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Wie Elon Musk Twitter umbauen will
26.04.2022 Der Tech-Milliardär Elon Musk will Twitter für 44 Milliarden Dollar kaufen. Musk will den Dienst von der Börse nehmen, den Algorithmus offen legen und für mehr Meinungsfreiheit sorgen. Oder was er dafür hält.
Wirtschaftlich ist Twitter bislang nicht viel Erfolg beschieden. Anders als Konkurrenten wie TikTok oder Facebook ist es Twitter bislang nicht gelungen, ein starkes Wachstum zu erzielen. Noch vor kurzem lag der Börsenkurs sogar unter dem Wert, mit dem das Unternehmen 2013 startete. Im Unterschied zu anderen Social-Media-Diensten konnte Twitter allerdings viele prominente Nutzer aus Wirtschaft und Politik für sich gewinnen, deren Tweets viel beachtet und häufig zitiert werden, so dass der Dienst eine wichtige Rolle im öffentlichen Diskurs spielt.
Authentifizierung und Open-Source: Was Elon Musk nun plant
Elon Musk selbst ist mit mehr als 80 Millionen Followern einer der besonders prominenten Twitter-Nutzer - hatte aber zugleich auch viel Ärger mit dem Dienst. So wurde dem Tesla-Chef etwa eigens ein "Twitter-Sitter" zur Seite gestellt, der jeden Tweet prüfen muss, der den Tesla-Aktienkurs betreffen könnte. Grund waren zahlreiche Botschaften, mit denen Musk den Kurs seiner E-Auto-Firma auf Achterbahnfahrt schickte. 2020 ließ er den Wert der Tesla-Aktien gar mit einem einzigen Posting um 12 Prozent nach unten rauschen, zahlreiche Anleger verloren viel Geld. In den USA sind seither mehrere Klagen anhängig, es geht um einen Schaden im Milliarden-Bereich. Aber auch mit privaten Tweets machte sich Musk Feinde. So bezeichnete er 2018 einen Rettungstaucher des Höhlendramas in Thailand als "pedo guy", als "pädophilen Kerl", weil dieser ein von Musk angebotenes Rettungs-U-Boot als untauglich bezeichnete.Nun hofft Elon Musk einer von ihm veröffentlichten Erklärung zufolge, dass nach der Übernahme "auch seine schärfsten Kritiker" bei Twitter bleiben, denn es ginge ihm vor allem um den Erhalt der Meinungsfreiheit. Wobei nicht ganz klar ist, ob Musk gelegentlich einfach "Einschränkung der Meinungsfreiheit" mit "öffentlicher Kritik" und "Regeln im Diskurs" verwechselt. Jedenfalls machte er sich in der Vergangenheit auch dafür stark, dass sich der ehemalige US-Präsident Donald Trump weiter auf Twitter auslassen darf, selbst nachdem er seine Anhänger zum Sturm auf das Capitol anstachelte. Allerdings: Der geschasste Ex-Präsident hat bereits in einer Reaktion im US-Fernsehsender Fox angekündigt, nicht zu Twitter zurück zu kehren. Immerhin.
Mit Hatespeech zur Meinungsfreiheit?
Kritiker befürchten nun, dass Hatespeech und Hasskommentare wieder zunehmen werden. Musk tritt dem entgegen, in dem er den Algorithmus von Twitter als "Open Source" veröffentlichen will. So will er für mehr Transparenz und Fairness sorgen. "Ich mache mir Sorgen darüber, dass die faktische Voreingenommenheit des Twitter-Algorithmus' einen großen Einfluss auf den öffentlichen Diskurs hat", erklärte Musk in einem Tweet aus dem vergangenen Monat.Zugleich sagt er Maschinen den Kampf an, die diesen Algorithmus besonders gut ausnutzen. Spam-Bots (die häufig Musks Konterfei für unautorisierte Werbung verwenden) will er "besiegen". Das gehöre zu seinen obersten Prioritäten, wenn er Twitter-Chef wäre, erklärte er erst vor wenigen Tagen auf der TED 2022 . Zudem kündigte Musk an, "alle Menschen authentifizieren" zu wollen: "Ich möchte Twitter besser machen als je zuvor, indem ich das Produkt mit neuen Funktionen verbessere, den Algorithmen als Open Source zur Verfügung stelle, um das Vertrauen zu erhöhen, die Spam-Bots besiege und alle Menschen authentifiziere", heißt es in einer Pressemitteilung von Montag. Außerdem will er einen Edit-Button einführen, mit dem sich bereits veröffentlichte Tweets nachträglich verändern lassen. Letzteres dürfte insbesondere seinem Twitter-Sitter die Arbeit erleichtern.
(Video: iBusiness)
Eher weniger zur Transparenz-Offensive wird dagegen beitragen, dass Musk Twitter von der Börse nehmen und in Zukunft als privates Unternehmen führen will. Auf diese Weise kann der Tech-Milliardär seinen oft eigenwilligen Führungsstil ungebremst ausleben.
Sofern die Übernahme gelingt. Denn noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Neben den Aktionären müssen auch die Börsenaufsicht und andere Behörden zustimmen, was noch in diesem Jahr geschehen könnte. Diese Beurteilung gilt einerseits als relativ niedrige Hürde, wird aber andererseits aufgrund der politischen Brisanz des Themas auch mit einiger Spannung beobachtet - zumal sich der polarisierende Musk dabei durchaus selbst im Wege stehen könnte.
Zum Beispiel mit einem unbedachten Tweet.

