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Dmexco: Pizza, Eis und nackte Busen
25.09.2009 Das Marketing der Interaktiv-Branche auf der diesjährigen Dmexco ließ bei dem einen oder anderen Branchenbeobachter Erinnerungen an die Hochzeiten des New-Business wach werden. Zumindest was Busen und Highheels anging.
Denn es gab in den Kölner Messehallen kaum einen Stand, an dem es nicht mehr oder weniger teure Werbegeschenke einzusammeln gab.
Kein Wunder, dass im Vorfeld allerorts aus der Branche zu hören war, wie teuer der jeweilige Messeauftritt ausgefallen wäre - und dabei wurde nicht nur der Messeorganisator angesprochen, der es branchenüblich von den Lebendigen genommen hat.
Wer schon keine Werbegeschenke zu bieten hatte, oder ein italienisches Zweirad verloste, der lockte das gefällige Publikum mit Leckereien - seien es Wasabinüsse, Energydrinks oder edlen Schnittchen.
Doch auch stärkere Ernährungsgeschütze wurden aufgefahren. So kommte man sich wahlweise Snacks von einer als Fließband-Lebensmittelsproduktion umgebauten Messepräsentation schnappen, sich bei Gruner+Jahr an einer leibhaftigen Eistheke bedienen lassen oder sich bei Axel Springer und Oetker "Volks-Pizzas servieren lassen.
Auch einen ausgewachsenen Obststand konnte man besuchen - letzteren allerdings mit Fleischbeilage. Diese bestand aus hübschen jungen Damen, bei denen die Standregisseure allerdings deutlich an den Textilien gespart haben.
Der Sex-Faktor war auf der ersten Dmexco mindestens so hoch, wie auf der letzten Internet World in Berlin des Jahres 2001 - bevor die ganze Branche in kollektiven Kater geriet: Tiefe Ausschnitte und Messedamen mit Mörder-Highheels inklusive. Was allerdings weniger darauf zurück zu führen ist, dass die gegenwärtige Branchenlage derjenigen des Jahres 2001 entspricht. Sondern höchstens, dass das vorgeführte Selbstbewußtsein des einen oder anderen Ausstellers auf vergleichbarer Höhe anzusiedeln ist - ebenso, wie die Lust und der vermutete Zwang zur ungewöhnlichen Außendarstellung.
Tatsächlich:Im Gespräch war es mehr als ein Aussteller, der vor allem den Branding-Effekt der Messe in den Vordergrund stellte. Und als Messezweck des eigenen Unternehmens ausgab: Der Branche zu zeigen, dass man zum einen noch da sei und dass es einem (zum anderen) gut ginge. Das hat die Branche eindrucksvoll bewiesen.
Da wären Schatztruhen voller Werbegeschenke eigentlich gar nicht nötig gewesen. Aber sich selbst ein bißchen zu feiern, das kann sich die weitgehend krisenresistente Internet-Branche inzwischen sogar wieder leisten. Denn eine Blase kommt höchstens noch von unvorteilhaftem Schuhwerk.
