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KI: Wieso so viele Projekte nach dem Piloten abstürzen
17.08.2022 Das KI-Pilotprojekt lief gut, doch dann folgte der Absturz: Firmen unterschätzen, wie weit es vom gelungenen Piloten zur Alltags-Einführung von KI ist. So geht's unfallfrei.
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Ein paar Grundlagen sind bereits in Analyse eins diskutiert worden, ohne die man ein KI-Projekt nicht erfolgreich aufsetzen kann. Im Schnelldurchlauf nochmal zusammengefasst sind das vor allem vier Knackpunkte:
- Singularitäten ausschließen: Wenn einmal jemand für 10.000 Euro eingekauft hat, der Rest der KundInnen aber für durchschnittlich 200 Euro, gehört der Ausreißer rausgeschmissen, sonst trübt er die Objektivität der KI und kann katastrophische Fehlurteile zeitigen.
- Daten nivellieren: Es müssen nicht immer offenkundige Ausreißer sein, es kann auch sein, dass Daten uneinheitlich sind, doch genau das müssen sie für die KI sein (man sollte also eventuell nicht Regenschirmverkaufszahlen während einer Hitzewelle mit denen einer Regenperiode vergleichen). Weltgeschehen und Wetter sind zwei mögliche Verschmutzer von sauberen Daten.
- Man hüte sich vor Jugend und Kleinteiligkeit: Erfahrungen zeigen, dass junge NutzerInnen ein volatileres Verhalten haben als ältere und weniger als Objekte der Prognostik taugen; man sollte also erwägen, sie auszuklammern. Verhaltensweisen in Bezug auf billige und untergeordnete Warengruppen sind ebenfalls kaum vorhersagbar - also keine KI-Kampagne zum Becher Magerquark, bitte.
- Menschen, Mensch!: KI ist selten ein kompletter Ersatz für den Menschen. Beim Chatbot sollte man eine Weiche einbauen, wann der virtuelle zum menschlichen Agenten verweist und grundsätzlich sollten alle KI-Entscheidungen einer Stichprobe unterzogen werden.
Wie man einen gelungenen Piloten hinbekommt
Eine Blaupause für die gelungene Konzeption eines Piloten gibt es in ausführlicher Form im Buch Künstliche Intelligenz - Zukunft des Marketings von Bernhard Wecke und Professorin Doktor Claudia Bünte, KI-Expertin an der Berlin University of Applied Science , die "die Bereitschaft zum Scheitern" als wichtige Zutat begreift. "Man muss wissen, was man erreichen will, benötigt ein ordentliches Budget und muss Meilensteine einbauen, anhand derer man ständig nachjustiert." Sie empfiehlt den Aufbau in drei Phasen.Pilot-Setup, Phase eins: Definitionsphase - Ziel, KPI, Daten
Wenn man sich dazu entschieden hat, einen KI-Piloten zu starten, sollte ein Ziel der Initiative festgelegt werden: Will man herausfinden, ob KI überhaupt einen Zweck im Unternehmen erfüllen kann? Oder will man nur noch herausfinden, welcher Zweck das sein könnte? Hat man ein bestimmtes Problem, das sich als resistent erwiesen hat und versucht herauszufinden, ob KI einen Lösungsbeitrag leisten kann? Im zweiten Schritt legt man nun fest, wie man den Erfolg der Maßnahme messen möchte - hat KI zur Problemlösung beigetragen? Dafür muss eine KPI her: Das kann durchschnittliche Warenkörbe, Conversion Rates, Abbruchquoten, Kundenzufriedenheit et cetera sein.Und so einfach das klingen mag, weisen Buente/Wecke darauf hin, dass sich die Identifikation des zu lösenden Problems und die Konkretisierung der Fragestellung "als wesentliche Barriere für KI-Piloten" erweist. Denn oftmals denkt man, es gehe darum, die Voraussetzungen zu testen, unter denen man KI künftig einsetzen wird, doch tatsächlich kommt es darauf an, "die Möglichkeiten von KI mit dem 'richtigen' Problem zusammenzubringen." Zeigt sich beispielsweise, dass man ein hartnäckiges Problem hat, bei dem diverse andere Herangehensweisen fruchtlos geblieben sind, darf man das als Hinweise werten, dass man nun doch einmal eine KI-Anwendung auf dieses Problem loslassen sollte. Das impliziert auch, dass man KI nicht benutzen sollte, um ein innovatives Geschäftsfeld zu erproben - zum einen fehlen hier Vergleichszahlen, zum anderen sind Innovationen für den laufenden Betrieb und den Geschäftserfolg weniger interessant. So verwendet man Zeit und Mühe eventuell auf ein Vorhaben, das irgendwann in die Schublade gepackt wird.
Warum ein KI-Pilot anders funktioniert als die unternehmensweite Einführung
Daten-Genügsamkeit:
Für einen Piloten sind aufgrund seiner begrenzten Natur weniger Daten notwendig als für die finale Einführung. Ob also etwas für den Alltagsbetrieb fehlt, zeigt sich eventuell erst später.Technisches Insel-Dasein:
Der Pilot läuft losgelöst vom Restunternehmen. Widerstände anderer Abteilungen oder abteilungsbezogene technische Hürden tauchen erst später auf: So sind etwa 50 Prozent der Tools, die KI-Managerinnen nutzen, Insellösungen, so der Hinweis von Claudia Buente. Eventuell beißt man sich also beim Rollout die Zähne aus, die KI für mehrere Abteilungen nutzbar zu machen.Abgespeckter Funktionsumfang:
Im Piloten wird ein MVP - Minimum Viable-Product - mit begrenztem Funktionsumfang verwendet. Diese abgespeckte Anwendung lässt also keine Schlüsse auf die volle Palette von Problemen zu, die sich eventuell auftun.Welpenschutz:
Man arbeitet im Piloten losgelöst von den Unternehmensregeln in einem Schutzraum - die Konflikte sind also überschaubar und dürften zunehmen, sobald man die unternehmensweite Einführung anpacken wird.Pilot-Setup, Phase zwei: Verortung
Hat man die grundlegenden Entscheidungen für den Piloten getroffen, muss man den Status Quo betrachten: Wie genau sieht die aktuelle Lage ohne KI-Verwendung aus? Plant man beispielsweise, einen Chatbot im Service zu testen, so sollte man den Live-Betrieb des Contact Centers anschauen, um typische Fragestellungen der KundInnen herauszufinden. Und dann geht es an das Lieblingsthema aller Menschen, die mit einer KI-Einführung ringen: Die Daten. Man sollte drei basale Fragen beantworten können:- Woher kommen sie?
- Was taugen sie?
- Und: Passen sie überhaupt zu meinem Problem?
