Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Analyse: Warum Amazon keinen Gewinn machen will
27.10.2014 Amazon mit Rekordverlust. Schon nährt das die Behauptungen, dass das Geschäftsmodell des ECommerce-Riesen auf Sand gebaut ist. Zu Unrecht. Denn um Gewinn geht es bei Amazon nur einer kleinen Gruppe.
Was kommt: Die Aktie gab unmittelbar nach Bekanntgabe des Minus um zehn Prozent nach. Inzwischen hat sie aber wieder ein Drittel an Boden gut gemacht.
Was das aber wirklich bedeutet: Amazon steckt mehr Geld in Rückstellungen für erhöhte Steuerzahlungen weltweit. Die Steuerschlupflöcher der Vergangenheit beginnen sich ganz langsam zu schließen. Auch hat der Onlinehändler vor kurzem sein Smartphone Fire eingeführt - und sehr viel Geld dafür ausgegeben, dass die entsprechende Menge von Geräten vor Weihnachten auch auf Lager liegen.
Gleichzeitig legte der Amazon-Umsatz um 20 Prozent zu - auf 20,6 Milliarden Euro. Das ist für ein so großes Unternehmen ein extrem guter Wert. Wenn man konservativ rechnet und davon ausgeht, dass die Kapitalrendite bei Amazon zehn Prozent ausmacht - dann entspricht der Quartalsverlust gerade mal einem Fünftel. Das wäre in etwa so, als würde jemand, der 2.000 Euro im Monat verdient, sein Konto um 400 Euro überziehen. Amazon gibt viel Geld aus, um sein Geschäftsmodell zu schützen und schneller zu sein als alle Konkurrenten. Amazon-Chef Jeff Bezos tut das, was man von allen etablierten Unternehmen erwartet: Er kannibalisiert sich selber, bevor es jemand anderes tut.
Die Folge: Aus der Sicht von Jeff Bezos ist die Investition in die Zukunft nur folgerichtig. Denn noch ist Amazon deutlich kleiner als klassische Handelskonzerne. Und die Marge drückt man nur dann nach oben, wenn in eigene Produkte investiert wird: Das digitale Buchprogramm (Kindle) und das Video-Leihprogramm sind Produkte, für die Amazon hohe Margen berechnen kann. Und ähnlich wie der Kindle ist das 'Amazon Fire' als Verkaufsphone ein Lock-In-Produkt: Also ein Produkt, das die Kunden bei der eigenen Plattform hält. Und mit Lock-In hat ja auch schon Apple gute Erfahrungen gemacht: Hohe Margen, hohe Wiederkäuferrate, gläubige Kunden als Evangelisten.
Zumal Amazon viel Gewinn überhaupt nichts nutzt: Bezos müsste das Geld sowieso nur an seine Aktionäre ausschütten. Und weil Geld für Bezos wie für die vielen anderen Technologie-Menschheitsbeglücker bestenfalls ein nettes Zubrot ist - aber kein Motivationstreiber - gibt er es lieber aus für das, was ihn treibt: den Umsatz und den Marktanteil.
Die Frage ist nur, ob sich die Amazon-Aktionäre das gefallen lassen. Ich glaube schon - solange sich die Investitionen langfristig auszahlen. Man denke nur an die unglücklichen Facebook-Investoren oder die unglücklichen Zalando-Investoren: Von ihnen hört man inzwischen auch keine Klagen mehr.
