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Warum Gender-Social-Networks für Marketer Sinn machen
04.09.2008 Frauen kommunizieren anders als Männer, auch im Internet - bestätigt eine aktuelle Studie. Daher sind besonders im kommunikationslastigen Web 2.0 speziell auf das Geschlecht abgestimmte Angebote vielversprechend.
Deshalb stehen Online-Angebote, die nur für Frauen sind, bei zahlreichen deutschen Anwenderinnen und bei immer mehr Anbietern hoch im Kurs. "Wenn sie sich fast ausschließlich unter Geschlechtsgenossinnen wähnen, können sie offener miteinander diskutieren", kann Mareen Günther , Chefredakteurin von Erdbeerlounge, bestätigen. Lediglich zehn Prozent der Frauen empfinden die Anwesenheit von Männern in Online-Communities als nicht störend. Zwar können sich auch Männer beim Frauen-Portal anmelden, sagt Günther im Gespräch mit iBusiness, aber "nur wenn sie sich gut benehmen". Daher schauen die Verantwortlichen bei der Erdbeerlounge den Herren der Schöpfung besonders genau auf die Finger.
Sinn machen Gender-Angebote im Wesentlichen innerhalb eines Special-Interest-Bereiches. In den großen Social Networks wie StudiVZ , MySpace und Co. beispielsweise, kommen die Nutzer hauptsächlich zum Networking zusammen. In speziellen Frauen-Communities, die gemeinhin mit wesentlich mehr externem Content aufwarten, "wollen die Nutzerinnen vor allem diesen Content konsumieren und sich dann darüber austauschen", verdeutlicht Günther den Unterschied.
So gibt es beispielsweise beim Business-Netzwerk Xing speziell auf die Interessen der weiblichen Mitglieder abgestimmte Gruppen, in denen Frauen zielgerichtetes Business-Networking betreiben und untereinander Meinungen, Erfahrungen und Branchenwissen diskutieren können. So etwa der 'Women Entrepreneur Club' mit 2.700 Mitgliedern oder die Gruppe 'Powerfrauen' mit 1.300 Mitgliedern. "Oft handelt es sich dabei um Netzwerke, die ihre Verbandsarbeit über die Xing-Plattform professionell organisieren", erklärt Unternehmenssprecher Patrick Möller im Gespräch mit iBusiness.
Diesen Zustand bestätigen auch die Experten der US-amerikanischen Online-Marketing-Agentur Rapleaf bei einer Untersuchung von 49,3 Millionen Nutzerdaten in den Social Networks Facebook , Linkedin und Co. Die Dominanz der Nutzung der Social Networks Frauen zeigt sich vor allem in den Altersgruppen zwischen 14 bis 17 und 18 bis 24, wie iBusiness berichtete. Danach verlaufen die Kurven der Nutzung nach Geschlecht annähernd deckungsgleich. Insgesamt den stärksten Zuspruch haben soziale Netzwerke bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Vor allem Facebook ist ein regelrechtes Frauennetzwerk. In der Altersgruppe der 18 bis 24-Jährigen sind weibliche Nutzer mit 1,7 Millionen Profilen fast das Doppelte stärker vertreten, als die Männer (977.753 Nutzer).
Die weibliche Dominanz zeigt sich nicht nur bei den Nutzerzahlen, sondern wird auch durch Anzahl der Freunde in einem sozialen Netzwerk unterstrichen. Unabhängig vom Alter sind Frauen in Social Networks aktiver. Die bestimmende Altersgruppe sind auch hier wieder die 18 bis 24-Jährigen. Im Durchschnitt haben die Nutzer eines Social Networks zwischen zwei und 25 Freunden auf ihrer Buddylist.
| Die Top 10 der größten Frauen-Portale | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Portal | Reichweite in % | Unique User in Mio. | Rang bei AGOF | Vermarkter | |
| goFeminin.de | 4,6 | 1,9 | 46 | Interactive Media | |
| Brigitte.de | 1,7 | 0,71 | 94 | G+J EMS | |
| Glamour | 0,5 | 0,2 | 192 | Tomorrow Focus | |
| freundin Online | 0,4 | 0,16 | 212 | Quality Channel | |
| Womanweb | 0,4 | 0,14 | 163 | cm Codex Media | |
| Vogue.com | 0,2 | 0,09 | 279 | Quality Channel | |
| Amica Online | 0,2 | 0,09 | 289 | Tomorrow Focus | |
| Elle Online | 0,2 | 0,07 | 316 | Tomorrow Focus | |
| Cosmopolitan | 0,1 | 0,04 | 362 | cm Codex Media | |
| BYM.de | 0,1 | 0,03 | 399 | G+J EMS | |
Quelle: AGOF Internet-Facts I/2008
So hat sich beispielsweise die ProSiebenSat.1-Gruppe das frauliches Internet-Angebot, Fem.com , zugelegt. "Mit dem Frauen-Portal Fem.com schließen wir eine wichtige Lücke im Internet-Angebot der ProSiebenSat.1 Group, da die Zielgruppe sowohl im Internet wie auch im Fernsehen essentiell ist", begründet Dr. Marcus Englert , Vorstand New Media und Diversifikation der ProSiebenSat.1 Media AG , den Zukauf.
Fem.com ist neben dem Regionalnetzwerk Lokalisten das zweite Social Network des Medienkonzerns. Das Medienunternehmen möchte Fem.com mittelfristig als eines der führenden Frauennetzwerke in Europa zu positionieren. Deshalb geht noch in diesem Jahr das Portal in weiteren europäischen Ländern an den Start. Fem.com bündelt rund 20 Internetseiten für die weibliche Zielgruppe. zu den Themen Beauty, Fashion, Lifestyle, Stars, Musik bis hin zu Liebe und Partnerschaft. Benchmark an dem sich Englert messen lassen will, ist das US-Frauen-Portal Glam.com.
Glam.com ist eine bei der Fashion- und Lifestyle-Community, an der seit einem halben Jahr das Medienhauses Burda beteiligt ist. Wie iBusiness berichtete, bündelt und vernetzt das Unternehmen auf dieser Plattform über 450 Online-Publisher und Communities und vermarktet diese Zielgruppen an Markenunternehmen aus der Konsumgüter- und Lifestyle-Industrie.
Mittlerweile sind Social Networks ein fester Bestandteil der Internet-Strategie bei ProSiebenSat1 geworden und weitere Zukäufe schließt das Unternehmen nicht aus. "In absehbarer Zeit stehen zwar keine Zukäufe weiterer Netzwerk-Plattformen an, aber wir sind jederzeit dafür offen, neue Netzwerke in unser Internet-Angebot zu integrieren", skizziert Unternehmenssprecher Julian Geist die Perspektiven.
