Tipp- oder Rechtschreibfehler, Pluralbegriffe oder komplexe Sucheingaben sorgen dafür, dass jede dritte Suchanfrage keine oder falsche Ergebnisse liefert. 13 Dinge, die Ihre Suche können sollte: Zum Whitepaper!
In diesem Whitepaper erhalten Sie das Erfolgs-Rezept gegen ergebnislose Strategietagungen, versandende Aktionspläne und teure Beratereinsätze.
Zum Whitepaper-Download

Google und Verleger: Taliban. Idioten. Gierschlünde.

von Joachim Graf

10.12.12 Ich kann es nicht mehr hören, dieses Gejammer von Verlegern und Journalisten. Und egal, ob das jetzt politisch korrekt ist oder nicht: Es ist gut und richtig, dass Verlage pleite gehen und Medien zumachen. Sie sind ja selber schuld. Ein Rant von Joachim Graf.

Im Bild: Google-Chef Larry Page bereitet sich auf den bösartigen Überfall auf unschuldige kleine Verleger vor. Die Waffen von links nach rechts: Semantische Suche, Wikipedia in Silber Robots.txt (im Fass) sowie jede Menge Backlinks. Seine berüchtigten Komplizen Panda und Pinguin sind nicht mit im Bild. (Bild: Microkosmic.com)
Bild: Microkosmic.com
Im Bild: Google-Chef Larry Page bereitet sich auf den bösartigen Überfall auf unschuldige kleine Verleger vor. Die Waffen von links nach rechts: Semantische Suche, Wikipedia in Silber Robots.txt (im Fass) sowie jede Menge Backlinks. Seine berüchtigten Komplizen Panda und Pinguin sind nicht mit im Bild.
Unterhalb des Untergang des christlichen Abendlandes machen es Verleger und Journaille ja nicht. Besonders putzig ist es ja, wenn die Marktradikalen-Fraktion von hochbezahlten Wirtschaftsredakteuren nach Staatsrettung jammert, wenn die normalerweise rechts überholenden Verleger sich jetzt in die sozialliberale Kuschelecke flüchten: "Angela, rette uns vor der bösen Globalisierung!"

"Angela, rette uns vor der bösen Globalisierung"


Erinnern Sie sich an Schlecker Relation Browser ? Dann raten Sie mal: Wer schrieb folgende Zeilen:
    Schlecker verdient keine Staatshilfe
    (...)Deutschland hat einen funktionierenden Sozialstaat. Wie will man begründen, dass einige Menschen arbeitslos werden, wenn man sie entlässt, andere aber noch eine Zeit auf Kosten der Arbeitslosenkasse und des Steuerzahlers in einer Auffanggesellschaft weiterbeschäftigt werden?"
Genau. Es war ein Leitartikel der Financial Times Deutschland zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser . Nun: Sie haben recht. Ein Unternehmen, das keine wirtschaftliche Grundlage mehr hat, muss vom Markt verschwinden - zumindest in einer Welt der Marktwirtschaft. Oder der Steuerzahler muss alimentieren. Das ist aus gutem Grund auf öffentliche Aufgaben reduziert: Polizei und Feuerwehr beispielsweise entziehen sich der Verwertungslogik, aber schon im Gesundheits- und Verkehrssystem ist sich die Gesellschaft nicht einig. Aber Medien, da herrscht seit mehreren hundert Jahren der gesellschaftliche Konsens, dass das eine privatwirtschaftliche Veranstaltung sein soll.

Das galt zumindest so lange, bis der Markt damit drohte, die Damen und Herren Journalisten auf einmal selbst arbeitslos zu machen. Nun geht bei den Meinungsführern, die sich bislang so gerne auf Augenhöhe mit den Millionenverdienern aus den Chefetagen sahen, die Angst um. Schon fordert man im Spiegel - ebenfalls von Stellenabbau bedroht - ein Fair-Trade für Schreiberlinge zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser . Der Journalist setzt sich auf eine Stufe mit dem Kaffeebauern aus Equador und beschwert sich noch: " Immer mehr Menschen legen Wert darauf, die Produktionsbedingungen ihres Kaffees oder T-Shirts zu kennen. Wie Nachrichten entstehen, scheint deutlich weniger zu interessieren." Ist ja auch gemein, dass man jemand, der 10 Euro im Monat verdient mehr Aufmerksamkeit schenkt als jemand, der laut Tarifvertrag deutlich über 50.000 Euro erhält - und nach eigener Wahrnehmung so viel verdient wie die von ihm interviewten Reichen und Schönen.

