Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Strategieanalyse Uber: Wie das Start-up die Zukunft der Logistik bestimmt
02.10.2015 Die Antwort auf die Frage, ob Uber liefern kann, ist ganze 51 Milliarden Dollar wert. Denn so viel kostet das teuerste Start-up der Welt zurzeit. Doch während sich Analysten einig sind, dass Uber die Zukunft von Logistik und Transport ist, legen Gerichte und Staaten weltweit dem Unternehmen Steine in den Weg. Vier Zukunftsszenarien zeigen, wie sich die Logistik durch die Transportplattform ändert und ob Uber das Next Big Thing oder nur eine Luftnummer ist.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
Das scheint nicht nur er zu denken. Auch die unzähligen Kunden, die äußert spendablen Investoren und die inzwischen zahlreichen Fahrer weltweit glauben an den Erfolg. Denn die Zahlen sind auf Ubers Seite:
- Uber gibt es aktuell in rund 300 Städten in 70 Ländern auf sechs Kontinenten.
- 2014 hat Uber nach eigenen Angaben 140 Millionen Fahrten vermittelt. Ende des vergangenen Jahres waren es durchschnittlich eine Million Fahrten pro Tag.
- Eine aktuelle Anzahl der aktiven Fahrer gibt Uber auch auf Anfrage nicht heraus. Aber einige ältere Zahlen lassen die Größe des Fahrer-Pools erahnen: Im Dezember 2014 sind in den USA allein 160.000 Personen aktiv für Uber gefahren. Jeden Monat kommen weltweit durchschnittlich 50.000 neue Fahrer hinzu (Stand Ende 2014). Laut der Washington Post verdoppelt sich die Zahl der neuen Fahrer pro Monat jedes halbe Jahr. Die Zahl dürfte sich also schon längst im siebenstelligen Bereich bewegen.
- Die Investoren von Uber sind Goldman Sachs , Google Ventures , Menlo Ventures , Benchmark , Lowercase Capital und First Round Capital . Nach der letzten Investment-Runde im August 2015 wird Ubers Wert auf rund 51 Milliarden Dollar geschätzt. Damit führt das Unternehmen die Einhorn-Liste des Billion Dollar Startup Clubs - der Unicorns oder Einhörner - des Wallstreet-Journals an.
- Laut einer internen Präsentation, die Reuters vorliegt, geht Uber davon aus, dass die Buchungsumsätze dieses Jahr 10,84 Milliarden Dollar hoch sein werden. Eine Verdreifachung im Vergleich zu 2014 (2,91 Milliarden Dollar). Da Uber 20 Prozent der Buchungen einbehält, wird der diesjährige Unternehmensumsatz auf 2 Milliarden Dollar geschätzt. 2016 will Uber Fahrten im Wert von 26 Milliarden Dollar vermitteln. Gewinn macht das Start-up damit allerdings nicht.
- Laut der internen Präsentation strebt Uber in den kommenden 24 Monaten den Börsengang an.
Ubers Landkarte der rechtlichen Probleme
Das alles geht aber nicht ohne Verluste. Travis Kalanick kann noch unzählige Male versichern, dass er viele neue Jobs schafft, dass auch Menschen mit wenig Zeit sich nebenbei Geld verdienen und ihr eigener Boss sein können oder dass die Sicherheit von Taxifahrern und -passagieren durch die Echtzeitverfolgung der Fahrzeuge steigt.Die Kritik an Uber ist weiterhin groß. Und das nicht nur in Deutschland. Uber hat unter anderem in Frankreich, Indien, Thailand, den Niederlanden und Großbritannien Gerichtsverfahren am Hals. Der wichtigste Kritikpunkt ist, dass Uber seine Fahrer nicht wie Angestellte behandelt, sondern wie Selbstständige, denen das Unternehmen nur die Fahrten vermittelt. Das zieht mit sich, dass die Fahrer unter Umständen keine nach dem Recht erforderlichen Fahrerlizenzen besitzen, dass sie von Uber nicht auf ihre Tauglichkeit geprüft werden oder dass sie sich nicht unbedingt an die örtlichen Gesetze für die Personenbeförderung halten. Uber ist das Paradebeispiel einer Externalisierungs-Strategie: Sich die Rosinen aus Geschäftsmodellen herauspicken und die unangenehmen Dinge (Krankenversicherung beispielsweise) der Rest-Gesellschaft überlassen.
