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Self-Publishing von E-Books: Ein Trend springt über
09.07.2010 Während deutsche Buchverlage in Sachen E-Books eher Rennschnecken sind, kommt das digitale Self-Publishing in Bewegung. Für Autoren werden Wege kürzer und Provisionen größer. Auch Unternehmer nutzen E-Publishing zunehmend als Corporate-Publishing-Tool.
Ein Blick in den in Sachen interaktiver Geschäftsmodelle führenden US-Markt zeigt den Publishing-Markt, wie er in Deutschland in 12 bis 18 Monaten aussehen wird: Dort werden via Self-Publishing schon jetzt mehr gedruckte Bücher verkauft, als über den herkömmlichen Verlagsweg. Auch der Markt für eBooks ist dort schon wesentlich weiter: Mehr verkaufte Lesegeräte von Kindle über den Sony Reader bis hin zum neuen iPad von Apple .
Zudem ist das Angebot an lieferbaren E-Books um ein Vielfaches umfangreicher: Allein bei Amazon existieren bereits weit über 200.000 englischsprachige E-Books.
Nächste Raketenstufe für E-Books könnte Google zünden
Der nächste gewaltige Schub könnte aus der Ecke des üblichen Verdächtigen im Netz kommen: Google hat angekündigt, seine Bücher-Suche um den Demand-Dienst Google Editions zu erweitern.Geplant war, dass der Dienst den Markt Mitte Juli betreten soll - offen für alle Lesegeräte und Anbieter vom einzelnen Anbieter über Kleinverlage bis hin zum großen internationalen Verlagshaus. Wie immer bei Google erfolgt der Roll-out erst in den USA, dann mit einigen Wochen Verzögerung in anderen Ländern. Offen blieb bei der Ankündigung, ob auch die rund 12 Millionen eingescannten Bücher dann als E-Books lieferbar werden. Google wäre damit auf einen Schlag weltgrößter Bücher-Anbieter weit vor Amazon und Apple.
EBooks-on-Demand: Eine Chance für den Prosumenten-Markt
Die beiden Noch-Platzhirsche bieten für den modernen Selbstverleger bereits einfache Wege zum eigenen E-Book in ihren jeweiligen Stores: Bei Amazon wendet sich die Seite für Selbstverleger gleich sowohl an Textautoren als auch etwa an Komponisten von Musikstücken. Für die Herstellung von eigenen Büchern bietet Amazon die 'Digital Text Platform' .| Anbieter | Amazon | Apple | Google Editions | XinXii |
| Bestand | Ca. 250.000 | ? | 12.000.000 | 8.000 |
| Kosten | Keine | Keine | Keine | Keine |
| Provision | 45 % | 70 % | 63 % | 70 % |
Bei Apple ist es iTunes Connect , die für mehrere Arten von selbst produzierten Inhalten zur Veröffentlichung im iTunes-Store dient: Musikvideos, Musik und eben auch Bücher. Allerdings wendet sich die Seite zur Zeit noch ausschließlich an US-Bürger: Ohne entsprechende US-Tax-Nummer geht es hier nicht. Zudem ist der Ansturm auf dieses Nadelöhr so groß, dass schon mal Wochen vergehen, bis der Antragsteller eine Reaktion von Apple bekommt.
Die direkten Wege für digitale Selbstverleger
Während Amazon verschiedene Text-Formate zum Upload akzeptiert, möchte Apple für Bücher Texte bereits fertig im ePub-Format bekommen. Diese Hemmschwelle lässt sich aber von Autoren überwinden: Konvertierungstools wie ePuper (nur für Windows) oder Calibre (für Windows, Linux und Mac) sind kostenlos und zumindest für erste verlegerische Gehversuche geeignet.
Wem das immer noch zu umständlich scheint oder größere Ambitionen in Richtung Layout und die Einbindung von Bildern oder Multimedia-Inhalten hegt, für den stehen Dienstleister bereit: Heubach-Media etwa hat seine App-Machine ins Netz gestellt, mit deren Hilfe sich aus Bildern, Comics oder Buch-Texten einfach Apps inklusive Volltext-Suche erstellen lassen. Der Anbieter sorgt für die Prüfung und die Weiterleitung in den App-Store. Sogar Werbung im eigenen Angebot ist möglich zur Finanzierung. Kostenpunkt jeweils: 99 Euro.
Einen anderen Weg geht XinXii : Der Anbieter versteht sich als Marktplatz für Texte und Dokumente einerseits, macht Selbstverlegern den Weg zum eigenen Marktplatz aber ebenfalls einfach und zugleich schmackhaft: Das Online stellen eigener Werke ist kostenfrei, bei Verkäufen bleiben dem Autor 70 Prozent vom Nettoverkaufspreis. Der Publisher kann über Xinxii seine Titel direkt mit sozialen Netzwerken verknüpfen - allerdings existiert keine Chance, die Produkte direkt bei der Konkurrenz mit großer Reichweite (Amazon, Apple) anzubieten.
Dienstleister für professionelles EBook-on-Demand
Angebote wie Textunes wenden sich noch ausschließlich an professionelle Anbieter wie Verlage. Die Betonung liegt hier auf "noch". Denn der Verlagsberater Ehrhardt F. Heinold von Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH rechnet fest damit, dass sich der Markt des Self-Publishing-on-Demand im Bereich E-Books auch in Deutschland noch entwickeln wird.
Gerade seriöse Dienstleister aus dem Sektor des gedruckten Self-Publishing wie Books on Demand - BoD , Lulu oder epubli würden über kurz oder lang EBooks-on-Demand als Service in ihr Portfolio aufnehmen: "Das ist eine logische Weiterentwicklung", argumentiert Heinold.
In Deutschland werde der Markt der E-Books insgesamt, so Heinold weiter, vor allem von Fachautoren und wissenschaftlichen Institutionen getrieben. Ein Beispiel dafür findet sich etwa bei der Universitätsbibliothek München , die Studenten und Wissenschaftlern bereits über 15.500 eBooks bietet.
Self-Publishing als Bedrohung für Buchverlage
Dass den Buchverlagen aus diesem Geschäftsmodell eine Bedrohung erwachsen könnte, glauben deren Vertreter nicht. Obwohl die Entlohnungsmodelle für E-Books etwa bei Amazon (45 Prozent vom Listenpreis), Apple (70 Prozent vom Verkauf) oder Google (63 Prozent für den Autor) durchaus locken. Bei Buchverlagen sind fünf bis zehn Prozent vom Listenpreis für den Autor üblich.Manfred Schneider vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels verweist zum einen darauf, dass der Markt für E-Books in Deutschland "noch klein bis nicht vorhanden ist" - woran die Verlage und ihre Verbands-Vertreter nicht ganz unschuldig sind.
Dennoch hätten die meisten Verlage inzwischen ihren Workflow entsprechend auf PDF- und ePub-Formate umgestellt und bereiteten sich auf einen Markteintritt vor. Aber noch sei eben dort kein Geld zu verdienen, was eine gewisse Zurückhaltung erkläre. Zudem planten Buchverlage langfristiger. Daher sei eventuell zum kommenden Weihnachtsgeschäft mit einem Anstieg von verfügbaren EBook-Titeln zu rechnen. Grundsätzlich sieht Schneider aber die Verlage im Vorteil: Die Erfahrung aus dem Rechte- und Lizenzhandel mache sie stärker gegenüber großen Marktteilnehmern wie eben Apple oder Amazon, so Schneider.