Journalisten sind überbezahlt

Wenn eine Gruppe von Menschen für ihre Arbeit mehr bekommt als eine andere für die identische Arbeit, dann muss man entweder die Gehälter der Billigerarbeiter anheben, die der Teurerarbeiter senken oder weniger Teurerarbeiter beschäftigen. Die Print-Verlage tun seit Jahren vor allem letzteres. Die Online-Unternehmen stellen gleich keine Teurerarbeiter ein, sondern holen sich Billigerarbeiter. Oder gleich Maschinen. Zum Beispiel zum Suchen. Preisfrage: Wozu brauche ich noch einen Journalisten,
  • wenn ein Algorithmus, beispielsweise Sportnachrichten, vollautomatisch erzeugt werden kann?
  • wenn sich deutlich mehr Nutzer viel mehr dafür interessieren, was andere Nutzer sagen, meinen, toben, kreischen - als was ein Teuerarbeiter meint, analysiert, recherchiert, schreibt (und ich per Werbung als Verleger gerade deswegen mein Auskommen habe)
  • wenn es genügend Leute gibt, die Content verschenken, weil sie ein kommunikatives, persönliches oder anderes wirtschaftliches Interesse haben?

Es gibt in Deutschland
  • rund 50 TV-Sender
  • rund 100 Tageszeitungen,
  • rund 10.000 Fachzeitschriften und Magazine
  • aber über 15.000.000 deutschsprachige Web-Domains
  • und immer noch nur 24 Stunden, das entspricht 1.440 Minuten, die zur Mediennutzung zur Verfügung stehen. Und das gilt selbst dann, wenn man die Nacht dazu nimmt.
Nun haben die Herausgeber der 100 Tageszeitungen und der 10.000 Fachzeitschriften und Magazine nichts dagegen, wenn der Betreiber der einen oder anderen der 15 Millionen deutschsprachigen Domain pleitegeht. Oder mit dem Betrieb seiner Website kein Geld verdient. Aber umgekehrt - so fragen sich die Verleger und die bei ihnen beschäftigten Journalisten: Was haben 15.000.000 Websites mit uns zu tun? Die dürfen doch nicht mal auf den Bundespresseball, sind nicht in der MA gelistet und sind vor allem k-l-e-i-n! Jeder für sich.

Genau, was haben denn 15.000.000 Kleine auch mit den 333 Grossenwichtigenundrelevanten zu tun? Schließlich schauen wir noch immer Kuhlenkampff zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser in der ARD und haben unsere regionale Tageszeitung im Abonnement. Und das Smartphone dient als Lesezeichen für den Auswahlband beim Buchclub Bertelsmann, während wir ein Pfeifchen rauchen und die Hausfrau den Abwasch macht und in der Küche der Rede von Bundeskanzler Adenauer im öffentlich-rechtlichen Radio lauscht. Es gibt wenige Medien, es gibt viel Zeit, es gibt ein hohes Medien-Involvement.

Bild: uncyclopedia.wikia.com unter Creative Commons Lizenz by
SEO Du machen sollst, junger Taliban!

Und wer ist schuld? Der Taliban!

Und wer ist schuld, dass alles heute schwieriger ist? Der Taliban. Sagt der, der es wissen muss: Der Springer-Cheflobbyist Christoph Keese Christoph Keese in Expertenprofilen nachschlagen . Für ihn ist - natürlich - Google Relation Browser der Feind. Taliban nennt er ihn nicht mehr. Sondern "eine Art Taliban", wie er in seinem Blog zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser beteuert. Warum eigentlich in seinem Blog, und nicht in den vielen Qualitätszeitungen, die der Axel-Springer-Verlag zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser mit einer Bezahlschranke versehen will? Kostet das nicht unschuldigen kaffeepflückenden und am Hungertuch nagenden Bild-Redakteuren ihre bescheidene Existenz, wenn sich einer ihrer Oberen mit den 15 Millionen gemein macht? Egal, auch daran ist sicher auch der Googletaliban schuld. Oder der Talibangoogle. In jeden Fall der Eine-Art-Taliban-Google.

Springer-Chef Mathias Döpfner Mathias Döpfner in Expertenprofilen nachschlagen hat den Taliban durchschaut. Bei den leistungsschutzrechtlichen Abweichlern der Zeit enthüllte er die wahren Interessen des erzkapitalistischen Taliban: "In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren. Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen."