In Deutschland wurde UberPop im März dieses Jahres verboten, weil die Fahrer gesetzeswidrig ohne Lizenz fuhren. Daraufhin stellte das Unternehmen den Dienst im Mai ein und startete als Alternative UberX. Damit wolle man "die wesentlichen Kritikpunkte der bisherigen rechtlichen Diskussion" aufnehmen und sich "an die bestehende Regulierung in Deutschland anpassen". Laut Uber werden nur noch Fahrten vermittelt, die durch lizenzierte Mietwagenunternehmen durchgeführt werden. Alle Fahrer sollen über einen Personenbeförderungsschein verfügen. Daher unterscheiden sich die Preise hierzulande nun auch nicht mehr so deutlich von normalen Taxi- oder Funkmietwagenpreisen - der Vorteil schrumpft.
Ein kalifornisches Urteil könnte für Uber alles ändern
Einen herben Rückschlag hat Uber im Heimatland USA erlitten. In Kalifornien hatte eine ehemalige Fahrerin das Unternehmen verklagt, weil sie Kosten für Autoreparatur, Benzin und mehr erstattet haben wollte. In der Tat entschied die Labor Commission, dass Uber seine Fahrer als Angestellte behandeln müsse und nicht als unabhängige Auftragnehmer. Die Fahrer müssten somit sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden - und Uber sollte die Ausgaben der Fahrerin übernehmen, berichtet das Manager Magazin . Die Begründung des Gerichts: Bei Uber handele es sich nicht nur um eine einfache Vermittlung, denn Uber kontrolliere die Funktionen, die die Fahrer in Anspruch nehmen würden. Zum Beispiel wirft das Unternehmen die Fahrer raus, wenn sie zu schlechte Bewertungen erhalten.Urteile wie diese könnten das Geschäftsmodell von Uber nachhaltig bedrohen. Besonders spannend wird der Ausgang einer Sammelklage, die kalifornische Fahrer gegen Uber eingereicht haben. Auch sie fordern , als Angestellte des Unternehmens eingestuft zu werden statt als Auftragnehmer. Ein Bundesbezirksrichter hat dem Antrag bereits stattgegeben, das Verfahren als Sammelklage einzustufen.
Mindestens genauso spannend werden die zukünftigen Strategien von Uber sein. An einigen aktuellen Aktivitäten lassen sich bereits zukünftige Ambitionen erahnen. So arbeitet Uber in Sachen selbstfahrende Autos mit Universitäten zusammen: Zuerst gab es eine Kooperation mit dem Robotik-Labor der Universität Carnegie Mellon in Pittsburgh, die als Vorreiter für autonomes Fahren gilt und der Uber auf einen Schlag 40 Wissenschaftler abgeworben hat. Im Sommer ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit der Universität von Arizona ein. Hier geht es um Karten und optische Sensoren. Außerdem hat das Unternehmen einen Teil von Microsofts Kartentechnik gekauft. Der Deal umfasst ein Rechenzentrum in Colorado sowie Kameras und Patente, schreibt Recode - wichtige Zutaten, wenn man selbstfahrende Autos bauen will. Und das will Uber.
Erst im September sagte Travis Kalanick laut Guardian auf einer Konferenz, dass selbstfahrende Autos ein Teil von Ubers Expansionsplänen in der Transportindustrie seien. "Wir wollen nicht wie die Taxi-Typen vor uns werden, wir gestalten die Zukunft selbst." Durch autonomes Fahren könnten viele Menschenleben im Straßenverkehr gerettet und Staus verhindert werden, lobt er die Technik. Ganz nebenbei würde es auch sein Problem mit den Sozialversicherung fordernden, Klagen einreichenden und lizenzpflichtigen menschlichen Fahrern lösen. Und langfristig günstiger wäre es vermutlich auch.
