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Online-Publisher klagen: "Web 2.0 ist kaum vermarktbar"
21.01.2008 Egal ob Xing oder StudiVZ: Sobald Betreiber von Communities ihre Web-2.0-Portale für Werbung öffnen, erregen sie den Unmut ihrer Nutzer. Doch selbst wenn die Zielgruppe friedlich bleibt, kommen unterm Strich nur enttäuschende Klickraten zustande. Weswegen Online-Publisher bei der Web-2.0-Vermarktung umdenken müssen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.
Auch nach Einschätzung Stefan Winner , CEO des Werbevermarkters Tomorrow Focus (u.a. an der Community Holidaycheck beteiligt) reagieren die meisten Web-2.0-Nutzer "empfindlich" auf personalisierte Werbung. "Für 2008 erwarten wir daher niedrigere Kaufpreise für junge Web 2.0-Unternehmen", erklärt er im FAZ-Gespräch. "Die Werbefinanzierung funktioniert nicht so einfach wie erhofft."
Abgeschrieben hat United Internet Media die Vermarktung von Web-2.0-Angeboten dennoch nicht, wie das Beispiel Unddu zeigt. Die hauseigene Community von Web.de konnte im Januar Panasonic als Werbekunden gewinnen. Doch statt Bannerwerbung setzt der Unterhaltungselektronik-Konzern auf nutzergenerierte Inhalte.
Mitglieder der Community sind dazu aufgerufen, das Jahr 2008 in Form einer ganz persönlichen digitalen Foto-Chronik zu dokumentieren. Die Community wählt dann jeweils ein 'Foto des Tages'. So entsteht aus den 366 Bildern des Tages eine digitale Jahres-Chronik des Jahres 2008, die nach Ende der Aktion als gedruckter Bildband erscheint. Panasonic verlost unter allen Teilnehmern attraktive Sachpreise wie Digitalkameras.
"Wie erfolgreich Online-Werbung in Networks ist, hängt von einer intelligenten Einbindung der Werbung ab", argumentierte bereits Daniel Grözinger , Geschäftsführer der Web-2.0-Dienste Dealjäger und Verwandt.de im iBusiness-Gespräch. Grözinger rät Community-Betreibern daher, "intelligente Online-Werbung" anzubieten: So plant Verwandt.de etwa, dass ein Nutzer Werbung bekommt, sobald zum Beispiel seine Oma aus Hamburg Geburtstag hat. Beworben werden könnte dann etwa ein Bildband mit Aufnahmen aus der Hansestadt.
Die Klagen der deutschen Online-Publisher kommen nicht unerwartet. Hatten doch die beiden Social-Network-Platzhirsche Xing und StudiVZ in den vergangenen Woche gezeigt, dass Nutzer schnell allergisch auf Bannerwerbung reagieren. Xing etwa kündigte im vergangenen November an, ab 2008 auch Geld über Online-Werbung verdienen zu wollen. Als dann aber auch Premium-Mitglieder auf ihren Profil- und Suchergebnisseiten Werbung zu sehen bekamen, rebellierte die zahlende Kundschaft. Anfang Januar hatte das Business Netzwerk daher sein Portal für Premium-Mitglieder wieder von Werbung befreit. "Wir bedauern sehr, dass wir die Situation falsch eingeschätzt haben", entschuldigte sich Xing-Gründer Lars Hinrichs.
Bei StudiVZ wiederum müssen die Mitglieder bis spätestens Ende März neuen AGBs zustimmen, nach denen ihnen der Community-Betreiber personalisierte Werbung auf Basis ihrer Profil- und Nutzungsdaten anzeigen darf. Wer den neuen Konditionen nicht zustimmt, hat zu seinem Profil und seinen Nachrichten keinen Zugang mehr. Die AGB-Änderung verprellte schnell die Nutzer, ein "Schnüffelvorwurf"(iBusiness berichtete) machte die Runde.
Und noch immer rebellieren die Nutzer. Wie die Berliner Morgenpost heute meldet, haben sich mehr als 20.000 StudiVZ-Mitglieder in Protestgruppen zusammengeschlossen und fälschen ihre Profildaten: unter anderem mit falsch angegeben Personennamen. Unter dem Motto "Dein richtiger Name ist uns wichtig" will StudiVZ nun in Rundschreiben verhindern, dass sich Nutzer unter falschen Namen registrieren. Kopfzerbrechen dürfte die Aktion Eigentümer Holtzbrinck dennoch kaum bereiten:
Bei 4,5 Millionen Nutzer hat StudiVZ nur mit einem Anteil von 0,44 Prozent meuternder Nutzer zu kämpfen.
Bereits in Ausgabe 20/2007 des Multimedia-Trendletters iBusiness Executive Summary kam eine iBusiness-Analyse zu dem Ergebnis, dass Mitglieder einer Web-2.0-Community kaum auf klassische Online-Werbung reagieren und lieber chatten oder Fotos hochladen. So lag damals beispielsweise die durchschnittliche Banner-Klickrate bei Facebook bei gerade einmal 0,04 Prozent.
Auch die vergleichsweise geringen TKPs bei deutschen Web-2.0-Diensten zeigen, dass die Werbeeinnahmen auf Social Networks deutlich unter denen von traditionellen Internetangeboten liegen. Zum Vergleich: Während der TKP für einen Skyscraper auf einer personalisierten Startseite bei StudiVZ nur 15 Euro beträgt, verlangt T-Online nach Angaben von Vermarkter Interactive Media in der Regel 55 Euro für eine Skyscraper-Buchung in den einzelnen Themen-Channels.
Zu: Online-Publisher klagen: "Web 2.0 ist kaum vermarktbar"
Hier
http://www.ibusiness.de/aktuell/db/645824sr.html
gab es einen treffenden Hinweis:
3. Nach Möglichkeit schreibt die Web-Company schwarze Zahlen oder ist zumindest nachweislich auf dem Weg dorthin. Einnahmen, die nicht nur auf Werbung beruhen, sind ein gutes Zeichen.
[Original: http://www.ba-frm.de/files/pi0705ms_ba-frm_web_2.0_erfolgsfaktoren-_pi-122-2_.doc]
Web.2.0-Nutzer sind meist Privatleute. Da ist das Web.3.0, das Firmenprozesse ins Web verlagert und werbefrei finanziert wird, viel spannender - und für die Kunden auch relevanter als die x-te Online-Community.
Am: 21.01.2008
Zu: Online-Publisher klagen: "Web 2.0 ist kaum vermarktbar"
Die Akzeptanz der User für Banner-Werbung ist meist gegeben. Die User wissen, dass sich eine große Community nicht zum Nulltarif betreiben läßt. Sie akzeptieren daher auch ein gewisses Maß an (nicht-personenbezogener) Werbung.
Man kann sich nur über die Gedankengänge von bestimmten Investoren wundern: Wer ein Geschäftsmodell auf dem Ausschlachten von persönlichen Daten aufbauen will, muss und soll auch scheitern.
Klickraten:
Die Klickraten von Forenwerbung sind deshalb meist etwas niedriger, da ein User auf Foren mehr Seiten absurft als auf Portalen. Wird Werbung dort aber "state-of-the-art" ausgeliefert, z.B. mit Frequency-Capping (ein Banner wird einem User während einer Kampagne z.B. nur 5 x angezeigt), erhöht diese die Werbeeffizienz. Zusammen mit der themennahen Buchung und den i.d.R. günstigen Preisen, erhält man sehr effektive Werbeleistung.
siehe:
http://openpr.de/news/166038/Klickzahlen-von-Communities-veroeffentlicht.html
