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Insider-Tipps Youtube: Erfolgsstrategien für die SEO-resistente Video-Plattform
03.12.2020 Youtube ist fern von Hypes zur konstanten Marketingmacht geworden. Auch deshalb, weil SEO-Tricks hier scheitern. Wie man erfolgreiche Videos auf Youtube erstellt und vermarktet.
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Broy, der auch als Youtube-Berater für Marken agiert, hat nach und nach Erfolgsstrategien für eine Plattform entwickelt, die seiner Einschätzung nach wie kaum eine andere Relevanz und Authentizität belohnt: "Wer hier hält, was er verspricht und eine ehrliche Haut ist, hat Erfolg. Clickbait dagegen wird von Youtube schnell und effektiv abgewatscht."
"Man muss den Leuten etwas geben, was sie wirklich sehen wollen", betont auch Thomas Praus , Geschäftsführer der Onlinemarketing-Agentur Panorama 3000 . "Wenn man bei Youtube nur seine Firmen-Doku oder den TV-Spot einspeist, dann ist es das eben nicht. Man muss sich viele Gedanken darum machen, was man den Leuten geben kann, das ihnen einen Mehrwert bringt."
Erfolgsstrategien für die weltgrößte Video-Plattform: Wieso keiner ihr Firmenvideo sehen will
Bei Youtube interagieren die Nutzer nicht so sehr miteinander und führen Dialoge (was auch vorkommt, aber nicht der Knackpunkt ist) - sie agieren mit den Creators und deren Content - und so kommt der Erfolg zustande. Wer Youtube als Abspielstation seines Firmen- oder Kampagnenvideos sieht, wird allenfalls erleben, wie dieser Content dort ""ein trauriges 300-View-Dasein fristet. Je mehr Menschen mit meinem Content interagieren, desto besser für meine Sichtbarkeit. Je mehr einem folgen, desto besser für die Sichtbarkeit - und irgendwann ist man dann erfolgreich", sagt Thomas Praus. Er habe beispielsweise miterlebt, wie einer seiner Kunden, ein Werkzeughersteller, auf Youtube nicht viel mehr anbot als Produktvideos und Tutorials für Kettensägen und Co.
Doch dann habe die Marke an der Videoqualität geschraubt, filmische Stilmittel eingesetzt und einen immer wiederkehrenden Produkttrainer als Identifikationsfigur eingeführt - plötzlich wollten mehr Menschen die Videos sehen. Denn mit dem Produkttrainer hat die Marke gezeigt, dass sie willens war zu lernen, mit welchen Ingredienzien man ein Youtube-Video zu einem Erfolg machen kann.
Der nutzerzentrische Ansatz
Klar, jede Marke stellt heute den Nutzer ins Zentrum, hat eine nutzerzentrische 360-Grad-Sicht auf den Kunden und ist sowieso von Kopf bis Fuß voll auf Customer-Centricity eingestellt - aber bei Youtube muss das eine gelebte Philosophie sein, mit Floskeln kommt man dort nicht weiter. Nur wer angeschaut wird, landet dank Algorithmus auf dem Nutzerbildschirm.Wer sich also einbildet, seine Produkt sei so interessant, dass ein Produktvideo ein Geschenk an die Menschheit sei, mag vielleicht glauben, er rücke den Nutzer in den Fokus - aber es ist ein Irrglaube. Creators auf Youtube müssen sich die Frage stellen, was ihre Nutzer wirklich sehen wollen - im Grunde müssen die Inhalte so relevant sein, dass die Nutzer dafür Geld bezahlen würden. Stattdessen bekommen sie sie scheinbar geschenkt, die Bezahlung erfolgt über Zeit und Aufmerksamkeit, die der Creator auf verschiedene Weisen monetarisieren kann.
Protagonist
Videos mit einem Protagonisten, der vor der Kamera auftaucht und sich als Identifikationsfigur anbietet, funktionieren besser als menschenleere Erklärfilme, bei denen etwa aus dem Off erzählt wird oder man ein Thema als reine OTon-Collage sich selbst erzählen lässt (etwa beim Stilmittel der Doku häufig anzutreffen). Besonders spannend wird es, wenn der Protagonist etwas bietet, was sonst keiner bietet. Es gibt Menschen, die einem etwas vorbacken auf Youtube - und es gibt Menschen, die einem etwas über Geschichte erzählen; Alexander Broy führt in seinen Videos jedoch beides zusammen und fabuliert beim Backen unterhaltsam über die Geschichte der zubereiteten Backware im Wandel der Zeit, gerne tritt der Pfeifenraucher auch mal mit einer Pfeife in seinen Videos auf - das ist skurril und nicht das, was der durchschnittliche Rezept-Googler will - und es ist nicht gewöhnlich, deshalb existiert eine Fanbase dafür.Dabei war Broy oft selbst überrascht, was funktioniert: "Es gab Passagen, da bin ich ins Schwafeln geraten und hab gedacht: Da spult doch jeder vor oder klickt weg - und dann haben die Statistiken gezeigt, dass gerade das funktioniert hat und angesehen wurde. Oder Passagen in Videos, in denen ich die Pfeife im Mund habe - die funktionieren auch überraschend oft besonders gut." Daraus ergibt sich das nächste Erfolgsgeheimnis eines guten Youtube-Creators.