Ubers Logistik-Pläne und erste ECommerce-Kooperationen
Gleichzeitig streckt Uber seine Fühler in Richtung Warenlogistik aus. Bereits im Oktober könnte das Start-up einen Same-Day-Delivery-Dienst für Händler starten. Anonymen Quellen zufolge, die Recode zitiert, habe es bereits Tests gegeben und der Dienst können jeden Moment live gehen. Etliche Retailer aus New York wären bereits an Bord. Außerdem gab es Gerüchte, dass Uber über eine API an die Handels-Software von Bigcommerce und Shopify angeschlossen werde, sodass Händler, die diese Webseiten und Apps nutzen, die Lieferung durch Uber einfach mit anbieten könnten. Damit würde Uber die bisherigen Logistikdienste wie UberCargo und UberEssentials auf ein neues Level heben.Potenzial für einen Logistikdienstleister auf hohem Niveau hat Uber definitiv. Mit seinem weltweiten Netz an inzwischen hunderttausenden von Fahrern könnte das Start-up zum Logistik- und Transport-Konzern werden, der überall auf der Erde zahlreiche Fahrzeuge auf der Straße hat, die auf Bestellung Waren zum Empfänger transportieren. Travis Kalanick betont immer wieder, dass es durch die richtige Organisation und Routenoptimierung viel Einsparpotenzial bei Fahrzeugen und Strecken gebe. Außerdem weiß er über die Standortfunktion der App jederzeit, wo sich seine Empfänger aufhalten. Wenn Kalanick seine Fahrer zu effizienten Logistikexperten ausbildet, die Menschen sowie Güter transportieren und ihre Routen über eine Software in Echtzeit planen, könne die Lieferung nicht nur abhängig vom Ort des Empfängers in Echtzeit angepasst werden. Durch clevere Auslastung würde sogar der Preis überschaubar bleiben.
Vier Szenarien für die Zukunft von Uber
Laut Kalanicks Zukunftsvision gewinnen am Ende alle: Die Fahrer, weil es mehr Jobs für sie gibt und sie besser verdienen sollen. Die Passagiere, weil sie weniger im Stau stehen, schneller von A nach B kommen, während der Fahrt Zeit für andere Dinge haben, keinen Parkplatz mehr suchen müssen, sich das Geld für ein eigenes Auto sparen und Waren schneller geliefert bekommen. Und nicht zuletzt die Städte durch weniger Autos auf den Straßen, weniger benötigte Parkplätze, niedrigere Kosten für öffentliche Verkehrsmittel und zufriedenere Einwohner. Am allerallermeisten aber würde wohl Travis Kalanick von diesem rosaroten Zukunftsszenario profitieren.Für die Zukunft von Uber ergeben sich neben diesem drei weitere Szenarien:
| Szenario 1: Sieg der Algorithmen | |
|---|---|
Im Bereich Personentransport wird Uber eine Taxi-App unter vielen. Denn Uber verliert immer mehr Gerichtsverfahren und muss in Bezug auf Anstellung seiner Fahrer oder Fahrerlizenzen teure Zugeständnisse machen. Dadurch kommt es in immer mehr Ländern wie in Deutschland: Uber wird teurer - und der Vorteil am Markt immer kleiner. Auf autonomes Fahren kann das Unternehmen die nächsten zwanzig Jahre nicht bauen, denn die Technik zu perfektionieren und die Fahrerlaubnisse zu erhalten, zieht sich noch viele Jahre hin. Seine Vorteile kann Uber dagegen vor allem in der Logistik ausspielen. Denn das Unternehmen kann über seine intelligente Software Transport- und Lieferwege optimal kombinieren und die Routen in Echtzeit an den Aufenthaltsort des Empfängers anpassen. Personen- und Paket-Beförderung zu vereinen, gelingt Uber nicht, denn Passagiere wollen einfach nicht in einem Auto voll Päckchen sitzen und auf dem Weg nach Hause noch fünfmal anhalten, um Pizza und Schuhe zuzuliefern. So revolutioniert Uber die Logistik ein Stück weit - allerdings nicht allein. Denn zum Beispiel Amazon wird zum größten Konkurrenten für die Lieferung auf die letzte Meile. | |
| Wahrscheinlichkeit: |
40%
|
