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Marketing-Onanie: Warum deutsche Unternehmen 20 Cent pro Facebook-Like zahlen

01.06.2012 Bei Facebook bedeuten viele Freunde viel Aufmerksamkeit. Das ist auch für Unternehmen wichtig, die im sozialen Netzwerk präsent sein wollen. Doch sein Netz zu erweitern dauert, und Anzeigen für die Unternehmensseite im sozialen Netzwerk kosten 40 bis 60 Cent - wenn denn ein Nutzer darauf klickt. Spezielle Anbieter bieten eine bequeme und günstige Alternative: Sie verkaufen "Gefällt-mir"-Klicks.

Porno für Social-Media-Marketeers: Der gedrückte Like-Button (Bild: Facebook.de)
Bild: Facebook.de
Porno für Social-Media-Marketeers: Der gedrückte Like-Button
Sie heißen Facebooktausch  , Mysocialclix  , Fanslave   oder Fandealer   und bieten ihren Kunden Facebook-Likes für je rund 20 Cent an. Die Klicks kommen von echten Facebook-Nutzern, die dafür bis zu 5 Cent pro Klick vom Anbieter kassieren.

Mitmachen kann jeder, der bei Facebook angemeldet ist und sich bei einem der Portale einklinkt. Dort gibt es dann mitunter täglich Auftragslisten, die der Facebooker einfach abarbeitet. Computerbild   hat es ausprobiert und unter anderem für Facebooktausch geklickt: Für 237 Likes gab es 254 Punkte. An nur zwei Tagen kamen so etwa 4,60 Euro zusammen. Im Monat sind für fleißige Klicker durchaus zweistellige Beträge drin. Bei den Recherchen fielen dementsprechend Facebook-Mitglieder auf, die regelmäßig für zehn bis fünfzehn Unternehmen pro Minute den "Gefällt-mir"-Knopf geklickt haben - in Einzelfällen rund 500 Likes pro Monat.

Die meisten Freunde-Käufer sind wenig bekannte Künstler und kleine Firmen. Doch auch große Unternehmen sind dabei: Beim Portal Fandealer etwa der Milchriese Hohmann   mit Produkten wie Almette   und Patros  . Gegenüber der Redaktion dementierte Hohmann die Zusammenarbeit mit Fandealer.

Die Premium-Marken Mercedes   und Warsteiner   nutzen wie andere Unternehmen einen zweiten Weg: Sie zahlen über den Anbieter Shareifyoulike Facebook-Nutzern etwa 80 Cent für jedes Werbevideo, das sie mit ihren Freunden bei Facebook teilen. Mercedes und Warsteiner bestätigten den Auftrag. Die Unternehmen sind vom Erfolg der Strategie überzeugt.

Doch der Freunde-Handel hat das Zeug dazu, das Geschäftsmodell von Facebook zu unterwandern: Das gerade börsennotierte Unternehmen verdient vor allem mit Werbung für Facebook-Seiten von Unternehmen Geld. Bei Facebook stoßen die Freunde-Händler daher auf wenig Gegenliebe: "Wir verurteilen Ansätze, die den Handel mit Facebook-Fans betreffen und prüfen solche Hinweise selbstverständlich", so ein Facebook-Sprecher. Der Freunde-Handel hat sogar schon Ebay   erreicht: dort kosten 2000 Freunde aktuell etwa 66 Euro.

Verrät jemand den Auftraggebern mal, dass sie hier ausschließlich für autoerotische Zwecke Firmengelder ausgeben? Wenn ein Marketing-Manager sich auf Firmenkosten einen kostenpflichtigen Porno aus dem Internet herunterlädt, wird er abgemahnt. Wenn er Likes und Fans kauft unverständlicherweise nicht.
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