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Die Zeichen stehen auf Internet-Blase

24.07.2015 Wenn die Investoren gierig werden und die Mitarbeiter den Jobhopping-Tanz ums Goldene Kalb starten, die Firmenbewertungen durch den Kamin gehen und die Vernunft über Bord: Dann ist Blasenzeit. Warum es inzwischen von 'Digitaler Transformation' zu 'New Economy' nur noch ein kleiner Schritt ist.

Auch diese Blase wird platzen. Wie jede vor ihr. (Bild: Clemens Löcker)
Bild: Clemens Löcker
Bild: Clemens Löcker unter Creative Commons Lizenz by-sa
Auch diese Blase wird platzen. Wie jede vor ihr.

HANDLUNGSRELEVANZ

 
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heute
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Was zu tun ist:
Heute: Nicht an die New Economy glauben
Morgen: Über den Plänen für die Zukunft nicht die Gegenwart vergessen
Übermorgen: Wissen: "Spannend ist nicht, was sich verändert, sondern was gleich bleiben wird"
Haben Sie es auch schon gespürt? Dieses komische Gefühl, im falschen Film zu sitzen, wenn ein defizitäres Mitfahrervermittlungsportal   höher bewertet wird als das Bruttosozialprodukt von so manchem Kleinstaat? Wenn Apple   an den Börsen der Welt als wertvollstes Unternehmen der Welt gehandelt wird mit 559 Mrd. Dollar obwohl es vom Umsatz gerade mal auf Platz 15 und in der Forbes-Global 2000   (der Kombination von Umsatz, Nettogewinn, Aktiva und Marktwert) nur Platz 12 schafft? Oder wenn ein Automobilhersteller wie Tesla Motors  , der noch nie in seiner Konzerngeschichte auch nur einen einzigen Dollar verdient hat, halb so viel wert sein soll wie Volkswagen  , selbst wenn er nur drei Prozent von dessen Umsatz macht?

Ich befürchte, die schlechte Nachricht des Jahres 2015 lautet: "Wir haben wieder eine Blase." Und zwar eine Digitale-Transformationsblase, die alle Anzeichen der New-Economy-Phantasien der Jahrtausendwende hat:
  • In der über soziale Netzwerke und schicke Zukunftskonferenzen immer öfter die Überzeugung transportiert wird, dass wieder alles, was wir in der Vergangenheit getan haben, in der ganz nahen Zukunft fortgefegt wird von den neuen coolen Einhorn-Start-ups.

  • In der unterschwellig die Hoffnung entsteht, dass aus der Asche der Digitalen Transformation eine New Economy entsteigt.

  • In der wieder die vierzigjährigen Entscheider an den Lippen der Twentysomethings hängen - weil die doch jung sind - und damit per Definition kompetent in dieser immer komplizierteren digitalen Welt

Sie saugt auch intelligenten Menschen das Hirn weg: Die Digitaltransformationsblasengier (Bild: BenduKiwi)
Bild: BenduKiwi
Sie saugt auch intelligenten Menschen das Hirn weg: Die Digitaltransformationsblasengier

Diese neue Blase saugt immer mehr eigentlich intelligenten Menschen das Hirn weg - und lässt sie in den Gier-Modus schalten. Im Silicon Valley warnen sie längst vor der überhitzten Start-up-Mania rund um Vermittlungsportale  

Überall ist schon wieder viel zu viel Geld

Wir haben mittlerweile Unternehmensbewertungen, bei denen die Milliarden nur so purzeln - und wir haben - das hat die aktuelle iBusiness-Jobanalyse (Internet-Recruiting: "Programmierer und Designer verzweifelt gesucht") hergeleitet - immer mehr Jobangebote, die auch loyale Mitarbeiter mehr als nur zweimal nachdenken lassen. Die Blase hat längst den deutschen Dienstleistermarkt erreicht: Noch nie haben wir so viele Interaktiv-Stellenanzeigen gezählt wie in diesem Juli 2015. Und auch der ZAW   zählt in seiner Stellenanalyse für das erste Halbjahr 2015 mit 2.230 so viele Stellenanzeigen von Kommunikationsberufen wie nie zuvor. Gleichzeitig sehen wir in unserer Analyse, dass die Standzeit von Stellenanzeigen sinkt: Was bedeutet, dass das Personalkarussell sich immer schneller dreht, dass immer mehr Mitarbeiter aus laufenden Verträgen herausgekauft werden und dass ganze Agenturen übernommen werden, nur um an das dort beschäftigte Personal zu kommen.

Die globale New-Economy-Blase wird hierzulande durch die deutsche Sonderkonjunktur noch zusätzlich befeuert, weil wir uns anders als in anderen Ländern um Arbeitslosigkeit und Insolvenzen wenig Gedanken machen müssen.

Die gute Nachricht: Die Blase wird nicht so schlimm. Vielleicht.

Die gute Nachricht ist aber wahrscheinlich, dass die Blase wohl nicht so schlimm werden wird wie die erste New-Economy-Blase. Denn es ist inzwischen nicht nur Phantasie, sondern auch viel reales Geschäft damit verbunden. Die Blase wird also nicht mit einem lauten Knall platzen wie ein Luftballon, in den man eine Nadel sticht. Aber ein unangenehm-quietschendes Geräusch, wenn die Luft aus dem Ballon entweicht - das ist nicht ausgeschlossen.

Selbst wenn die nächste Krise im Internet-Umfeld vor allem Börsenwerte und VC-Investments vernichten wird: Sie wird kommen und wird auch die Umsätze von Interaktiv-Unternehmen treffen. Und sie kann schneller kommen, als erwartet.

Deswegen halte ich es gerade in guten Zeiten wie diesen für unabdingbare Aufgabe eines Geschäftsführers, sein Unternehmen krisensicher zu machen. Rücklagen zu bilden. Kosten nicht ins Kraut schießen zu lassen. Mit Augenmaß zu investieren. Und vor allem: Nicht an die New Economy zu glauben.
Thema: Die Zeichen stehen auf Internet-Blase

Kommentar von Joachim Graf

Wann die nächste Internet-Krise Sie treffen wird

Ich weiss, Sie hören es nicht gerne. Aber Sie sollten jetzt vorsorgen für die kommende Krise. Hier der Beweis:

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Hauptberuflich Unke: iBusiness-Herausgeber Joachim Graf (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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Von:
Am: 24.07.2015

Zu: Die Zeichen stehen auf Internet-Blase

Wieder mal ein schöner, treffender Artikel, noch zudem mit Lovecraftscher Illustration. Vermutlich ist der digitale Weltuntergang tatsächlich eher dem Fantasy/Horror zuzurechen.
Aber die steigende Zahl von Kultisten ist stets alarmierend und hier wunderbar analysiert.
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