Er ist auch eine wahre Plage, der Taliban. Nicht nur dass er Geld verdienen will (was bitte den Verlegern vorbehalten sein sollte). Er hat auch ein Geschäftsmodell (ein Verbrechen an der geschäftsmodellosen Mehrheit von Unternehmen - zum Beispiel an Verlegern.) Und er ist die Verlockung, die Sünde an sich. Er ist der eigentliche Antichrist, weil er harmlose geschäftsmodelllose Verlagsangestellte in seine Arme drängt. Zum Beispiel, indem er sie verführt als Praktikanten (m/w) im Bereich SEO / Online Marketing am Standort Hamburg zur SEO-Optimierung der Portale autobild.de und computerbild.de zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser zu arbeiten.

Ich möchte mich nicht noch einmal über die unsägliche Verleger-Initiative zum sogenannten Leistungsschutzrecht auslassen. Das haben wir bei iBusiness in den vergangenen zwei Jahren bereits nach Strich und Faden auseinandergenommen. Wir haben analysiert
Dem ist einfach nichts Neues mehr hinzufügbar.

Was mich allerdings auf die Palme bringt, ist folgendes: Da finden es die Großverleger gemein, dass jemand anderes als sie selber die Suchmaschine als Geschäftsmodell erfunden hat (und als man sie dann mit 'Paperball' hatte, aus Angst vor einer Selbstkannibalisierung hat wieder in der Schublade verschwinden lassen). Und sie und ihre nützlichen Idioten in Zeitungsredaktionen und Verbänden weinen, wehklagen und jammern, dass die Welt des 21. Jahrhunderts nicht mehr die des 19. Jahrhunderts ist - und prügeln Google, weil das der Repräsentant des bösen Internets ist.

Und nehmen in Kauf, dass innovative Geschäftsmodelle zu dutzenden abgeschlachtet werden. Ich mache mir keine Sorgen, dass Google durch die deutschen Verleger ernsthaft Schaden nimmt. Die Suchmaschine steckt das weg und zahlt selbst Lizenzen aus der Portokasse. Aber die tausenden von deutschen Online-Start-ups mit ihren zehntausenden von Unternehmern und Unternehmen werden von der großbäckigen Hybris gieriger Großverleger an den Rand gedrängt.

Hallo, liebe Verlegerkollegen: Was wir gekonnt haben, hättet ihr auch gekonnt

Es ist ja nicht so, dass das Internet plötzlich gekommen ist. Es ist ja nicht so, dass die Zeitungsauflagen nicht schon seit Jahren sinken und sinken. Schaut in die Charts der IVW Relation Browser : Ein Blick auf deren Homepage (ja, ich weiß: "Böses Internet") und ihr seht: alle Gesamtauflagenzahlen sind im kontinuierlichen Sturzflug. Seit zehn Jahren.

Ihr hättet es also erkennen können. Habt ihr aber nicht. Weil ihr mit Geld zählen beschäftigt wart. Weil ihr Euch auf eurem Geschäftsmodell aus dem 19. Jahrhundert ausgeruht habt. Weil ihr euch nicht vorstellen konntet, dass euch das passieren könnte, was in euren Wirtschaftsressorts schon immer gutgeheißen wurde: Dass Unternehmen vom Markt verschwinden, wenn sie obsolet werden.

Wir von iBusiness verdienen seit bald zwanzig Jahren Geld im Internet. Und hatten keine willfährigen Politiker, die uns Konkurrenten oder Marktveränderer vom Hals schaffen wollten, als unser Geschäftsmodell sich Mitte der 90er Jahre geändert hat. Was wir vor 15 Jahren geschafft haben, das könnt ihr auch, wenn ihr endlich eure Ärsche aus der bequemen Sesselkuhle hochwuchtet und anfangt darüber nachzudenken, ob nicht vielleicht doch noch ein drittes Geschäftsmodell neben Contentverkauf und Anzeigen existiert (Geschäftsmodelle gibt es, versprochen. Ich verrate sie sogar. Aber nur gegen Geld, ihr versteht, Paid Service und so ....)

Ändert Euch. Oder geht unter.

Ändert euch. Oder geht unter. Aber hört endlich auf zu jammern und eine ganze Gesellschaft mit euren Problemen zu nerven. Denn genau das ist es: Euer Problem.

Marktzahlen zu diesem Artikel

Weitere Artikel zu diesem Themenbereich:

In diesem Beitrag genannt:

Trackbacks / Kommentare
Artikel Weiterempfehlen
Empfehlen Sie diesen Artikel an Kollegen oder Freunde weiter.
Alle Meldungen vom 10.12.12:

Für diesen Seite von iBusiness steht eine Mobile Ansicht zur Verfügung.
Umleiten?