es gibt viele Tipps zu Präsentationen. Wer beispielsweise wissen will, was VC Guy Kawasaki von einer Start-up-Präsentation erwartet, kann sich beispielsweise seine Infografik   ansehen. Aber der Kern ist:
  • Bleibe authentisch
  • Sei relevant für die Zielgruppe
  • Sei kurz
Aber das hatten wir ja schon. Alle Tipps zusammengefasst und gewichtet, sieht das Rezept für eine wirklich geile Präsentation so aus:
Was Experten empfehlen - Tricks für Super-Präsentationen, in den Achsen inhaltlich/formal und Person/Präsentation,
Was Experten empfehlen - Tricks für Super-Präsentationen, in den Achsen inhaltlich/formal und Person/Präsentation, (Grafik: HighText Verlag)
Thema: Die Geheimnisse deutscher Digitalprofis für wirklich geile Präsentationen

Kommentar von Joachim Graf

Erzählen Sie eine gute Geschichte

Steinzeit. Nacht. Lagerfeuer. Sie wollen sich ein Abendessen verdienen. Und erzählen darum eine Geschichte. Wie würde die aussehen?

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Joachim Graf (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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