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Publisher wehren sich: "Web 2.0 ist nicht oberflächlich"
21.11.2007 Laut einer aktuellen Studie bezeichnen deutsche Internetnutzer Web-2.0-Angebote als "oberflächlich und nicht förderlich". Die deutschen Anbieter von Web-2.0-Portalen wollen von diesen Vorwürfen allerdings nur wenig wissen. Publisher von Community-basierten Diensten wie Dealjäger, OneView oder MySpace wollen weiter voll auf die Qualitätskontrolle der eingestellten Inhalte durch ihre Nutzer vertrauen. Eine etwas andere Strategie verfolgt dagegen der Kölner Videohoster Sevenload.
Dealjäger lebt davon, dass Nutzer bei dem Preisvergleich selbst Inhalte einstellen und andere Beiträge kommentieren. Grözinger ist - wie auch die Studie von Nextpractice - davon überzeugt, dass natürlich langfristig die Qualität der Inhalte entscheidend für den Erfolg eines Internetangebotes ist. Als Web-2.0-Publisher deswegen die eingestellten Inhalte seiner Nutzer vor einer Veröffentlichung auf ihre Qualität zu überprüfen, hält er dennoch für den falschen weg.
"Dealjaeger.de setzt genau wie Wikipedia auf die Kontrolle durch andere Nutzer und erzielt so eine sehr gute Qualität bei den Inhalten." Was bei diesem Angebot in der Tat sehr gut funktioniert: Denn wenn ein Nutzer einen noch günstigeren Preis für einen Artikel bei einem anderen Händler findet, wirft er damit automatisch das bislang günstigste Angebot aus dem Rennen."
Carl Marcus Rudert , Geschäftsführer vom Social-Bookmarking-Portal OneView , bemängelt, dass die Studie von Nextpractice nicht differenziert: "Die redaktionelle Qualität von Web-2.0-Diensten ist abhängig vom Zielnutzen", argumentiert er. "Wer in Studentennetzwerken baggern möchte, wird sich nicht um redaktionelle Qualität kümmern und erwartet wohl auch nicht von anderen wissenschaftliche Glanzleistungen". Wer als Nutzer Informationen blind vertraue, müsse sich nicht über Enttäuschungen wundern. Rudert: Die sorgfältige Betrachtung von Quelle und Inhalt waren im Web 1.0, sind im Web 2.0 und werden im Web 3.0 wichtigste Verhaltensregel sein.". In Bookmarking-Communities wie OneView zähle daher vor allem die persönliche Empfehlung durch vertraute Personen. Rudert: "Es geht nicht darum, der Masse zu vertrauen".
Auch MySpace Deutschland will sich den Vorwurf der Oberflächlichkeit nicht gefallen lassen. "Bei MySpace geht es um Kommunikation zwischen den Nutzern und nicht um Konsum von Inhalten", argumentiert Marketing Director Christoph Urban . "Wir beschäftigen daher keine Redakteure und redigieren nicht die Inhalte, die Nutzer auf unsere Plattform stellen."
Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei den deutschen Videohostern. Bei der RTL-Tochter Clipfish etwa wurden allein heute bis 12 Uhr bereits 1.328 neue Videos von Mitgliedern hochgeladen. Zwar setzt der Anbieter bereits heute auf die Kontrolle durch seine Nutzer, die zum Beispiel anstößige Videos bei den Betreibern melden können. Doch wie relevant und qualitativ hochwertig ein Video ist, lässt sich über dieses System nicht bewerten.
Besser macht es da schon die Kölner Sevenload GmbH . Hier können Nutzer eingestellte Videos mit ein bis maximal fünf Sternen bewerten. Ein System wie es bereits bei Youtube oder Amazon zum Einsatz kommt, um die Relevanz von nutzergenerierte durch die Web-2.0-Gemeinde bewerten zu lassen.
Das von der Nextpractice-Studie aber identifizierte Problem, dass das Internet an einer Flut von nutzergenerierten Inhalten "erstickt", wird durch Bewertungssysteme aber nicht gelöst: Schließlich sind auch schlecht bewertete Inhalte nach wie vor online zu finden. Für MyVideo.de kein Problem: "Wir sind eine rein technische Video-Hostingplattform, deshalb werden nutzergenerierte Inhalte weder redaktionell überprüft noch herausgefiltert", erklärt eine Sprecherin.
Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan hält zwar auch wenig davon, Web-2.0-Dienste generell als oberflächlich abzustempeln. Dennoch will er seine Plattform weiter professionalisieren: "In Zukunft wird es darauf angekommen, seine Inhalte bestmöglich dem Konsumenten über die verschiedenen Kanäle zugänglich zu machen."
Für Anfang 2008 ist der Relaunch der Video-Plattform geplant. Konkrete Details zum kommenden Angebot will Evsan derzeit zwar noch nicht verraten. Fest steht aber: "Sevenload soll keine bloße Suchmaschine für Videos sein, wie YouTube es als Paradebeispiel verkörpert." Die Kölner wollen nicht mehr als "reine Abspielplattform für lustige Clips und Fernsehmitschnitte" wahrgenommen werden. Mit dem Relaunch will Sevenload ein "Social Media Network" werden, das mit eigener Community und neuen Bezahlmodellen für Contentinhaber aufwarten wird.
Laut einer Studie von Nextpractice kritisieren deutsche Internetnutzer Web-2.0-Angebote und nutzergenerierte Inhalte als "oberflächlich und nicht förderlich für die eigene Entwicklung" (iBusiness berichtete). Nutzer wünschen sich demnach Online-Angebote, bei denen die Inhalte sorgfältig von einer Redaktion überarbeitet werden. Ohne angemessene Bewertungsmechanismen im Web 2.0 dagegen "ersticke das Internet" laut Nextpractive-Chef Professor Peter Kruse an der Masse der Informationen.
