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iBusiness Executive Briefing vom 26.3.2024

Klein-Klein - So sieht die Zukunft der Mobilität wirklich aus

26.03.2024 Überschallflugzeuge, Robobusse und Lieferdrohnen könnten alltägliche Realität werden - nicht morgen, vielleicht aber in zehn Jahren. Vollautonome Privatautos sind dagegen bereits Geschichte.

So sieht die KI unsere Städte im Jahr 2040: insgesamt weder beruhigend noch zu erwarten. (Bild: Bing Image Creator)
Bild: Bing Image Creator
So sieht die KI unsere Städte im Jahr 2040: insgesamt weder beruhigend noch zu erwarten.
Angefangen hat es mit großen Visionen, doch dann kam die Realität und die Luftballons platzten einer nach dem anderen. Statt einer Revolution im Verkehr - Roboterautos auf den Straßen und fliegender Individualverkehr darüber - deuten jetzt alle Entwicklungen auf eher kleine und punktuell wirksame Reformen hin. Autonomes Eingreifen des Autos in bestimmten Situationen, vielleicht selbstständiges Dahinkriechen im Stop-and-Go-Verkehr auf der Autobahn, möglicherweise Lieferdrohnen im B2B-Bereich auf Kürzeststrecken und Elektrohubschrauber für die Happy Few, das sind momentan die am weitesten reichenden Träume. Science Fiction ade.

Umso erstaunlicher wirkt da der plötzliche Boom von Startups, die den Überschallflug wieder en vogue machen wollen. Boom Supersonic   will Anfang der 2030er Jahre wieder so schnell sein wie die Concorde und die Strecke London-New York in der halben Zeit wie heute üblich zurücklegen. Das Schweizer Unternehmen Destinus   plant für 2026 gar den ersten Testflug in der Region von Mach 5, also der fünffachen Schallgeschwindigkeit. 2030 will Destinus mit der Produktion eines Hypersonic-Fliegers beginnen, angetrieben mit Wasserstoff. Auch Hermeus   hat Mach 5-Pläne, womit New York von Paris aus in 1,5 Stunden erreicht wäre. Und die NASA   arbeitet an einem leisen Überschallflugzeug, also eines ohne großen Knall.

Träumereien wie die vom autonomen Fahren? Das hat sich ziemlich klammheimlich, aber entschieden aus dem Rennen um die große Zukunft verabschiedet und ist gerade dabei, mit kleineren Brötchen Geld zu verdienen. In Los Angeles fährt die Google-Tochter Waymo   gerade ihre ersten Kilometer in freier Wildbahn - also auf den öffentlichen Straßen der Stadt, wenn auch nicht auf den Freeways. Dazu ist ihr Bewegungsspielraum auf nur wenige Quadratkilometer beschränkt. Und der Flughafen zählt nicht zu den erlaubten Zielen. Roboautos übernehmen die Städte? Sieht nicht so aus. 50 Waymos sind in Los Angeles derzeit erlaubt.

Von ganz anderen Dimensionen wird derzeit in Hamburg geträumt. 10.000 fahrerlose Kleinbusse sollen 2030 durch die Stadt fahren, als eine Art Moia  -Taxis, die per App gebucht werden können. Erste Tests könnte es bereits im nächsten Jahr geben. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt mit 26 Millionen Euro.

Der nächste Traum, der unweigerlich platzen wird? Erfahrungen des Logistikunternehmens Dachser   lassen leider nichts anderes erwarten. In Langenau lief kürzlich ein Test aus, bei dem Lkws von allein Auflieger von A nach B transportieren und dort ankuppeln sollten. Das klappte, lief aber viel zu langsam ab. Die Leistung: ungenügend. Die Kosten: zu hoch. Nur 60 Prozent eines Fahrers leistete der autonom agierende Lkw. Dabei hatte die Firma extra eine Lösung entwickeln lassen, um die Fahrzeuge mit 20 km/h über den Hof fahren zu lassen. Vorgesehen waren 8 km/h. Damit hätte sich jede Wirtschaftlichkeit erledigt gehabt.

In Lüdenscheid fliegen derzeit Transportdrohnen   zwischen den Firmen Koerschulte und Hotset mit Paketen hin und her. Die Luftverbindung ist wesentlich schneller als die über die verstopften Straßen. Aber auch hier: 6,5 kg Nutzlast sind keine Größenordnung, die von Skalierung träumen lässt. Ebensowenig die maximale Flugdauer von 45 Minuten und die Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h.

Die volldigitalisierte, vollautomatische Zukunft des Verkehrs am Boden wie in der Luft: Das ist es wohl nicht, worauf wir hoffen dürfen. Stattdessen auf kleine Verbesserungen mit begrenzter Wirkung. Auch was. Wie die Elektroroller. Die sind jetzt keine weltbewegende Verbesserung, aber hilfreich sind sie eben manchmal doch.

 (Bild: Gehl)
Bild: Gehl


Christian Gehl, iBusiness-Analyst

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