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Klickbringer Krankheit: Nutzwert-Communitys bei Publishern
06.08.2008 Große News-Portale setzen auf Gesundheit als Interessenmagnet für die Nutzer. Durch eigene oder eingebundene Web-2.0-Elemente will man die Besucher auf der eigenen Seite halten und neue dazu gewinnen. Derzeit hat Focus.de die Nase in diesem Bereich weit vorn, Spiegel Online lässt das Nutzwertige eher draußen - und stern.de geht den Mittelweg.
Durch Einbindung in das beim Magazin und seiner Website traditionell wichtigen Gesundheitsressort wollen die Münchener der Konkurrenz aus Norddeutschland entgegentreten. Denn auch aus dem Hause Gruner+Jahr gibt es via Gesundheitsrubrik auf stern.de ausgebaute Angebote, die die Nutzer wahrnehmen. Zudem zeigt die Onlineausgabe des Hamburger Magazins ihre Kompetenz in dem Bereich auch durch das von Markus Grill als explizit als Pharmablog gestartete und modifiziert weitergeführte Blog .
Das extrem reichweitenstarke Spiegel Online hat sich dem Wohlergehen weit weniger verschrieben, als die beiden Mitbewerber. Gesundheit läuft hier als Unterrubrik im Wissenschaftsressort. Geschichten über den Urangehalt im Wasser kommen natürlich vor, aber '10 Tipps für einen gesunden Rücken im Büro' oder ähnliche Klassiker fehlen. Diese Schwerpunkte will dagegen Focus Online mit der bisher in der Münchner Klenzestraße residierenden Jameda weiterdrehen. Nun sollen die Nutzer die Ärzte bewerten und weiterempfehlen - eine Art Spickmich für Patienten, veredelt durchs Focus-Logo. Zudem können aber auch die Ärzte ihre Services anpreisen. Bisher verfügt Jameda nach eigenen Angaben über eine Datenbank mit 300.000 Adressen. Davon seien 170.000 niedergelassene Ärzte sowie Heilpraktiker und verwandte Berufe.
Focus setzt mit der Integration der Community auf eine Konzentration seiner Kompetenzen im Bereich Gesundheit. Neben dieser Abgrenzung von den anderen beiden großen Nachrichtenmagazinen im Web, steht auch ein weitergehender Ansatz als er bei klassischen auf Medizinthemen setzenden Webangeboten. Interessant an dem Focus-Zukauf ist etwa der Vergleich mit dem Webangebot des Wort&Bild Verlags , dessen gedruckte 'Apotheken Umschau' zwar als Heft auf gut 19,5 Millionen Leser kommt, dessen Webableger Gesundheitpro.de allerdings natürlich mit Focus nicht annähernd mithalten kann. Die gut 8.000 täglichen Unique Visitors sind gegen die von Focus erreichten über 100.000 Unique Visitors sehr gering. Durch die Einbindung von Jameda in Focus-Online verfolgt Focus das Ziel, Jameda zur "tonangebenden Bewertungsplattform für das Gesundheitswesen zu machen".
Der neue Schwerpunkt bei Focus setzt auf einen von iBusiness beschriebenen Trend: Bisher passive Kunden in den Communitys werden zu aktiven Inhalte-Produzenten: Sie bloggen, stellen Videos oder Bilder ins Netz, geben Kaufempfehlungen und sorgen für Diskussionen um Produkte. Bisher wird der deutsche Online-Markt für Gesundheitsinformationen von Angeboten wie Netdoktor und DocInsider dominiert. Aber im Hintergrund sprießen immer mehr Social Networks zum Thema Gesundheit aus dem Boden. In den USA geht der Trend noch ein Stück weiter. Dort wählen sich weit über ein Drittel der Hausärzte ins Netz ein und beraten Patienten virtuell, statt eines Hausbesuches. In Deutschland verbietet das die Ärzte-Berufsordnung. So sind Gesundheitsportale hierzulande rechtlich eingeschränkt: Sie dürfen keine individuellen Behandlungstipps geben, nur allgemeine Erklärungen zu Krankheiten und Behandlungen sind erlaubt.
