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Werden Sie schneller, Seller!

06.07.2016 Amazon hat so viele Eisen im Feuer, dass es kaum absehbar scheint, ob sich langfristig die Seller- oder die Vendor-Beziehung als die tragfähigere erweist. Sicher ist nur: Derzeit haben Seller die höhere Flexibilität und einen strategischen Vorteil. Der könnte sich noch als wichtig erweisen.

Dominik Grollmann, iBusiness-Analyst (Bild: Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
Dominik Grollmann, iBusiness-Analyst
Keine Frage: In den vergangenen 24 Monaten ist Amazons Marktplatz besonders kräftig gewachsen. Nach dem veritablen Flop mit seinen Fire-Phones und Tablets, scheint Jeff Bezos hier ein echtes Erfolgrezept gefunden zu haben.

Ob sich aus dieser Entwicklung aber eine langfristige Strategie ableiten lässt, ist fraglich. Denn zugleich investiert Amazon auch eine Menge Geld in Projekte, die in die gegenteilige Richtung weisen. Die Amazon Dash-Buttons beispielsweise folgen dem Amazon-ist-Händler-Konzept, der Internet-Lautsprecher Echo ebenfalls und mit dem Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh schließt Amazon ein ganz neues Segment für den E-Commerce auf - ebenfalls als Händler.

Zugleich positioniert sich Jeff Bezos als Medienmogul, der neben seinen Streaming-Diensten auch Bücher verlegt, Filme produziert und sogar eine Zeitung (Washington Post) herausgibt. Zudem führt er eine Art Shopping-Club (Amazon Prime) und tritt in vielen Produktkategorieren selbst als Hersteller auf.

Nein, Jeff Bezos' Strategie ist nicht so leicht zu fassen. Sie scheint am ehesten darin zu liegen, vieles auszuprobieren. Selbst gegensätzliche Konzepte. Funktioniert eine Lösung, findet Bezos ein Geschäftsmodell dazu. Funktioniert auch das, fügt sich das neue Teil ins Amazon-Imperium.

Auf diese Weise ist aus der internen IT die anspruchsvolle Service-Sparte AWS (Amazon Web Service) geworden, die nicht nur an dritte Business-Partner vermarktet wird, sondern als Cloud-Lösung auch Teil des Prime-Programms ist, mit dem Amazon wiederum sein Endkundengeschäft beflügelt.

Insofern lässt sich schwer vorhersagen, ob das Marktplatz-Modell wird auf Dauer das überlegene Handelsmodell sein wird, oder ob Amazon in Zukunft radikale Änderungen vornehmen wird. Fest steht aber: Im Moment genießt der Seller gegenüber dem Vendor viele Freiheiten und viele Marken, Hersteller und Händler sollten den strategischen Vorteil nutzen, eigene Kundenbeziehungen aufzubauen. Denn fest steht auch: Jeff Bezos ist ein gnadenloser, äußerst machtbewusster Geschäftsmann. Er wird das Marktplatzgeschäft am Ende zu seinen Gunsten zu nutzen wissen. Deswegen sollten Händler immer die nötige Portion Vorsicht - und einen eigenen Kundenkontakt - mitbringen.
Thema:

Amazon-Marktplatz: Neue Chancen und alte Gefahren für Marken, Hersteller und Importeure

Mehr als 20 Prozent des gesamten deutschen ECommerce-Umsatzes werden bereits heute über Amazons Marktplatz erwirtschaftet. iBusiness hat analysiert, wie neben Händlern auch Marken, Hersteller und Importeure profitieren können - und welche Gefahren drohen.

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Marktplatz in Verona: Stimmt das Ambiente, klingelt auch die Kasse. Sollte auch bei Amazon funktionieren. (Bild: christophkugler / pixabay.com)
Bild: christophkugler / Pixabay
Marktplatz in Verona: Stimmt das Ambiente, klingelt auch die Kasse. Sollte auch bei Amazon funktionieren.

Kommentar von Dominik Grollmann

Werden Sie schneller, Seller!

Amazon hat so viele Eisen im Feuer, dass es kaum absehbar scheint, ob sich langfristig die Seller- oder die Vendor-Beziehung als die tragfähigere erweist. Sicher ist nur: Derzeit haben Seller die höhere Flexibilität und einen strategischen Vorteil. Der könnte sich noch als wichtig erweisen.

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Dominik Grollmann, iBusiness-Analyst (Dominik Grollmann)
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