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Spekulation um Übernahme: Steht Pixelpark vor dem Verkauf?

von sr

19.02.2008 Durch Zukäufe von IT- und Interaktiv-Agenturen wie Xplain und Elephant Seven steigert Pixelpark stetig seinen Umsatz. Auf dem Börsenparkett aber enttäuschen die Berliner ihre Aktionäre. Weil der zweitgrößte Interaktiv-Dienstleister Deutschlands so billig gehandelt wird, ist er ein Schnäppchen für einen Übernahmewilligen. Da trifft es sich ganz gut, dass die französische Werbeagenturgruppe Publicis einen Einstieg in den deutschen Multimedia-Markt sucht.

Die internationale Groupe Publicis   mit Hauptsitz in Paris hat Pixelpark    im Visier. Der Hintergrund: Im Januar 2007 hatte sich die Agenturgruppe den US-amerikanischen Internet- und ECommerce-Dienstleister Digitas  einverleibt  . Wie der Infodienst New Business   nun berichtet, soll bei einer Übernahme der Berliner Multimedia-Dienstleister als Teil des deutschen Publicis-Networks bei Digitas angesiedelt werden.

iBusiness-Informationen zufolge gibt es in der Berliner Pixelpark-Zentrale tatsächlich Überlegungen, sich Publicis anzuschließen. Weil sich der Großteil der Pixelpark-Aktien im Streubesitz befindet, wäre auch kein Widerstand von einem Großaktionär zu erwarten.

Auf Nachfrage von iBusiness hält sich Publicis aber bedeckt. Dr. Wigan Salazar , Managing Partner bei Publicis Consultants  , will gegenüber iBusiness den Bericht von New Business nicht kommentieren. Sicher aber sei, dass aus dem US-Dienstleister Digitas ein "globaler Brand" werden soll. Eine Expansion nach Deutschland ist damit ziemlich sicher. Das verdeutlicht nicht zuletzt ein Blick auf eines unserer Nachbarländer. Erst im vergangenen September hatte Digitas den führenden französischen Mobil-Dienstleister Phonevalley   aufgekauft.

Was ebenfalls für eine Pixelpark-Übernahme durch Publicis spricht: Maurice Lévy , Vorstandsvorsitzender der klassischen Werbe-Holding, ist überzeugt davon, dass Online- und Mobilwerbung klassischer Werbung langfristig das Wasser abgraben wird. "Es ist gut vorstellbar, dass traditionelle Print- und TV-Werbung in einer Welt der digitalen und mobilen Medien keinen Platz mehr hat", argumentierte der 64-Jährige im vergangenen Jahr (iBusiness berichtete). Onlinewerbung gehöre die Zukunft, da man im Internet die Wirksamkeit von Werbung besser messen könne.

Mit der Akquisition von Elephant Seven    (ursprünglich als Tochter der klassischen Werbeagentur Springer & Jacoby   gegründet) ist Pixelpark auch im Online-Werbemarkt gut aufgestellt.

Pixelpark-Chef Michael Riese wollte gegenüber iBusiness die Spekulationen nicht offiziell kommentieren. Er hätte aber ohnehin nicht viel zu den Spekulation sagen können. Denn laut dem Wertpapierhandelsgesetz   ist Pixelpark als börsennotiertes Unternehmen und Emittent (WKN: 126225) zur sofortigen Veröffentlichung per Ad-hoc-Meldung verpflichtet, sollte man sich offiziell in Übernahmeverhandlungen befinden. Schließlich könnte eine Übernahme durch die Publicis-Gruppe den den Börsenkurs entscheidend beeinflussen.

Daraus könnten allerdings die Pixelpark-Aktionäre etwas Hoffnung schöpfen. Denn der aktuelle Wert von 0,75 Euro pro Aktie stellt die Aktionäre alles andere als zufrieden. In den vergangenen 52 Wochen dümpelte die Aktie mit einem Wert zwischen 1,74 Euro und 65 Cent vor sich hin. Vor allem zu Jahresbeginn 2008 war die Aktie deutlich eingebrochen.

Analysten von SES Research   stuften zuletzt die Pixelpark-Aktie von 'halten' auf 'verkaufen' herunter: "Die im November vorgelegten Quartalszahlen knüpfen nahtlos an die enttäuschende Entwicklung an", begründet SES Research seine Empfehlung. "Vor diesem Hintergrund überrascht die Außendarstellung des Unternehmens." Die Analysten von SES Research konnten laut Aktiencheck.de   aus den Geschäftszahlen kein organisches Umsatzwachstum ablesen, die Gesellschaft sei "operativ defizitär". Dennoch: Pixelpark ist als Gesamtkonzern profitabel, was eine Übernahme zusätzlich erleichtert.

Die miesen Zahlen sind wohl vor allem auf die Pixelpark'sche Einkaufstour zurückführen. Pixelpark-Chef Michael Riese hatte im Mai 2005 das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2010 "Multimedia-Martkführer" in Deutschland werden zu wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Pixelpark in den vergangenen knapp drei Jahren über ein halbes Dutzend Dienstleister akquiriert. Diese sind zum Teil nur schlecht im Konzern integriert, zum Teil defizitär. Ein Käufer, der sich vor allem für das Interaktiv- und Onlinewerbegeschäft interessiert, könnte den Konzern durch Ausgliederung verschlanken und auf Profitkurs bringen. Umgekehrt könnte Pixelpark als Teil einer weltweiten Agenturgruppe stärker als bisher vom internationalen Geschäft profitieren.

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Laut dem aktuellen New Media Service Ranking hat Pixelpark im Jahr 2006 einen Honorarumsatz von 24,90 Millionen Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von 26,1 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005, als Pixelpark erst 19,75 Millionen Euro erwirtschaftete. Zeitgleich konnte aber Marktführer T-Systems Multimedia Solutions   seine Führung ausbauen. Die Dresdner kamen im Jahr 2006 auf einen Honorarumsatz von 58 Millionen Euro: mehr als doppelt so viel wie Pixelpark.

Durch die Übernahmen der beiden Interaktiv-Agenturen Xplain   und Elephant Seven will Pixelpark näher an die Spitze rücken. Elephant Seven erwirtschaftete 2006 etwa 12,23 Millionen Euro Honorarumsatz, Xplain rund 1,55 Millionen. Zusammen gerechnet hätte Pixelpark damit bereits im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 38,68 Millionen Euro erwirtschaftet.

Thema: Spekulation um Übernahme: Steht Pixelpark vor dem Verkauf?

Kommentar von Joachim Graf

Unterbewertet

Ein Zusammengehen von Pixelpark mit dem immerhin viert grössten Werbenetzwerk der Welt würde für beide Partner Vorteile bringen. Egal, ob der Partner am Ende tatsächlich Publicis heißt, oder ob Verhandlungen scheitern. Letztlich ist der Schritt unumgänglich. Und zwar aus einem Grund, der gar nicht aus dem Aktienkurs begründet ist.

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 (jg)
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