| Szenario 2: Zweigeteilte Uber-Welt | |
|---|---|
| Die Industriestaaten wie Deutschland, Frankreich und die USA sträuben sich erfolgreich gegen eine Überrennung von Uber. Entweder der Dienst wird komplett verboten oder aber die Auflagen werden so teuer für Fahrer und Unternehmen, dass sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Daher zieht sich Uber aus der westlichen Welt mehr und mehr zurück. Aber viele Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas nehmen Uber mit Handkuss an. Das Arbeitnehmerrecht dort ist laxer und die Tendenz, sich mit einem kleinen Ein-Mann-Betrieb selbstständig zu machen, größer. Außerdem ist die Thematik der Versicherungen und Lizenzen dort weniger schwierig. Hinzu kommt vor allem in Ländern Afrikas und Lateinamerikas das Thema Sicherheit. Da die Fahrer und Kunden bekannt sind und in Echtzeit verfolgt werden können, brauchen sich beide Seiten weniger Sorgen um Überfälle, Vergewaltigungen und Diebstahl zu machen. Nicht zuletzt die günstigen Preise machen Uber attraktiv. Daher wird das Start-up dort erfolgreich, während es in vielen westlichen Ländern von der Bildfläche verschwindet. | |
| Wahrscheinlichkeit: |
20%
|
| Szenario 3: Travis' rosarote Uber-Welt | |
|---|---|
Kalanicks Zukunftsvisionen werden größtenteils wahr und Uber wird das weltweit größte Logistik- und Transportunternehmen. Die Länder und Städte erkennen die Vorteile durch Uber und heben ihre Verbote auf. Die Fortbewegung der Menschen steht immer mehr im Zeichen der Shareconomy. Uber wird, wenn auch neben dem öffentlichen Nahverkehr und Car- oder Bikesharing, zum unverzichtbaren Fortbewegungsmittel in den Städten. Auch die letzte Meile der Logistik wird hauptsächlich von Uber übernommen. Nur den Transport der Waren zwischen den Logistikzentren übernehmen andere Logistikunternehmen. Aber die Päckchen zum Endkunden bringt Uber. Dafür hat das Unternehmen sein Liefersystem empfängerzentriert ausgerichtet. Durch die optimale Auslastung der Fahrer und die Echtzeitanpassung der Routen ist die Lieferung nicht teurer als heute. Gleichzeitig funktioniert die Zustellung wesentlich besser. In der Tat wird der Verkehr auf den Straßen weniger und im nächsten Schritt kann die Infrastruktur für Autos reduziert werden. Das rentiert sich vor allem in bevölkerungsreichen asiatischen und afrikanischen Städten mit extremem Platzmangel. Weil Uber immer mehr auf autonom fahrende Autos setzt, können die Preise weiter optimiert werden. | |
| Wahrscheinlichkeit: |
7%
|
| Szenario 4: Der große Flop | |
|---|---|
Kalanicks baut sein Unternehmen erst mal fleißig weiter aus. Immer mehr Städte, Fahrer und Kunden kommen hinzu. Und mit ihnen immer mehr Gerichtsverfahren wegen Arbeitsbedingungen, fehlenden Lizenzen und mehr. Uber sitzt sie erst einmal aus und sammelt gleichzeitig weitere Investitionen, bis es schließlich an die Börse geht. Doch nach einem fulminanten IPO kommen immer neue Fragen nach einem soliden und vor allem rechtlich abgesicherten Geschäftsmodell. Denn Uber verliert immer mehr Gerichtsverfahren und wird in immer mehr Ländern verboten. Außerdem kommen Konkurrenten auf den Markt, die ebenfalls clevere Logistiksoftware entwickeln. In Zukunft können immer mehr Unternehmen weltweit Logistikrouten optimieren und so Mitfahrer und Güter passgenau transportieren und abliefern. Ein Beispiel im Paketgeschäft ist der Versandhändler Amazon, der eine intelligente kundenzentrierte Logistik in seinen wichtigsten Märkten aufbaut. Deshalb wird Uber in Zukunft nur noch eines unter vielen Transportunternehmen sein und die einstige Unternehmensbewertung war total überzogen. | |
| Wahrscheinlichkeit: |
33%
|