Streichle deine Statistiken
Youtube bietet Creators ein umfangreiches Analytics-Tool mit einem spannenden Satz an Metriken - für Alexander Broy ist es "die beste verfügbare Marktforschung in der Filmbranche aktuell - es erlaubt mir, gezielt am Content zu arbeiten." Youtube wirft nämlich nicht nur Klassiker wie die Click-Through-Rate aus, sondern auch den 'relativen Verlauf', aus dem hervorgeht, wann genau Nutzer vorspulen oder wegklicken - und zwar ganz genau. Das Schauverhalten lässt sich auf einzelne Passagen niederbrechen, so kann ein Creator herausfinden, welche Elemente funktionieren oder nicht. Alexander Broy hat damit nach eigenem Bekunden sogar herausgefunden, welche Belichtungen und Einstellungen besser funktionieren und zum Verweilen animieren. Denn das ist die bedeutsamste KPI bei Youtube: Verweildauer.Zum Verweilen einladen
Nichts liebt Youtube so sehr wie Videos, die lange angeschaut werden oder fast noch besser: Creators, bei denen Nutzer ein Video nach dem anderen wegkonsumieren: Verweildauer ist Gold für die Plattform: "Merkt Youtube, dass meine Videos zu zu Ende gesehen werden, dass die Nutzer drin bleiben und reingezogen werden in meinen Content, dann werden meine Videos vom Algorithmus vorgeschlagen", sagt Thomas Praus. Und Alexander Broy warnt in diesem Zusammenhang vor der Abbruchgefahr rund um Themenwechsel, Überleitungen und Abmoderationen in Videos: "Überleitungen zum nächsten Thema sind Sollbruchstellen für einen Videoabbruch - da ist beim Nutzer fix der schnelle Zeigefinger zur Stelle und klickt weg." Stolpersteine seien hier langatmige Übergaben oder lange Abmoderationen am Ende. "Was hilfreich sein kann, sind Outtakes - verpatzte Momente oder Pannen - am Ende, damit die Nutzer dran bleiben. Besonders, wenn man das als festen Bestandteil etabliert und die Nutzer wissen, das noch etwas Unterhaltsames kommt."Titel, Thumbnails, Tags und die gefährliche Schere
Titel und Thumbnails sind die zwei wichtigsten Merkmale für die Außendarstellung eines Videos. Der Titel muss zum einen attraktiv sein, zum anderen die wichtigen Keywords für die Auffindbarkeit beinhalten. Hier mit Tags zu arbeiten, hat sich für Alexander Broy nur wenig bewährt: "Ich habe hier noch keinen hilfreichen Effekt feststellen können - es erscheint fast, als könne man hier - anders als beim Titel - schreiben was man will." Strengstens abzuraten ist dagegen von einer Titel- und Inhaltsschere - im Video muss es um das gehen, was der Titel in Aussicht stellt. Alles andere riskiert nicht nur negative Ratings von Nutzerseite - mittlerweile erkennt Youtube sogar automatisiert, ob ein Video von dem handelt, was im Titel steht. Das funktioniert über seine Spracherkennungsfunktion zur Untertitelgenerierung. Und dann benötigt das Video noch ein gutes Vorschaubild - das Thumbnail sollte neugierig machen und unbedingt den Protagonisten mit einem ausdrucksstarken Gesichtsausdruck zeigen.3,2,1 - raus damit: Der richtige Zeitpunkt
Ein Youtube-Video sollte nicht zu einem willkürlichen Zeitpunkt online gehen, sondern dann, wenn die Zielgruppe online ist. Hier sind Marktforschung und bei Geldmangel für selbige simples Trial-and-Error gute Verbündete. Auch sollte am Anfang Dampf gemacht und das Video überall da gepusht werden, wo man Marketingdruck zu erzeugen imstande ist: Auf der Homepage, anderen sozialen Kanälen, Newslettern. Wenn ein Video abheben soll, muss es beim Start angeschoben werden. Hier sind auch Kooperationen hilfreich - quasi Medienpartnerschaften unter Creators: Man lädt andere Youtuber als Gäste ein, man bewirbt deren Content und umgekehrt. Auch Stars der Plattform gehen diese Weg noch regelmäßig, um ihre Reichweite zu vergrößern.Und dann ist da noch das Geschäftsmodell
Auf Youtube kann man verschiedene Wege wählen, auf denen das Video wirken soll. Es kann als Marketingkanal fungieren und eine Marke aufbauen - aber es gibt Wege, seinen Videocontent direkter an eine Monetarisierungsstrategie anzudocken: Man kann dargestellte Produkte direkt verkaufen - und das geht um einiges cleverer, als nur einen Verkaufslink in die Beschreibung eines Produktvideos einzubauen oder geschickter, als einer Influencerin Geld dafür in die Hand zu drücken, damit sie sich verführerisch in den Gummibärchen räkelt, die man herstellt.Man kann es wie Alexander Broy tun und zeigen, wie man ein Bild malt - und dann dieses im selben Youtube-Video zum Verkauf anbieten. Ein entsprechendes Video Broys hatte 500 Abrufe und ein verkauftes Bild - damit war dieser Videocontent monetär erfolgreicher als viele der Videos mit Zehntausender-Abrufen.
Andere Geschäftsmodelle sind Beraterleistungen und Consultings - man bietet zunächst kostenlose Tipps, dann lädt man zur Newsletter-Registrierung ein und schließlich bietet man kostenpflichtige Dinge an - ein langsames Hineinsaugen des Nutzers in die Monetarisierung.
Beim Advertising täuschen indes hohe Abrufzahlen ebenfalls über den wahren Erfolg hinweg: Manch Youtuber mit einer Fanbase im Alter von 40plus verdient mit wenigen Abrufen mehr als deutlich populärere Influencer, die Teenagern Videospiele vorführen - Grund: Die Kaufkraft der relevanten Zielgruppe fließt in die Monetarisierung mit ein.
